
Pakistanische Träger

Gasherbrum II

Lager I mit GII und GIII

Gasherbrum II

drittes Hochlager am Gasherbrum II

Gasherbrum II

Gerlinde Kaltenbrunner am Gasherbrum II
Gasherbrum II (8.035 Meter) - Karakorum
M2b Redaktion am 11.05.2007 - 14:00 Uhr
"Die leuchtenden Berge" - das sind die sechs höchsten Gipfel des Karakorums. Einer von ihnen ist der Gasherbrum II: er gehört zur so genannten Gasherbrum-Gruppe, die insgesamt fünf Gipfel umfasst. Mit dem 'Hidden Peak' (Gasherbrum I) und dem Gasherbrum II befinden sich darunter auch zwei Achtausender.
"Der schöne Berg"
In Anlehnung an die im Abendlicht prächtig erstrahlende Westwand des Gasherbrum IV wird das Wort "Gasherbrum" oft als "leuchtende Wand" übersetzt. Es setzt sich jedoch aus Elementen einer sino-tibetischen Sprache, dem Balti, zusammen. In dieser Sprache der Einwohner Baltistans, im indischen und pakistanischen Kaschmir, bedeutet "rgasha" schön und "brum" heißt Berg. Die Gasherbrums sind also eigentlich "schöne Berge".
Mit 8.035 Metern gilt der Gasherbrum II als einer der "kleinen" Achttausender. Nimmt man für den Shisha Pangma, für den widersprüchliche Höhenangaben existieren, die als offiziell geltende Höhe von 8.013 Metern an, dann ist der Gasherbrum II der zweitniedrigste Achttausender - und der dreizehnthöchste Berg der Erde.
Längster Gletscher der Erde
Das Karakorum-Gebirge liegt im Norden Pakistans und beherbergt etwa die Hälfte der hundert höchsten Erhebungen der Erde. Somit ist es, obwohl der höchste Berg unseres Planeten sowie neun weitere Achttausender im benachbarten, viel weitläufigeren Himalaya zu finden sind, das eigentlich höchste Gebirge der Welt.
Das Karakorum ist zudem das am stärksten vergletscherte Hochgebirge der Erde. Hier ist der Grad der Vergletscherung etwa drei Mal so hoch wie im Himalaya; auch finden sich Gletscher in ganz anderen Größenordnungen. Mit dem Siachengletscher, der eine Länge von 78 Kilometern erreicht, befindet sich - lässt man die arktischen Regionen unberücksichtigt - der längste Gletscher im Karakorum. Biafo- und Hispargletscher stellen zudem die längste ununterbrochen vergletscherte Strecke mit einer Länge von 120 Kilometern.
Erstbesteigung 1956
Eine österreichische Expedition konnte am 07. Juli 1956 die Erstbesteigung des Gasherbrum II für sich beanspruchen. Die Expedition war 1956 von der Österreichischen Himalaya Gesellschaft in das Karakorum-Gebirge geschickt worden. Nur drei der acht Expeditionsteilnehmer erreichten den Gipfel: Expeditionsleiter Fritz Moravec, Josef Larch und Hans Willenpart. Nach der Querung von Lager 3 auf 7.150 Metern waren die drei Bergsteiger am Südwestgrat unter der Gipfelpyramide zum Südostgrat gequert und hatten auf 7.700 Metern biwakiert, um dann am nächsten Tag auf den Gipfel aufzusteigen. Es wurde kein künstlicher Sauerstoff verwendet.
Genau 50 Jahre später, am 07. Juli 2006, konnte eine Schweizer Expedition erstmals die Nordwand des Gasherbrum II durchsteigen. Ueli Steck, Hans Mitterer und Cedric Hählen erreichten den 7.772 Meter hohen Ostgipfel, verzichteten jedoch aufgund der hohen Lawinengefahr auf den weiteren Aufstieg auf den Hauptgipfel.
Legendäre Doppelüberschreitung
Im Jahre 1984 konnten Reinhold Messner und Hans Kammerlander die erste Doppelüberschreitung von zwei Achttausendern im Alpinstil feiern. Die beiden Bergsteiger hatten sich bei der Überschreitung von Gasherbrum II und Gasherbrum I weder einer groß angelegten Expedition und Lagerkette, noch künstlicher Sauerstoffzufuhr bedient, und bewältigten die beiden Gipfel ohne zwischenzeitlichen Abstieg ins Tal. Diese Überschreitung von beiden Gipfeln in einer Tour und ohne fremde Hilfe gilt bis heute als eine der herausragendsten Leistungen im Höhenbergsteigen.
Technisch der leichteste Achttausender
Aufgrund der objektiv verhältnismäßig sicheren Route gilt der Gasherbrum II als einer der am leichtesten zu besteigenden Achttausender. Trotzdem dürfen die extreme Höhe und auch andere Begleitumstände wie klirrende Kälte und die logistisch aufwendige Lagerkette nicht vernachlässigt werden. Außerdem gilt es, einen längeren Anmarsch durch die Hochgebirgswelt des Baltoro-Gletschers einzuplanen.
Zwischen Basislager und Lager I wird ein Eisbruch durchstiegen, in dem sich die Wegfindung mitunter als etwas schwierig gestaltet. Ab dem Lager I folgt die Route dem Südwest-Sporn bis auf etwa 7.400 Meter Höhe und quert dann unter der Gipfelpyramide zum firnigen Südost-Grat. Die gesamte Route enthält nur einige kurze technische Schwierigkeiten, wie steile Eispassagen im Eisbruch nach dem Basislager mit kurzen, zum Teil bis zu 70 Grad steilen Aufschwüngen und wenige längere Strecken mit einer Steilheit von über 40 Grad.
Juni bis August eignen sich für die Besteigung am besten
Der Gasherbrum II wird am besten in der Zeit von Anfang Juni bis Mitte August bestiegen. Zu einer früheren Zeit im Jahr muss mit großen Schneemassen, zu einer späteren mit extrem tiefen Temperaturen gerechnet werden. Auch der Monsun ist im Karakorum starken Schwankungen unterworfen und kann so das Wetter stark beeinflussen. Der trockene Nordwind aus der Taklamakan-Wüste hingegen bringt stabiles Wetter im nördlichen Karakorum.
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