Extrembergsteigen ist kein Kinderspiel. Neue Routen in Höhen weit über 6000 Meter zu erklimmen, das ist nichts für ängstliche Menschen. Wer in solchen Höhen bei jedem Schritt darüber nachdenkt, was alles passieren kann, der ist hier fehl am Platz.
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Extrembergsteiger denken nicht ans Scheitern, sie denken nur an den Erfolg. An das Erlebnis. An die Kameradschaft mit ihren Begleitern. So wahrscheinlich auch Walter Nones und Simon Kehrer, die in der "Rakhiot"-Eiswand am Nanga Parbat auf 7000 Metern festsitzen (Himalaya, 8.125 Meter) und an ihren Freund und Führer Karl Unterkircher denken, der nur wenige hundert Höhenmeter weiter unten in einer Gletscherspalte liegt. Aber der Tod steigt immer mit, das wissen sie genauso wie jeder andere Extrem-Alpinist.
Wer die Faszination des Höhenbergsteigens noch nie erlebt hat, der wird es nicht verstehen können, warum ein Familienvater wie Karl Unterkircher den Tod in Kauf nimmt, um diesem Hobby nachzugehen. Kann dieser Sport soviel geben? Erfährt man dabei eine Erleuchtung? Muss man Grenzerfahrungen erleben, bei denen jeder Fehler tödlich endet, um sein Leben lebenswert zu nennen? Die Antwort auf diese Fragen muss jeder für sich alleine finden. Viele schütteln mit dem Kopf und finden es unverantwortlich, sich in solche Gefahren zu begeben. Vielen reicht ein "normales" Leben. Aber nicht den Männern und Frauen, die im Himalaya und Karakorum ihren Weg zur Selbstfindung suchen, den Weg zum inneren Frieden, den Weg zum perfekten Augenblick. Diesen Männern und Frauen ist bewusst, dass der Tod immer mitläuft. Was sollten wir für sie empfinden? Bewunderung? Respekt? Oder doch Missachtung?
Fakt ist, dass das moderne Leben von Sicherheit geprägt ist. Autos werden sicherer, Straßen werden sicherer, Sportausrüstung wird besser und sicherer. Daher ist der Trend, sich in lebensbedrohliche Situationen zu begeben, nachvollziehbar - sei es beim Base Jumping, Free Solo Klettern oder eben beim Extrembergsteigen. Zu verurteilen ist dies solange nicht, bis Gruppendynamik, Herdentrieb oder äußere Faktoren dazu führen, das sich jemand in solche Situationen begibt, der dies eigentlich gar nicht möchte.
Karl Unterkircher hat sich seinen Weg selbst und bei klarem Verstand ausgesucht. Sein Mut ist zu bewundern, seine Entscheidung zu respektieren. "Das Leben liegt in Gottes Hand, und wenn er uns ruft, dann müssen wir gehen", schrieb er vor wenigen Wochen auf seiner Website. Gott hat Karl gerufen.