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Pr. Dr. Heinz Röhle

Heiner Geißler

Köstermeyer

Dresden

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Heiner Geißler

Jasper und Böhm

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Jürgen Trittin

Jürgen Trittin

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Berg.Schau! 2008: DAV stellt sich neuen Herausforderungen

M2b Redaktion am 31.07.2008 - 09:19 Uhr

"Das Bild von den Bergen hat sich in den letzten 20 Jahren enorm verändert. Auf diese Entwicklungen muss der Alpenverein adäquate Antworten haben." Prof. Dr. Heinz Röhle, DAV-Präsident mit Wohnort in der Veranstaltungsstadt Dresden, eröffnete die Berg.Schau! 2008 am 11. Juli mit der Hoffnung auf eine Bestimmung des Status Quo und erfolgreiche Diskussionen zur Zukunft des Bergsports. "Der Kongress war mehr als überfällig", kündigte er vor dem Beginn der Foren eine erneute Standortbestimmung von Deutschlands Bergsportverband an – die letzte dieser Art fand bereits im Jahr 1984 in Brixen statt. Immer in den Hinterköpfen der "Alpenvereiner", dies versicherte Röhle, sei die Entführung der DAV-Mitglieder der Sektion Kehlheim am Ararat. Der DAV habe ein Kriseninterventionsteam entsandt, das sich in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft in Ankara für eine schnellstmöglichen Freilassung einsetzen soll, bestätigte Andrea Händel vom DAV.

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Heiner Geißler begeistert Festsaalpublikum
Das erste Highlight der Berg!Schau setzte ein passionierter Bergsteiger und Gleitschirmflieger: Dr. Heiner Geißler, Bundesminister a.D., begeisterte die knapp 750 Zuschauer im Festsaal des Dresdner Kongresszentrums mit Wortwitz und Charme, aber auch klaren Stellungnahmen und einer Ode an den Bergsport: "Der Bergsport ist kein Sport wie jeder andere", erklärte Geißler. Er fördere nicht nur Intelligenz, Verantwortungsbewusstsein, Selbstwertgefühl und Eigenverantwortung, sondern auch die Weltoffenheit. Die spannendsten Ausschnitte der Impulsrede von Geißler und dem ehemaligen Umweltminister Jürgen Trittin sehen Sie in Kürze hier auf www.mountains2b.com in unserem Eventspecial zur Berg!Schau 2008. Trittin war am zweiten Tag der Berg!Schau nach Dresden gekommen und warb in seiner Rede am frühen Nachmittag, die aufgrund seiner Verspätung vom Morgen auf 14 Uhr verlegt werden musste, vor allem für ein Engagement in Umweltthemen: "Wir müssen den Nutzungsdruck auf die Alpen verringern, Nachhaltigkeit vorantreiben und den Bergwald mehr denn je schützen", so der Hobby-Bergsportler Trittin. Jürgen Trittin war am Samstag Nachmittag zudem Teil einer Podiumsdiskussion, bei der zum Thema "Ausverkauf der Alpen" auch Dr. Peter Furger (Marketingexperte für Tourismusgebiete), DAV-Präsident Prof. Dr. Heinz Röhle, Kletterer Alexander Huber, CIPRA-Präsident Dr. Dominik Siegrist und Dr. Michael Brandl (Tirol Werbung) ihre Standpunkte und Ansichten gekonnt vertraten.

Zwölf Foren für die Zukunft des DAV
Im Mittelpunkt der Berg.Schau! 2008 standen aber nicht nur die Prominenten, sondern vor allem die 12 Foren, in denen zu den verschiedenen Themen, die derzeit den DAV und seine Mitgliedssektionen bewegen, ausgiebig diskutiert wurde. Die Foren sollen dem DAV Impulse für seine Arbeit in den nächsten Monaten und Jahren geben. Hier ein Überblick über die Themen und die Ergebnisse:

Forum 1: Leistungsexplosion im Bergsport
Der Elfte Grad und Mount Everest als Tagestour sind heute die Schallmauer der Spitzenkönner? Welche Motive treiben die Leistungselite an und welche Visionen haben sie für den Bergsport der Zukunft? Dies diskutierten im ersten Forum unter anderem von Robert Jasper, Ueli Steck und Christian Bindhammer. Es wurde deutlich, dass wie in vielen Sportarten Grenzgänge völlig normal sind, es aber versucht werden sollte, der Jugend zu vermitteln, wieviel Vorbereitung, Training und Planung hinter derartigen Projekten steht.

Forum 2: Olympia und Sportklettern
Nachdem Heiner Geißler seine Aussage, er könne Bergsport bei Olympia nicht gutheißen, insofern korrigierte, dass er für das Sportklettern eine Ausnahme mache, waren sich auch die Referenten und Teilnehmer des Forums 2 weitgehend einig darüber, dass Sportklettern olympisch werden soll. Damit das passiert, sei aber noch einiges zu tun, so DOSB-Mitglied Bernhard Schwank bei seiner Stippvisite im Forum, so müsse zum Beispiel das internationale Wettkampfkalender frühzeitig stehen und eingehalten werden.

