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Christian Bindhammer

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Andreas Bindhammer

Christian Bindhammer im Interview (07/2003), Sportklettern

M2b Redaktion am 14.07.2003 - 17:06 Uhr

Christian Bindhammer äußert sich im Interview zu seiner Begehung der 'Underground'. Außerdem sind unter dem Text eine Biografie, zwei Videos (Begehung der 'Underground'), eine Liste seiner Rotpunktbegehungen, Bildergalerien ('Underground' und 'Action Directe') und ein weiteres Interview über seine erfolgreiche Begehung der 'Action Directe' angehängt.

Mountains2b: Die 'Underground' wird zu den schwierigsten Kletter-Routen Italiens gezählt – wo siehst Du nach Deiner erfolgreichen Begehung die Charakteristika und anspruchsvollsten Passagen dieser Route?
Christian Bindhammer: Grundsätzlich vereint die 'Underground' sehr viele Faktoren in sich - das heißt, nur ein sehr 'kompletter' Kletterer kann diese Route wirklich schaffen. Die Route teilt sich in zwei Schlüsselpassagen: Die erste Sequenz sind einige körperspannungsbetonte, maximale Züge, die perfekt hintereinander harmonieren müssen. Bei der zweiten Schlüsselstelle sind die Fußtritt-Möglichkeiten leider absolut eingeschränkt und passen absolut nicht zu der Belastungsrichtung der Griffe. Deshalb muss man hier mit sehr viel Präzision seinen Körperschwerpunkt in die richtige Position bringen, um so den nächsten Griff noch zu erreichen. Hier kommt dann natürlich auch der Ausdauerfaktor mit hinzu, da man sich bei der 'Underground' ständig im fast waagerechten Überhang befindet. Letztendlich darf hier auch die psychische Komponente nicht vergessen werden, da ganz oben die Konzentration schon stark nachlassen kann.

Mountains2b: Welche Anforderungen stellt die 'Underground' an den Kletterer – hattest Du zur Vorbereitung ein spezielles Training absolviert?
Christian Bindhammer: Die körperkraftbetonte, dynamische Kletterei im stark überhängenden Gelände liegt mir persönlich schon recht gut. Deshalb musste ich hier nicht direkt ein spezielles Training absolvieren.

Mountains2b: Wie bewertest Du die Begehung der 'Underground' im Rückblick, verglichen mit anderen Deiner erfolgreichen 9er-Routen?
Christian Bindhammer: Für mich zählt die Underground eindeutig neben der 'Action Directe' (Erstbegehung von Wolfgang Gülich) zu den schwersten Routen, die ich bisher geklettert habe. 'Ground Zero' ist für mich zum Beispiel eher leichter gewesen, ist ebenfalls mit 9a bewertet, und ich kann hier gut vergleichen, da ich diese Route nur zwei Tage später geklettert bin. Also quasi im gleichen Trainingszustand.

Mountains2b: In der Folgezeit nach Deiner Begehung der 'Underground' wurde in einigen Kletter-Foren im Internet diskutiert, ob diese Route vom Schwierigkeitsgrad her nun eine 9a oder doch eher eine 8c+ sei – wie bewertest Du diese Debatte? Sind Schwierigkeitsgrade ungefähre Richt- und Leitlinien oder viel mehr? Anlass zu Diskussionen scheinen sie allemal zu geben ...
Christian Bindhammer: Nun, da kann ich oft nur lachen. Man sollte die Bewertung einer Route schon denjenigen überlassen, die diese Route auch geklettert haben, und nicht denen, die sich die Griffe vom Boden aus ansehen. Es heißt ja auch Bewertungsvorschlag ...

Und wenn ich der Meinung bin, eine Route ist leichter als vorgeschlagen, dann sage ich das auch so (z.B. 'Gambit' oder 'The Big Mother').

Und wenn ich eine Route im Vergleich zu den 19 Routen im 8c+ Bereich, die ich bisher geklettert habe, einfach schwerer finde, dann sage ich das ebenfalls. Es geht mir da nicht um irgendeine besondere Zahl, sondern um eine möglichst exakte Einschätzung der Schwierigkeit.

