Jugend-Kletter-WM 2007: Interview mit Thomas Tauporn
M2b Redaktion am 11.09.2007 - 08:49 Uhr
Der 16-Jährige Thomas Tauporn aus Schechingen ist eine der großen Nachwuchshoffnungen im deutschen Klettersport. Seine guten Leistungen im Deutschen Jugend-Klettercup, wo er derzeit die Wertung in der Jugend A souverän anführt, und die letzten Ergebnisse aus der European Youth Series ließen schon vor der Jugend- und Junioren WM auf ein gutes Ergebnis hoffen. In Ibarra kletterte "Shorty" im Finale auf einen hervorragenden dritten Rang - Mountains2b sprach nach seiner Rückkehr in die Heimat mit dem Bronzemedaillengewinner...
Mountains2b.com: Am 25. August 2007 hast du bei den Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften in Ibarra, Ecuador, die Bronzemedaille in der Jugend A gewonnen - herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Erfolg! Welchen Stellenwert hat die Medaille für dich?
Thomas Tauporn: Danke für die Glückwünsche. Das war mein größter Erfolg bis jetzt, das kann man nicht hoch genug bewerten! Es war bombastisch, ein echtes Erlebnis. Dieses Jahr ist es international nicht so wirklich gelaufen, und dann so ein Erfolg...
Mountains2b.com: Wie haben dir die Wettkämpfe in Ecuador gefallen? Wie anspruchsvoll waren die Routen, worauf kam es besonders an?
Thomas Tauporn: Die Routen waren eigentlich okay. Die ersten zwei Qualis waren super geschraubt – wirklich gut. Das Halbfinale war dann aber viel zu schwer, das waren Züge wie im Herren-Weltcup! Die Routenschrauber sagten, es wäre ein Schwierigkeitsgrad von 8b+ gewesen... Da sind die meisten Athleten schon am zweiten Haken aus der Wand gefallen, das war schade. Im Finale lagen die Schrauber dann aber wieder richtig, das war gut geschraubt. Das Niveau im Finale war vergleichbar mit den Europacups, an denen ich teilgenommen habe. Insgesamt war die Atmosphäre in Ibarra klasse, gute Stimmung unter Zuschauern und Athleten.
Mountains2b.com: Wie war die Stimmung im deutschen Team?
Thomas Tauporn: Im deutschen Team ist immer ein guter Teamspirit. Da wird angefeuert, jeder Sportler wird unterstützt. Auch die anderen Nationen - es ist eine WM, da feuert jeder jeden an.
Mountains2b.com: Leider konnten aufgrund anhaltender Regenfälle am letzten Tag einige Finals nicht stattfinden. Wie war die Organisation der Wettkämpfe insgesamt?
Thomas Tauporn: Die Qualis und das Halbfinale wurden von den Organisatoren gut durchgebracht. Das Finale eigentlich auch noch, bis auf die Tatsache, dass es geregnet hat und so in einigen Altersklassen leider keine Finaldurchgänge mehr ausgetragen werden konnten. Dann wäre es eigentlich Zeit für die Siegerehrung gewesen - ich glaube, nach zwei Stunden ging es dann endlich los. Das war schon sehr chaotisch: Es gab bereits La-Ola-Wellen, weil allen langweilig wurde... Es war schon fast typisch südamerikanisch, aber eigentlich ganz lustig.
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Mountains2b.com: Ihr hattet ein spezielles Rahmenprogramm, seid früh angereist und auch nach der WM noch eine Woche in Ecuador geblieben – alles organisiert vom DAV Summit Club...
Thomas Tauporn: Wir hatten einen deutschsprachigen Reiseführer, den Richard. Angekommen sind wir in Quito, der Hauptstadt - dort haben wir eine Stadtrundfahrt gemacht und die Stadt besichtigt. Außerdem sind wir auf 4.800 Meter hochgefahren, auf den Chimborazo (6.267 Meter). Wir waren am Äquator und haben uns auch sonst noch ein paar Sehenswürdigkeiten angesehen, wie zum Beispiel einen Indiomarkt. Auch außerhalb der Wettkämpfe haben wir so viel von Land und Leuten gesehen.
Mountains2b.com: Der WM-Ort Ibarra liegt wesentlich höher als die Welt- oder Europacuporte, die man als Kletterer für gewöhnlich bereist. Wie seid ihr mit der Höhe klargekommen?
Thomas Tauporn: Das war die Hölle. Am ersten Tag sind wir mit der Seilbahn auf 4.000 Meter hochgefahren - und nach fünf Schritten, da ging die Pumpe... Das war richtig hart, keiner von uns konnte sich vorstellen, jetzt loszuklettern. Die Höhe und die Hitze... Drei Tage nach der Ankunft in Ecuador waren wir in Quito an der Kletterwand (2.900 Meter) und haben uns da in der Höhe versucht... auch das war richtig schwer. Der Wettkampfort Ibarra liegt ja etwas tiefer, auf 2.300 Metern. Da ging es dann ganz gut. Es war schon richtig, dass wir das vorher mal ausprobiert hatten.
Mountains2b.com: Du hattest in Ecuador auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen...
Thomas Tauporn: Ja, ziemlich! Magenverstimmung, Sonnenstich, da kam alles zusammen. Das war vor der zweiten Qualifikation. Die zweite Quali war die Hölle: Ich habe in der Nacht nur eine Stunde geschlafen, und dann ging es gleich an die Wand. Ich war auch schon ziemlich früh dran – da hat sich alles gedreht beim Klettern, mir war schwarz vor Augen. Aber es hat ja dann doch noch ganz gut geklappt.
Mountains2b.com: Mit welchen Eindrücken bist du aus Ecuador zurückgekehrt? Was hat dich dort, abgesehen vom sportlichen Erfolg, besonders bewegt?
Thomas Tauporn: Die Stimmung dort hat mich beeindruckt. Man lebt einfach so in den Tag hinein. Man schaut, was kommt, ohne groß vorherzuplanen. Das hat mir gut gefallen - keine Hektik, kein Stress...alles ist ganz locker und unverkrampft.
Mountains2b.com: Vor der WM wart ihr in Ceüse zur Vorbereitung...
Thomas Tauporn: Ceüse liegt auf 1.900 Metern, und das ist schon stressig, da immer hochzumarschieren. Eineinhalb Stunden, vierhundert Höhenmeter - das hat uns mitunter ganz schön fertig gemacht. Ich konnte dort eine 8a+ klettern, das ist das schwierigste, das ich bislang am Fels geklettert bin. Wir haben dort viel Onsight- und Flash-Klettern trainiert, sind ziemlich viel maßgeklettert und haben uns dort natürlich auch auf die Höhe vorbereitet. Die Stimmung war klasse, es hat viel Spaß gemacht.
Mountains2b.com: Was steht bei dir als nächstes an, worauf bereitest du dich gerade vor?
Thomas Tauporn: Mein großes Ziel sind die Deutschen Meisterschaften im November in Frankenthal, da will ich mich bei den Herren ein bisschen behaupten. Und dann gibt es ja auch noch die Europacups...
Mountains2b.com: Vielen Dank, dass du dir Zeit für uns genommen hast, und viel Erfolg bei der DM in Frankenthal!