Forum 3: Massensport Bergsport – die Bergwanderwelle
Bis auf den letzten Platz besetzt war das Forum Nummer drei im größten der sechs Kongresssäle. Vor allem das Thema der Instandhaltung der Wanderwege und Klettersteige bewegt derzeit die Sektionen des DAV – viele fühlen sich vom Hauptverein, von der Politik und nicht zuletzt von den Tourismusverbänden und Kommunen vernachlässigt und alleingelassen. Klare Ziele und Vorschläge blieben aber leider Mangelware, lediglich der Wunsch nach vermehrten Kooperationen und größere Unterstützung konnte festgehalten werden.

Forum 4: Ruf der Ferne – Trekking und Expeditionen
Trekking und Expeditionen werden immer beliebter. Das war auch im Forum 4 zu erkennen, in dem unter anderem Ralf Dujmovits seine Erfahrungen schilderte. Es wurde deutlich, dass die Reiseveranstalter wie Amical Alpin, DAV Summit Club oder andere sich ihrer Verantwortung für die Kunden, Reiseland und Bergwelt bewusst sind. Es bestünde aber die Gefahr, dass die guten Angebote, die durchgeplanten und bestens organisierten Reisen den Kunden verleiten würden, sich zu wenig mit dem Reiseziel, Kultur, Anforderungen und ähnlichem zu beschäftigen.

Forum 5: Mega-Boom Indoorklettern
Der Boom des Indoor-Kletterns ist ungebrochen! Das stellten die Diskutierenden des Forums 5 fest und machten klar, das Kletterhallen nicht in große Sportanlagen integriert werden sollten, sondern ihren Flair vor allem behalten können, wenn sie für sich stehen. Trotzdem wurde der Trend von Ergänzungsangeboten verstärkt – Materialverleih, Entspannungsmöglichkeiten, Events & mehr gehören zu einer guten Kletterhalle!

Forum 6: Zwischen Bildschirm und Berg – die Bedeutung von Naturerfahrung für Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage mehr denn je naturfern auf. Medial vermitteltes Wissen ersetzt zunehmend eingenleibliche Erfahrungen. Bewegungsmangel und Übergewicht im Kindesalter nehmen stetig zu. Andererseits liegen gerade erlebnisorientierte Aktivitäten voll im Trend. Viele Outdoorsportarten boomen. Das Forum stellte fest, dass Medien als Kommunikations- und Informationsmittel der Jugend genutzt wird und darin auch eine Chance besteht, den Bergsport zu präsentieren. Diese sollte genutzt werden.

Forum 7: Action im Gebirge – Neue Sportarten und Wettkampfdisziplinen
Ob Eisklettern, Extremskifahren, Speedbergsteigen oder Berglaufen – was ist das Besondere an diesen Sportarten? Welches Potenzial steckt in ihnen? Als besonderen Reiz nannten die Aktiven im Arbeitsforum unter anderem das Ausloten persönlicher Grenzen oder auch den teils extremen Aufwand beim Ausüben dieser Formen des Alpinismus. Im Berglauf sahen die Experten in diesem Forum eine Disziplin, die im Deutschen Alpenverein durchaus Platz finden könnte.
Martin Dufter (DAV) brachte es treffend auf den Punkt: "Der DAV sollte bei den Sportarten bleiben, die ihren Ursprung in den klassischen Bergsportarten haben." Tenor des Plenums & der Referenten: der DAV muss Trends gegenüber offen sein und darf sich ihnen nicht verschließen!

Forum 8: Stau am Fels: Von der Halle in die Natur
Welche Auswirkungen hat der Boom des Hallenkletterns auf die Natur? Wechselt ein Großteil der Hallenkletterer an den Fels, kann dies zu Konflikten mit dem Naturschutz, aber auch zu Problemen mit der Sicherheit der Kletterer führen. Lösungsmöglichkeiten sind nach Ansicht der Experten in diesem Arbeitsforum: Die Ausbildung verbessern und auch in den Kletterhallen eine größere Vielfalt an Routen für Anfänger und Profis schaffen.

Forum 9: Massensport Bergsport: Masse und Klasse am Fels
Klettersteige, Plaisierrouten und Alpinrouten – diese Unterscheidung wurde in Forum 9 vorgenommen. Kontrovers wurde vor allem diskutiert, ob die Bergregionen weiter erschlossen werden sollten oder ob davon Abstand genommen werden sollte. Lösungen, mit denen alle einverstanden waren, konnten nicht gefunden werden. Es wurde der Wunsch nach Zonierungen und nach regionalen "runden Tischen", an denen Vertreter des Deutschen Alpenvereins mitwirken, geäußert.

Forum 10: Die Alpen zwischen Funpark und Naturreservat – Konzepte für den Alpintourismus im 21. Jahrhundert
Nachdem etwa 50 Prozent der Alpengemeinden einen Großteil ihrer Einkünfte mit dem Tourismus erzielen, müssen nach Ansicht der Forumsteilnehmer Naturschutz und Tourismus gemeinsam ihre Ziele definieren. In diesem Zusammenhang ist auch der Deutsche Alpenverein gefragt: Sowohl eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden als auch die Entwicklung eigener Konzepte sind hier wünschenswert.

