Martin Hülle im Interview: "Auf geht´s nach Grönland"
M2b Redaktion am 23.04.2008 - 16:35 Uhr
Martin Hülle und Jerome Blösser brechen am 25. April nach Grönland auf. Dort wollen die beiden Expeditionisten durch das ewige Eis von der Ostküste bis zur Westküste laufen. Wie sich Fotograf Hülle unmittelbar vor dem Start fühlt und wie die Vorbereitungen gelaufen sind, erzählt er im Interview mit Mountains2b!
Mountains2b: Der Start steht eurer Tur nach Grönland steht kurz bevor. Wie habt ihr euch in den letzten Wochen und Monaten vorbereitet? Martin Hülle: Auf unserer Trainingstour in Norwegen im März konnten wir glücklicherweise unter sehr "realen" Bedingungen trainieren. Es hat gestürmt, stark geschneit und die Sicht war miserabel, so dass wir zum Beispiel das Zeltaufbauen bei schlechten Verhältnissen gut üben konnten. Das körperliche Training bestand in den letzten Wochen hauptsächlich aus Waldläufen und Reifen durch den Wald zerren – das kommt dem Pulkaziehen am nächsten.
Unser Gepäck, etwa 180 Kilo, ist bereits per Luftfracht nach Ostgrönland abgeschickt worden. Jetzt stand noch das Checken der Technik auf dem Programm, so wichtige Dinge wie das Satellitentelefon müssen natürlich auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden.
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Wie sieht euer Programm aus, was habt ihr euch in Grönland vorgenommen?
Wir werden von Isortoq an der Ostküste Grönlands 600 Kilometer bis an die Westküste gehen, und das alles nur mit Ski. Zunächst fliege ich am 25. April nach Berlin, dann zusammen mit Jerome über Reykjavik nach Grönland. Dort angekommen, müssen wir natürlich erstmal unser Gepäck, was dort hoffentlich auf uns warten wird, sortieren und die Verpflegung in Tagesrationen einteilen. Wir wollen ja nicht mitten in der Eiswüste abends lange in unseren Schlitten rumwühlen müssen.
Dann steht noch der Gang zur Polizei an, die uns registrieren muss. Erst anschließend fliegen wir mit dem Hubschrauber zu unserem Ausgangspunkt, das wird am 29. oder 30. April sein. Und dann geht´s los. Der Anfang wird enorm schwer, da werden wir unser geplantes Tagespensum von 20 Kilometern pro Tag wahrscheinlich nicht erfüllen können. Mit vollbepackten Schlitten geht es hoch auf etwa 1000 Höhenmeter, erst dann befindet man sich auf der eher flachen, endlosen Eisebene.
Welche Gefahr schätzt du als größte ein: Eisbären, Wetter, Kälte oder Gletscherspalten?
Eisbären wohl eher nicht, die können uns höchstens im Osten mal begegnen. Gewehre haben wir allerdings keine dabei, deswegen hoffe ich, dass wir keinem begegnen. Auch Gletscherspalten sind keine große Gefahr, im Moment liegt viel Schnee, der eine dicke Schicht über dem Eis bildet. Am ehesten als Schwierigkeit schätze ich das Wetter in Kombination mit dem Wind und Stürmen ein. Da kann es schon mal gefühlte -50, -60 Grad Celsius werden. Der sogenannte Windchill-Faktor ist nicht zu unterschätzen.
Du hast einmal gesagt, dass das Abenteuer im Vordergrund steht. Warum machst du solche Expeditionen und nimmst Entbehrungen auf dich, die für "normale" Menschen kaum nachvollziehbar sind? Und warum muss es gerade die Kombination Wüste – Eis sein?
Ich finde es einfach reizvoll und herausfordernd, mich in einer Naturlandschaft zu bewegen. Ich will keine Rekorde brechen, es ist die Auseinandersetzung mit den natürlichen Gewalten, die mich fasziniert. Zudem steckt ein großer Aufwand dahinter, die Vorbereitung und Planung gehört genauso mit dazu wie die Expedition selbst. Warum gerade die Kombination Wüste und Eis? Es ist sehr spannend zu beobachten, wie verschieden und gleich die beiden Wüstenarten sind. Trotz der extremen Unterschiede muss man sich auf beides mit der gleichen Intensität vorbereiten.
Was wirst du in der Abgeschiedenheit Grönlands voraussichtlich am meisten vermissen?
Das ist jetzt natürlich schwer zu sagen, aber letztendlich wird es wahrscheinlich auf das Essen hinauslaufen, was man vermisst. Bei der ganzen Fertig- und Expeditionsnahrung fehlt einem nach einer Zeit das Obst und der Salat mit Sicherheit.
Anfang des Jahres habt ihr den ersten Teil eurer Expedition Eiswüste, den Wüstenteil, absagen müssen, weil in Mauretanien die Sicherheitslage sehr schwierig war. Habt ihr bereits neue Planungen?
Mittlerweile hat sich die Situation dort wohl entschärft, Jerome war auch schon wieder dort, um eine touristische Wüstentour zu begleiten. Wir werden, wenn wir wieder heil aus Grönland wiederkommen, im November nach Mauretanien fliegen und dann hoffentlich die Expedition Eiswüste erfolgreich zu Ende bringen.