Mit einer Silber- und einer Bronzemedaille ist das deutsche Team von der Jugend-Kletter-WM in Ecuador zurückgekehrt. Ibarra war die weite Reise wert: Neben den beiden Medaillen kann die deutsche Mannschaft mehrere Top-Ten-Ergebnisse im Lead und im Speed vorweisen.
Die große Entfernung war aber nur eine Herausforderung, die der DAV und seine Athleten meistern mussten. Erst spät konnte das Team nominiert werden: Teilnahmevorgabe der IFSC war, dass die europäischen Starter zuvor zweimal im Finale eines europäischen Jugendcups 2007 vertreten waren. So stand das Team erst nach der European Youth Series Ende Juli in Warschau fest.
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Unterstützung durch den DAV Summit Club
"Ecuador ist nicht um die Ecke, das ist nicht wie eben mal nach Imst fahren. Viele der Athleten waren noch nie so weit weg, waren noch nie in Südamerika," sagt Wolfgang Wabel, Abteilungsleiter Spitzenbergsport des DAV. Der DAV Summit Club hatte die Organisation der Reise in die Hand genommen, sich um notwendige Impfungen gekümmert und ein umfangreiches und attraktives Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Das Sportliche stand dabei selbstverständlich im Vordergrund, doch die jungen Kletterer sollten auch Land und Leute ein wenig kennenlernen. Schon früh wurde das DAV-Team daher auf die Reise nach Ecuador geschickt - dadurch sollte vor allem eine gute und sorgfältige Akklimatisierung gewährleistet werden, fanden die Wettkämpfe doch auf einer Höhe von 2.200 Metern statt.
"Die Jugendlichen bekommt man so schwer zum Ausdauertraining..."
Beim Training in Quito (2.900 Meter) an der Kletterwand kurz nach der Ankunft bekamen die Jugendlichen die Höhe auch gleich zu spüren. Ein paar harte Onsights standen auf dem Programm, so mancher Athlet wurde von Schwindelgefühlen ob der Anstrengung in der ungewohnten Höhe ausgebremst. Nach einigen Tagen der Anpassung waren diese Probleme aber für die meisten Sportler passé.
"Gerne hätte ich den Schwerpunkt noch mehr auf die speziellen Anforderungen in der Höhe gelegt. Aber die Jugendlichen bekommt man so schwer zum Ausdauertraining...," bedauert Wolfgang Wabel die Tatsache, dass die Angebote des DAV von Höhentrainingslagern im Frühjahr keinen großen Anklang fanden. Das Vorbereitungscamp in Ceüse (1.900 Meter) verlief jedoch sehr erfolgreich. Nur wenige Sportklettergebiete in Europa bieten eine derart hohe Dichte an schweren Routen, durch die täglichen 400 Höhenmeter Aufstieg fand gleich noch ein wirksames Konditionstraining statt. Die guten Leistungen der Sportler dort spiegelten sich auch in den Ergebnissen bei der Jugend-WM wieder.
Ziele erreicht
"Zwei Medaillen waren angedacht, das war unsere Vorgabe." definiert Wabel die Ziele des deutschen Teams. "Genau das haben wir auch erreicht. Sicher, eine Goldmedaille wäre schön gewesen. Aber die Konkurrenz war sehr stark." Das Mannschaftsergebnis des DAV kann sich sehen lassen: Einmal Silber durch Felix Neumärker, eine Bronzemedaille durch Thomas Tauporn, dazu vierte, fünfte, sechste und siebte Plätze - eine sehr zufriedenstellende Bilanz.
Starke Österreicher und Japaner
"Wie erwartet waren die Österreicher sehr stark, holten drei von sechs Goldmedaillen. Überrascht hat uns das aber nicht, die machen eine sehr gute Arbeit." In der weiblichen Jugend B gewann mit Johanna Ernst die Seriensiegerin der Saison, in der männlichen Jugend A verteidigte Jakob Schubert seinen Weltmeistertitel vom Vorjahr. Etwas unerwarteter war der Sieg von Christine Schranz bei den Juniorinnen, doch auch sie zeigte bereits gute Leistungen in der aktuellen Saison. "Die Japaner kommen immer mehr. Ein paar gute Athleten sind schon im Weltcup unterwegs, auch im Jugendbereich legen sie nach." Wabel bezieht sich vor allem auf Sachi Anma, der in der Altersklasse der Junioren in seiner eigenen Liga kletterte und von Anfang an keine Zweifel an seinen Titelambitionen aufkommen ließ.
Südamerikaner im Kommen
Erwartet groß auch die russische Dominanz in den Speedbewerben. "Nach den anstrengenden Lead-Wettkämpfen waren unsere Jugendlichen da etwas müde, das war uns vorher schon klar. Aber es ist wichtig, dass sie in dieser nicht so geliebten Disziplin nochmal an den Start gegangen sind." Dort sieht Wabel die Südamerikaner als kommende Konkurrenz: Zwei Medaillen gab es für die gastgebenden Ecuadorianer, einen Weltmeistertitel für Venezuela. Das Speed-Klettern wird in Südamerikaner immer beliebter, die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeit dort Früchte trägt.
"Disaster auf Plastik"
Sehr positiv beurteilte der DAV die Unterbringung und die Verpflegung der Athleten und Trainer. Individuelle Wünsche wurden dort berücksichtigt; auch mit der Organisation der Weltmeisterschaft war man insgesamt zufrieden. Kritik gab es, wie auch aus anderen Verbänden, an der Routensetzung in den Halbfinals. Als "Disaster auf Plastik" bezeichnete Jugendtrainer Matthias Keller die Aufgaben, die den Jugendlichen gestellt wurden. Die Entscheidungen fielen dort bereits zwischen dem ersten und dem vierten Haken, zu hart und kleingriffig waren die Routen. "Im Halbfinale haben sie komplett überdreht," sagt auch Wolfgang Wabel. "Schade, die Qualifikationsrouten waren sehr schön, auch die Finals waren wieder sehr gut."
Zum Ausklang auf den Chimborazo
Nachdem die Tage vor der WM vornehmlich der Akklimatisierung dienten, sah das Rahmenprogramm des DAV Summit Club nach den Wettkämpfen unter anderem eine Tour auf den Chimborazo und den Besuch eines Indiomarktes vor. Unvergessliche Erlebnisse und Eindrücke eines fernen Landes und einer fremden Kultur für die Betreuer und Athleten - von denen sich einige nun schon wieder mit Hochdruck auf die Elite-WM vom 17. bis 23. September in Avilés, Spanien, vorbereiten.
Weitere Informationen
Weitere Infos zur WM (Vorberichte, Portraits, Teilnehmerübersichten) gibt es im Mountains2b-Eventspecial "Jugend-Kletter-WM 2007" und auf der WM-Website unter www.ibarraclimbing.com.