Aktuelles Interviews

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer

Christian Bindhammer im Interview (06/2003), Sportklettern

M2b Redaktion am 05.06.2003 - 10:29 Uhr

Etwa drei Wochen nach seiner erfolgreichen Begehung der 'Action Directe' (11/9a, Güllich-Route 1991) nahm sich Christian Bindhammer Zeit für ein Interview mit Mountains2b.

Mountains2b: Stellst Du Dich den Lesern kurz vor?
Christian Bindhammer: Ich bin 27 Jahre alt; geboren wurde ich am 27. März 1976 in Landshut, heute wohne ich in Bamberg. Ich klettere seit vierzehn Jahren, zusätzlich bin ich auch als Kadersprecher der Nationalmannschaft für den Deutschen Alpenverein aktiv. Neben dem Klettern 'snowboarde' ich gerne.

Mountains2b: Mit der erfolgreichen Begehung der Güllich-Route von 1991 hast Du in der Szene für Aufsehen gesorgt - was macht sie so besonders und wie ordnest Du Deine Leistung drei Wochen danach ein?
Christian Bindhammer: Die 'Action Directe' ist letztenendes deshalb so berühmt, weil sie den derzeit höchsten Schwierigkeitsgrad aufweist (9a bzw. 11) - in dieser Kategorie ist sie die einzige Route in Deutschland. Zudem bin ich nach Wolfgang Güllich, Alexander Adler, Dave Graham und Iker Pou erst der Fünfte, dem diese Begehung gelungen ist. Übrigens hatte Güllich seine Route nach der Erstbegehung 1991 'nur' als 8c+ eingestuft, ehe sie nach weiteren Begehungen in ihrer Schwierigkeit noch höher bewertet worden ist. Für mich war es - nach der 'Ground Zero' und der 'Underground' - die dritte 9a-Begehung: Die absoluten Schwierigkeiten sind der Ein- und der Ausstieg. Gleich unten zieht die Wand in einem Winkel von 45 Grad über Dich hinweg - man muss ein Einfinger-Kuppenloch links im Überhang halten und anschließend in ein Zweifinger-Schulterloch hochspringen. Exakt dieser Übergang ist ein koordinativ sehr schwerer Zug. Und das Einfinger-Loch mit seiner scharfen Kante verzeiht nur wenige Fehlversuche. Im Anschluss an diese untere kommt man mit schweren aber machbaren Zügen zur oberen Schwierigkeit: Mit einem längeren Zug musst Du dort wieder ein Einfinger-Loch treffen, ehe nach fünf schweren Zügen das Ziel erreicht ist. Die Begehung dauerte effektiv nur gut eine Minute.

Mountains2b: War diese Begehung ein besonders angestrebtes Ziel?
Christian Bindhammer: Ich habe die Tour nicht direkt angestrebt. Aber als bekannteste Route Deutschlands war mir die 'Action' natürlich im Hinterkopf. Schon 1994, als ich ernsthaft zu klettern anfing, habe ich dort gestanden. Doch eigentlich liegt sie mir bis heute nicht; denn in den letzten Jahren hatte ich wiederholt Kapselprobleme, und aufgrund der bei dieser Route auftretenden enormen Scherbelastungen war sie nicht mein Favorit. Allerdings ist mir den letzten Winter über ein Training ohne Beschwerden möglich gewesen, sodass ich indirekt für die 'Action' mittrainiert habe. Im Vordergrund stand aber die Arbeit an meinen allgemeinen Schwächen. Anfang des Jahres zeigte sich dann: Die notwendigen Züge klappen. Daraufhin habe ich mein Training für diese Begehung noch etwas mehr spezialisiert.
Und: Wettkampfkletterer sind als Ausdauerkletterer
'verschrien'. Mit meinem gelungenen Versuch der Güllich-Route habe ich unterstrichen, dass Wettkampfkletterer zu den flexibelsten und komplettesten Kletterern gehören.

Mountains2b: Wie ist Deine Entwicklung hin zum professionellen Klettersportler verlaufen? Kannst Du heute von Deinem Sport leben?
Christian Bindhammer: Mit dem Wettkampf-Klettern habe ich 1993 begonnen. Ab 1994 gab es regelmäßige Erfolge: Von nationalen Jugendmeisterschaften bis hin zu einer gewonnenen Juniorenweltmeisterschaft 1996, dem Jahr, als mein Bruder Andreas den Titel als Deutscher Meister holte. 1997 war mein Durchbruch. Erstmals schaffte ich es ins Finale eines Weltcups (Teilnahmen seit 1994) und ich selbst konnte den Titel des nationalen Meisters erringen - den habe ich bis heute nicht mehr abgegeben. Trotz dreier Sponsoren (Edelrid, Five Ten, Cassin) und entsprechender Unterstützung ist es mir aber nach wie vor nicht möglich, allein dem Klettern nachzugehen. Zusammen mit meinem Bruder vertreibe ich Kletterwände der Firma SintRoc in Deutschland und habe mit der Firma MasterRange ein eigenes Label mit Produkten rund um den Klettersport gegründet.

Mountains2b: Was im Indoor-Bereich mehr oder weniger gut von der Hand geht, sorgt draußen mitunter für Konflikte - wie beurteilst Du das Spannungsfeld um Kletterverbote und den Gebietsschutz?
Christian Bindhammer: Kletterverbote gibt es schon immer. Und selbstverständlich verlaufen auch neuere Sperrversuche erfolgreich. Dass derartige Konflikte um Kletterfelsen aber auch gelöst werden können, zeigt sich z.B. im Frankenjura - die dort angewandte Zonenregelung ist eine gute Vorgehensweise: Felsen, die innerhalb eines Konfliktraumes liegen werden kategorisiert und können daraufhin entsprechend intensiver oder auch gar nicht genutzt werden. Betroffene Felsen werden dabei einzeln besprochen. Verbote sind möglich, aber bis zu einer erneuten Überprüfung zeitlich begrenzt. Das kann ich akzeptieren. Wenn jedoch ganze Gebiete wie die Eifel gesperrt werden, dann setzen sich Leute über diese Verbote hinweg. Demgegenüber erscheint mir die Regelung im Frankenjura vorbildlich. In einigen unserer europäischen Nachbarländer gibt es diese Debatten um Naturschutz und Klettern nicht - trotzdem haben dort naturnahe Felslandschaften bis heute überdauert. Ich bezweifle eine besonders negative Einwirkung des Kletterns auf naturnahe Felslandschaften. Diese Diskussion verläuft allzu oft überspitzt.

Mountains2b: Danke, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast.


  Zurück
Weiterführende Informationen zum Thema:
Verwandte Artikel bei Mountains2b:
Verwandte Bildergalerien bei Mountains2b:
Verwandte Dateien bei Mountains2b:
Rotpunktbegehungen (ab 8c+) von C. Bindhammer

(Typ: "PDF" Größe: 20 KB)

Verwandte Links (extern):
Social Bookmarking:
Linktipps: Google, Amazon, ebay
Anzeige
Anzeigen
Google Anzeigen