Wer ist derzeit Deutschlands bester Boulderer? Die Antwort auf diese Frage fiel am Samstag beim dritten DAV Bouldercup in Pforzheim. Der 24-jährige Andre Borowka gewann nach seinem Triumph in München auch in der 120.000-Einwohner-Stadt am Rande des Schwarzwalds und zeigte, dass er sich im Moment in Top-Form befindet. In der Damenkonkurrenz feierte Luisa Neumärker, ebenfalls vom Sächsischen Bergsteigerbund, einen Überraschungssieg und setzte sich gegen die favorisierten Ines Bischoff (Reutlingen) und Natalie Sailer (Augsburg) durch.
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Mäßige Beteiligung in Pforzheim
Nachdem die Veranstalter der ersten beiden DAV Bouldercups in München und Kitzbühel rekordverdächtige Teilnehmerzahlen melden konnten, war das Interesse der Sportler am Wettbewerb in Pforzheim nur mäßig. Insgesamt reisten 43 Kletterer nach Baden-Württemberg, um sich an den von den Routenschraubern um den Deutschen Meister im Sportklettern Christian Bindhammer an die Wand gesetzten Problemen zu versuchen. Bei den Herren waren die Top-Favoriten - Hoppe, Baumann, Borowka, Würth, Merz, Jung - zwar alle am Start, im Damenfeld fehlten jedoch unter den elf Starterinnen die in München siegreiche Angelica Lind (SWE) und Julia Winter (Dresden).
Zahlreiche Tops in der Qualifikation
In der zur Boulderstätte umfunktionierten Eishalle St. Maur im Pforzheimer Osten begannen um 10 Uhr am Samstag Morgen die Herren in zwei, die Damen in einer Startgruppe die Qualifikation. Bei den Herren zeigten Jonas Baumann (Wuppertal) und Markus Hoppe (SBB), dass sie nicht zu den Morgenmuffeln zählen: Beide flashten alle vier Boulder und konnten nach wenigen Minuten Arbeitszeit wieder von der Matte gehen. Aber auch die weiteren Favoriten schafften die relativ einfachen Probleme auf Anhieb - nur zwei der 20 für das Halbfinale qualifierten Kletterer konnten "lediglich" drei bewältigten Boulder in der Vorrunde vorweisen.
Ähnlich stark zeigten sich die elf Damen: Gleich sieben Boulderinnen flashten alle vier Quali-Boulder! Zu den sieben gesellten sich Lisa Müller, Manuela Heise und Saskia Schuster, die sich einen Startplatz im Halbfinale sicherten.
Überraschungen im Halbfinale
Was sich dann im Halbfinale abspielte, hätte allerdings kaum einer der Beobachter erwartet. Nachdem Mathias Conrad (Zweibrücken) frühzeitig alle vier Boulder bewältigt hatte (zuvor hatte er überhaupt noch nie einen Halbfinalboulder geschafft), Borowka, Daniel und Markus Jung, Aric Merz und der Hüne Peter Würth nachzogen, patzten Jonas Baumann und Markus Hoppe am zweiten Halbfinal-Boulder. An der schwierigen großen Kugel, die den Weg zum Topgriff versperrte, rutschten beide mehrmals ab und mussten kopfschüttelnd feststellen, dass dieser Boulder für sie nicht zu bewältigen war. Das bedeutete das Aus im Halbfinale und somit auch eine Vorentscheidung in der Gesamtwertung des DAV Bouldercups!
Die Damenkonkurrenz blieb weiter hochklassig: Luisa Neumärker flashte alle Halbfinalboulder und auch Ines Bischoff und Natalie Sailer, einzige Starterin beim Weltcup in Hall, erreichten alle Top-Griffe.
Borowka souverän zum Sieg
Die Schrauber zauberten nach den Erfahrungen in den Vorrunden im Finale sehr selektive Routen an die Wand, die von den zwölf Finalisten in jeweils vier Minuten getoppt werden mussten. Doch ebenso wie der Überraschungsfinalteilnehmer Mathias Conrad mussten Markus Jung und Aric Merz zugeben, dass der Tag Kraft gekostet hatte, die am Ende fehlte. Jung und Merz toppten nur den ersten Boulder, Conrad ging völlig leer aus - dennoch freute er sich über seinen ersten Auftritt im Finale. Doch auch Daniel Jung und Peter Würth, am Ende Zweiter und Dritter, bissen sich an den Problemen die Zähne aus. Am Ende konnten beide auch einen Top-Griff vorweisen, platzierten sich aber dank der vier erreichten Zwischenwertungen vor Aric Merz, der damit weiter auf einen Podestplatz warten muss. Den Sieg sicherte sich einmal mehr Andre Borowka: Dem Dresdner gelangen zwei Flashs! Mit seinem Triumph zog er auch in der Gesamtwertung des DAV Bouldercups davon und kann sich nach Platz eins in München und Rang drei in Kitzbühel nun auf den Gewinn der Deutschen Bouldermeisterschaft freuen.
Neumärker vor Bischoff und Sailer
Das Damenfinale endete mit einer kleinen Überraschung: Luisa Neumärker blieb auch beim zwölften Boulder dieses Tages schadlos und sicherte sich nach einem perfekten Tag verdient den Sieg. Rang zwei sicherte sich wie in München Ines Bischoff, die damit in der Gesamtwertung eine gute Ausgangsposition für den letzten Wettkampf Anfang August in Überlingen hat. Dritte wurde Natalie Sailer vor Milena Krämer und Monika Retschy.
Das Finale in Pforzheim: Herren:
1. Andre Borowka
2. Daniel Jung
3. Peter Würth
4. Aric Merz
5. Markus Jung
6. Mathias Conrad