
Int. Masters in China 2004

Edelrid

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Andreas Bindhammer im Interview (06/2004), Sportklettern
M2b Redaktion am 18.06.2004 - 10:05 Uhr
Zwischen zwei großen Wettkämpfen sprachen wir mit
Andreas Bindhammer über seinen dritten Platz beim Masters in China und seine Zielsetzung für die anstehende Europameisterschaft in Lecco.
Mountains2b: Du kommst mit einem dritten Platz im Gepäck vom Masters aus China zurück - bist Du zufrieden oder wäre noch mehr drin gewesen?
Andreas Bindhammer: Klar wär´s noch besser gegangen. Aber in Anbetracht der Umstände - 20 Stunden Anreise, tropische Temperaturen und Regen - war´s für mich ok. Die Vorrunde ist für mich sehr schlecht gelaufen und selbst wenn ich das Finale top geklettert wäre, hätte ich nicht mehr als einen dritten Platz herausholen können.
Mountains2b: Wie stark war die Konkurrenz, gerade der letzte Weltcup in Imst war zum Beispiel ganz hervorragend besetzt?
Andreas Bindhammer: Dadurch, dass es sich um ein Einladungsturnier handelte, war die Konkurrenz nicht so stark wie in Imst. Viele der europäischen Athleten scheuten auch die weite Anreise oder waren schon in der direkten EM-Vorbereitung. Dafür war ein Großteil der asiatischen Spitzenleute am Start.
Mountains2b: Was kannst Du zu den Routen sagen? Welchen Charakter hatten sie, welche Schlüsselstellen hat es gegeben?
Andreas Bindhammer: Die Wand war nicht sehr abwechslungsreich - flache Passage, dann ein horizontales Dach, danach nochmals eine Ausstiegsplatte; für diese Voraussetzungen waren die Routen durchaus gelungen, wenngleich auch die Einstiege aus meiner Sicht etwas zu schwer geraten sind. Für das feucht-warme Klima waren die Griffe gleich zu Beginn reichlich klein und abschüssig.
Mountains2b: Wo war im Finale für Dich das Ende der Fahnenstange erreicht?
Andreas Bindhammer: Beim Zug über die Dachkante in die Ausstiegsplatte war Schluss. Kurz zuvor war noch ein heftiger Schauer niedergegangen und in der kleinen Schale über der Dachkante hatte sich viel Feuchtigkeit gesammelt. Ich hab´ den Zug zweimal angesetzt und bin jedesmal nach hinten weggerutscht. Wenigstens hab´ ich dadurch etwas Vorarbeit für die Starter nach mir geleistet und den Griff von der größten Nässe befreit ...
Mountains2b: Wie lange ist man eigentlich mit modernen Verkehrsmitteln nach China unterwegs? War die Reise eine Strapaze?
Andreas Bindhammer: Wir sind von München aus etwa eineinhalb Stunden nach
Paris geflogen, von dort elf Stunden nach Beijing. Dort haben wir übernachtet und sind am nächsten Tag nochmals drei Stunden nach Guang-zhou, also Richtung Süden geflogen. Danach folgte eine vierstündige, reichlich holprige Busfahrt. Insgesamt war´s schon anstrengend, aber die Organisation der Anreise durch die Veranstalter war sehr gut und hat uns von daher sehr entlastet - ein Grund mehr, mich auf den Weltcup in Shanghai im Herbst zu freuen. Überhaupt sind die Events in Asien deutlich besser organisiert als die meisten hier in Europa.
Mountains2b: Du warst nicht zum ersten Mal in China, welchen Eindruck hast Du von diesem besonderen Land?
Andreas Bindhammer: Die Leute sind sehr freundlich und höflich, die Landschaft außerhalb der Großstädte ist sehr schön. Die Provinz Guandong und vor Allem die Gegend, in der wir dieses Mal waren, zählt zu den wirtschaftlich ärmeren. Die Regierung und einige Investoren aus der Wirtschaft geben sich große Mühe, diesen Raum touristisch zu erschließen. Vor diesem Hintergrund fand auch dieser Wettkampf statt. Man ist also in jeglicher Hinsicht sehr motiviert und orientiert sich stark an westlichen Vorgaben.
Mountains2b: Wie läuft Deine Vorbereitung auf die EM im italienischen Lecco, die in Kürze ansteht?
Andreas Bindhammer: Wir hatten am Wochenende noch einen Kaderlehrgang und im Moment versuche ich, mich noch spezifisch an künstlichen Wänden vorzubereiten und viel onsight zu klettern, um mehr Sicherheit in unbekannten Situationen zu bekommen. Nach dem Wettkampf in China war ich etwas erkältet, inzwischen fühle ich mich aber schon wieder deutlich besser.
Mountains2b: Zählte der Wettbewerb in China zur konkreten Vorbereitung? Bestreitest Du vor der EM noch weitere Wettkämpfe?
Andreas Bindhammer: China war für mich nicht eine konkrete Vorbereitung, vielleicht hat die Konfrontation mit der Wettkampfsituation in Kombination mit widrigen
Umständen schon Routine gebracht - aber es hat mich einfach interessiert, dorthin zu reisen und einen Wettkampf zu bestreiten - den letzten vor der EM.
Mountains2b: Wie sieht die Zielsetzung für Lecco aus?
Andreas Bindhammer: Ziel für mich wäre eine Finalteilnahme in Lecco. Dass ich nicht so weit von den Spitzenleuten entfernt bin, habe ich im Viertelfinale in Imst gesehen - es muss gut laufen und die Routen müssen mir liegen. Aber ich bin zuversichtlich und freue mich auf den Wettkampf.
Mountains2b: Danke, dass Du Dir die Zeit für das Gespräch genommen hast.
Information und Kontakt
web:
www.andreas-bindhammer.de
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