Forum 11: Klimawandel & Folgen für den Bergsport
Die große Mobilität, die mit dem Bergsport verbunden ist, trägt zwangsläufig zur Treibhausgas-Produktion und damit zum Klimawandel bei. Damit stehen Bergsportler und Bergsportverbände in der Mitverantwortung. Zur Lösung des Problems gibt es nach Ansicht der Experten grundsätzlich zwei Strategien: Prävention und Anpassung. Möglichkeiten zur Prävention sind unter anderem die Verbesserung der Energieeffizienz der Hütten, eine groß angelegte Informationskampagne des DAV, oder beispielsweise auch die klimafreundliche Gestaltung von Sektionstouren. Bei der Anpassung ist beispielsweise der Aufbau eines Internetportals zum aktuellen Zustand der Wege denkbar. Fazit dieses Forums: "Der DAV muss in Sachen Klima dran bleiben bzw. seine Anstrengungen verstärken. An Ideen und Vorschlägen mangelt es nicht. Der DAV ist eine Macht und er muss diese auch nutzen. Er muss vernetzten, kooperieren, informieren und motivieren."

Forum 12: Respect nature, create new limits
"Die Natur respektieren und dabei neue Grenzen schaffen." Dieses Arbeitsforum betrachtete die Nachhaltigkeit im Bergsport als kreative Herausforderung. Dazu ist es nach Angaben der Experten unter anderem notwendig, Kinder und Jugendliche verstärkt in die Vereinsarbeit einzubinden und zudem die Wirkung des Verbands in die Gesellschaft hinein zu verstärken. Dies sei durch Kooperationen mit anderen Vereinen oder aber auch mit Mobilitätspartnern, beispielsweise der Deutschen Bahn, möglich.

Rundumprogramm für die Teilnehmer
Den Besuchern und Teilnehmern der diesjährigen Berg!Schau wurde auch neben den Foren, Reden und Diskussionen Einiges geboten. Der DAV und das Kongresszentrum Dresden sorgten für eine umfangreiche Verpflegung, einen fantastischen Dia-Abend am Freitag mit dem wohl besten Bergfotograf der Welt – dem Schweizer Robert Bösch -, ein Wander-Rahmenprogramm und vieles mehr. Den Abschluss des Kongresswochenendes bildete der Gala-Abend, der eine tolle Bouldershow mit Deutschlands Kletter-Aushängeschildern Christian Bindhammer und Jonas Baumann, eine Jonglage-Vorstellung und natürlich viele Gelegenheiten gab, das Gesehene und Gehörte Revue passieren zu lassen. DAV-Präsident Röhle zog ein zufriedenes Fazit: "Ich fand es wunderbar, eineinhalb Tage lang intensiv über die Entwicklung des Bergsports und der Bergregionen zu diskutieren. Es ist klar geworden, dass der Bergsport in Zukunft stärker nachgefragt wird."

Nicht nur positive Stimmen
Trotz der zahlreichen Foren und Diskussionen waren nicht alle Besucher und Referenten des Kongresses mit dem Verlauf ganz glücklich. "Mir fehlen die Zukunftsvisionen des DAV, zudem war für meinen Geschmack zu wenig Pfeffer in den Diskussionen. Zuviel Harmonie verblödet", wurde zum Beispiel beim Vortrag "Aus der Sicht von Freunden" von Robnert Renzler verlautet und damit sprach er einigen Besuchern aus der Seele, die sich mehr kontroverse Diskussionen und klare Konzepte erwünscht hatten. DAV-Präsident Röhle antwortete in seiner Abschlussrede: "Uns war klar, dass die Berg.Schau! keine fertigen Konzepte liefert. Sie sollte zum Informations- und Erfahrungsaustausch beitragen, Anregungen aufnehmen und Handlungsempfehlungen aufzeigen." Doch einigen geht dieses im DAV zu langsam voran: "Die Verbesserungen, vor allem im Bereich des Spitzenbergsports und der Unterstützung der Top-Athleten, werden leider nur sehr langsam umgesetzt und der Weg für den DAV ist noch lang", beklagte zum Beispiel Kletter-Bundesjugendtrainer Gunter Gäbel, der sich mehr Mut der Gremien wünschte.

Es blieben nicht nur positive Eindrücke in einer der "Hauptstädte des Bergsports" (DAV-Präsident Röhle) hängen. Doch der DAV in München und seine Sektionen leben und sind gewillt, sich mit den aktuellen Themen auseinander zusetzen. Und wenn der Alpenverein die vielen Herausforderungen - die Entwicklung des Spitzenbergsports, die Einbeziehung der Tourismusverbände und politischen Entscheider in die Pflege der Wander- und Kletterwege und die Herausforderung Klimawandel - angeht und meistert, wird der Bergsport in Deutschland weiterhin das bleiben, was er ist: der faszinierendste und abwechslungsreichste Sport, den es gibt!

Alles zur Berg.Schau! 2008 finden Sie in unserem Eventspecial!




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