Speziell bei 'Underground' sind hier auch sehr viele Meinungen anderer Spitzenkletterer, die sich deutlich für eine 9a Bewertung ausgesprochen haben. Auch der im Moment sehr starke Wettkampfkletterer Tomasz Mrazek, einer der wenigen Wiederholer der Route sprach sich unabhängig von mir ebenfalls für eine Bewertung mit 9a aus.

Warum aber die Underground überhaupt ursprünglich einmal mit 8c+ bewertet wurde, hat gewissermaßen einen anderen, nicht ganz geklärten Hintergrund. Ursprünglich wurde die Route von Manfred Stuffer 1998 in etwa erstbegangen. Zeitgleich probierte aber auch Gerhard Hörhager, der die 'Underground' eingerichtet hatte, an der Tour. Laut Aussagen von Zeugen war Gerhard einige Male am letzten schweren Zug geflogen, während Manfred eher weniger gut aussah. Jedenfalls, als Manfred verkündete, er habe die Route geklettert, wurde dies stark angezweifelt. Daraufhin stoppte Gerhard die Versuche in der Route. Manfred Stuffer bewertete die Route eben mit 8c+. Ob er die Tour aber wirklich geschafft hat, und überhaupt eine Bewertung abgeben kann, ist ungeklärt.

Erst 2000 wurde die Tour dann von Yuji Hirayama erstbegangen (?) oder wiederholt (?). Damals gab er als Bewertungsvorschlag eher eine bescheidene Zwischenbewertung an, also 8c+/9a wobei hier aber sicher auch die ursprüngliche Vorgabe von Manfred Stuffer eine Rolle gespielt hat. Im Frühjahr 2002 kletterte dann - wie schon oben erwähnt - Tomasz Mrazek die Route, und im Herbst gelang mir die Begehung.

Mountains2b: ... apropos: Wo siehst Du – persönlich und allgemein - Grenzen in der Entwicklung und Fortschreibung immer höherer Schwierigkeitsgrade? Hast Du Deinen Zenit erreicht? Wird es je eine 11+er Route geben?
Christian Bindhammer: In der UIAA Skala gibt es die 11 ja bereits. Sie entspricht etwa der 9a der französischen Bewertung. Es geht natürlich immer langsamer an der Spitze zu. Es sind schon noch Möglichkeiten da, noch schwerere Routen zu klettern, vor allem im Ausdauerbereich - eben z.B. die 'Action' zweimal so lang. Das würde dann eben eine 9b oder so ergeben. Grundsätzlich ist es aber so, dass der Grad zum Unmöglichen hier schon bereits sehr schmal ist und man nur mit sehr viel Glück solch eine Linie am natürlichen Fels findet.

Mountains2b: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview genommen hast.
Christian Bindhammer: Gern geschehen.

Steckbrief 'Underground':
Ort: Arco (Gardasee bei Riva, Italien)
Klettergebiet: Massone, Sektor Tirol
Länge: 20 Meter, stark überhängend
Schwierigkeit: 9a
Erstbegehung: Manfred Stuffer (1998) oder Yuji Hirayama (2000) – nicht gesichert bzw. angezweifelt

Andreas Bindhammers Kommentar zur 'Underground':
"'Underground' ist natürlich eines meiner zukünftigen Ziele – ich habe die Route noch nie ernsthaft probiert, war nur immer wieder einen Tag zum Bouldern in der Route. Kennzeichnend für die Route sind athletische Züge an großen, oft abschüssigen Griffen und sie erfordert ein hohes Maß an Maximalkraftausdauer. Immer wieder müssen mehrere sehr schwere Züge aneinandergereiht werden, was vor allem zum Ende hin die Schwierigkeit ausmacht. Wie fast alle extrem schweren Routen erfordert sie eine spezielle Vorbereitung."

Information und Kontakt:
Master Range Climbing Equipment Christian und Andreas Bindhammer
Hauptstrasse 98
84183 Niederviehbach
mail:
fon/fax: +49(0)8702/501


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