Die beiden Expeditionisten Martin Hülle und Jerome Blösser, die sich mehrere Wochen in den Weiten Grönlands bewegt haben, sind wieder zurück in Deutschland. Lesen Sie hier in ihren Tagebucheinträgen, was Sie auf den letzten Kilometern und in den letzten Stunden in eisiger Kälte erlebt haben.
30. Mai 2008 – Unterwegs in Kangerlussuaq:
"Nach wohlverdientem tiefen Schlaf haben wir den Tag mit einem gemütlichen Frühstück begonnen. An einem hölzernen Tisch auf der Camping-Wiese lassen wir es uns mit dem ersten frischem Brot seit einem Monat, dazu Marmelade und Orangensaft richtig gut gehen. Auf diese Art frisch gestärkt, nutzen wir die Zeit vor dem Wochenende für einige Erledigungen. Bei der Polizei melden wir unsere Expedition ab – nun sind auch die offiziellen Stellen in Grönland über den Ausgang der Unternehmung informiert. Den mitgeführten Notsender, ohne den keine Expedition auf dem Inlandeis stattfinden darf und den wir zum Glück nicht antasten mussten, schicken wir per Post an Robert Peroni zurück. Von ihm hatten wir das Gerät im Roten Haus in Tasiilaq an der Ostküste ausgeliehen. Auch wenn unser Gepäck aufgrund des Verzehrs all des Proviants deutlich abgenommen hat, ist immer noch viel Ausrüstung vorhanden, welche nun nach Deutschland retour gesendet werden muss. Neben der teuren Möglichkeit, alles als Übergepäck mitzunehmen, können wir es alternativ per Luftfracht verschicken oder mit der Royal Arctic Line auf dem Seeweg. Noch fehlen uns dazu einige Preise, weshalb wir eine Entscheidung erst kurzfristig treffen können. Erfreulicherweise sind die Wege in Kangerlussuaq kurz, da sich die Siedlung praktisch nur links und rechts um das Flugfeld herum gruppiert. Da ist auch ein Sprung in den kleinen Supermarkt Pilersuisoq rasch möglich, um wichtige Überlebensmittel zu erstehen. So wandert Haribo, Marabou Schokolade, frischer Yoghurt, Greenland Bier, Faxe Kondi, Tomaten und Eis am Stiel in die Einkaufstüten."
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31. Mai 2008 – Moschusochsen-Burger
"Gestern herrschte in Kangerlussuaq noch ein geschäftiges Treiben. Kein Wunder, denn durch den Orkan am Mittwoch und Donnerstag, fiel ein Flug von Air Greenland nach Kopenhagen aus, weshalb 250 Menschen hier festsaßen. Bei nur rund 500 Einwohnern eine stattliche Zahl. Entsprechend überfüllt waren alle Hotels, Restaurants und der komplette Flughafen. In der letzten Nacht startete dann endlich eine Ersatzmaschine und heute morgen ist Kangerlussuaq wie leer gefegt. Auch der gestrige Hagel, der bei kühlen Temperaturen und noch ein wenig Wind gefallen war, wich heute Sonnenschein, blauem Himmel und Wärme. Mit dem guten Wetter kommen die Mücken. Myriaden der kleinen Plagegeister fallen über uns her und wollen uns das Blut aus dem Leib saugen. In der Mittagszeit flüchten wir in die Cafeteria des Hotels, das mit im Flughafengebäude untergebracht ist. Ein Moschusochsen-Burger auf der Tageskarte, noch dazu samt Pommes Frites und Salat, lässt uns das Wasser im Munde zusammen laufen. Wir zögern nicht lange und bald stehen zwei üppig befüllte Teller vor uns, die wir in Windeseile verputzen. Ansonsten haben wir einen ruhigen Tag verbracht und den wenigen startenden und landenden Maschinen zugeschaut."
01. Juni 2008 – Letzter Tag auf Grönland
"Noch einmal beglückt uns das grönländische Wetter mit blauem Himmel und Sonnenschein. Die Temperaturen reichen bis fast an die 20 Grad und wir nutzen den Tag für einen Rundgang durch Kangerlussuaq. Ursprünglich von den Amerikanern als Militärflughafen gebaut und lange unter dem Namen Söndre Strömfjord bekannt, ist Kangerlussuaq schon seit vielen Jahren unter dänisch/grönländischer Verwaltung und mittlerweile Grönlands wichtigster nationaler und internationaler Flughafen. Trotzdem gibt es noch immer einen eher amerikanischen Ortsteil, in dem heute überwiegend Wissenschaftler wohnen und ihre Projekte ins ewige Eis vorbereiten. Der Ort hat alles, was es zum leben braucht: Bäckerei, Kirche, Supermarkt, Bowlingbahn, Kongresshalle und das KISS-Center (Kangerlussuaq International Science Support). Schön ist es aber nicht, alles eher zweckmäßig und nur für einen beruflichen Aufenthalt erscheint es aushaltbar. Und über allem liegt der Sand, der aus dem nahen "Sandsturmtal" immer wieder hier herüber geweht wird. Morgen Vormittag fliegen wir nach Kopenhagen und von dort weiter nach Deutschland - zum Nordpol wäre es sogar näher, aber uns lockt nach 30 Tagen Eiswüste der deutsche Frühsommer und die Wärme."
02./03. Juni 2008 – Zurück im warmen Deutschland
"Mit etwas Verspätung startet am Montag Vormittag der Flug von Kangerlussuaq nach Kopenhagen. Durch die Fenster des Air Greenland Airbus A330 können wir noch einmal auf die Spalten, Eisseen und Buckel schauen, welche uns am Ende der Expedition alle Kraft abverlangt hatten. Selbst von weit oben ist das Chaos auszumachen - nirgendwo eine glatte Passage. In wenigen Minuten sind wir über die Abstiegszone, die uns 22 Stunden Anstrengung gekostet hat, hinweg geflogen. Eine neue Welt hat uns endgültig wieder erreicht! Durch die vierstündige Zeitverschiebung landen wir erst am Abend in Kopenhagen, von wo wir mit einem Nachtbus nach Berlin fahren. Dort trennen sich nach den vielen Wochen, die wir im Eis gemeinsam unterwegs waren, unsere Wege: Jerome ist am Morgen bereits fast daheim angekommen, während Martin noch mit dem Zug nach Wuppertal weiterfährt, wo auch er gegen Mittag eintrudelt. Die Wärme schlägt uns ins Gesicht - daran müssen wir uns wohl erstmal wieder gewöhnen!
An dieser Stelle danken wir allen Partnern der Expedition, ohne deren Unterstützung die Überquerung des grönländischen Inlandeises von Isortoq nach Kangerlussuaq nicht durchführbar gewesen wäre!"