Alex Wenner in seinem Boulder Bulle von Calw Fb.7c+
palatinum arts 2004
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boulder days in der pfalz
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palatinum.info
Interview mit Alexander Wenner (05/2004), Sportklettern
M2b Redaktion am 12.05.2004 - 14:40 Uhr
Alex Wenner ist einer der Macher der Internetseite palatinum.info (aus palatinate, lateinisch für Pfalz, und Platin). Der vielseitige Sportler und Familienvater kletterte Routen bis 8b+ beziehungsweise Fb.8a/a+ beim Bouldern.
Der bekennende Pfälzer hat den Trainerschein für das Sport- und Wettkampfklettern, immer wieder ist er als Routenbauer bei Wettkämpfen unterwegs. 2001 und 2004 hat er beide Pfalzboulderführer verfasst - die unentbehrliche Referenz für alle, die in die Pfalz zum Bouldern kommen. Das Buch umfasst alle wichtigen Gebiete und Boulder der Pfalz und im grenznahen Elsass.
Gemeinsam mit Kai Richelsen setzte Wenner den palatinum-Film um: es geht ums Klettern, das Bouldern, Base- und Fallschirmspringen und um die Pfalz, die den Raum dazu bietet.
Im normalen Leben arbeitet der diplomierte Chemiker im Marketingbereich und referiert unter anderem über Analysemethoden in der Chemie.
Wir sprachen mit ihm über seine zahlreichen Projekte der letzten Jahre, die aktuelle palatinum-DVD und über rar gewordene Zeit zum Klettern.
Mountains2b: Seit einigen Wochen ist das neueste Werk der Pfälzer Kletterschmiede auf dem Markt, die DVD: palatinum – klettern und bouldern in der pfalz. Wie ist es dazu gekommen?
Alex Wenner: Die DVD besteht aus zwei Teilen; aus Material, das ich mit Kai Richelsen für die palatinum-VHS abgedreht hatte - die seit letztem Herbst komplett vergriffen ist - und aus Aufnahmen, die von Wojtek Gumula stammen. Wojtek ist Mediendesigner und DVD-Spezialist, den ich beim Klettern kennengelernt habe und der letztes Jahr zu mir ins Haus zog. Wir teilten bis letzten Monat eine WG in der Pfalz. Er klettert selbst regelmäßig und dazu sehr gut. Früher war er an einigen Big Walls unterwegs, wie der 'Zodiac' am El Capitan - der zweite Teil der DVD, den wir 'step-2' tauften, ist sein Werk.
Spätestens als sich im Laufe der letzten zwei Jahre zeigte, dass die VHS-Auflage gut zu vertreiben ist, wuchs bei Kai und mir die Idee, ein weiteres Projekt nachzulegen. Als dann noch Wojtek mit ins Boot kam, konnten wir loslegen.
Mountains2b: Was soll die DVD vermitteln?
Alex Wenner: Wir wollten zeigen, welche Faszination vom Bouldern ausgeht und welche Möglichkeiten dazu insbesondere die Pfalz bietet. Die meisten Darsteller kommen aus der Region und haben einen großen Teil ihres Lebens dort verbracht. Die DVD zeigt einen Abriss über die Entwicklung des Kletterns in der Pfalz, die Pfälzer Szene, aber auch das geniale Ambiente filmisch einzufangen war uns wichtig.
Da die Pfalz ein psychisch anspruchsvolles Klettergebiet ist, und eine Menge Freaks aus der Gegend kommen - der Güllich war übrigens auch Pfälzer - das war für uns Grund genug, palatinum zu produzieren.
Mountains2b: Wie erfolgte die technische Umsetzung?
Alex Wenner: Am Drehbuch, Casting, der Regie und beim Schneiden habe ich mitgearbeitet, meine Sache ist zudem das Marketing unserer Produkte. Mit Anzeigen und Artikeln in den weltweit führenden Klettermagazinen und Websites sind wir regelmäßig vertreten. Ansonsten waren Kai Richelsen und Wojtek Gumula für die technische Umsetzung zuständig; und den Job haben sie genial erledigt. Ein recht modernes Medium ist oft komplex und problembehaftet. Sogar in der Endphase der Produktion gab es immer wieder Überraschungen. Kai und Wojtek sind zum Glück Tüftler, aber auch Software-Spezialisten, und konnten die Bugs schnell beseitigen.
Mountains2b: Mittlerweile ist seit dem Erscheinen der DVD einige Zeit vergangen - wie siehst Du das Projekt heute?
Alex Wenner: Letztlich so, wie ich es auch schon bei der VHS, dem Boulderführer oder den palatinum arts-Kalendern wahrgenommen habe: Solange man eine solche Vision umsetzt, ist man mit Leib und Seele dabei - im Falle der VHS war das zwischen 2001 und 2002 ein Jahr, in den Boulderführer habe ich etwa ein dreiviertel Jahr investiert. Von dem Tag an, an dem ich das fertige Produkt in den Händen halte, ist es in gewisser Weise bereits 'vergessen', was nicht wertend zu verstehen ist. Vielmehr empfinde ich derartige Projekte mit der Fertigstellung einfach als zurückliegend, und echte Freude und einen Kick bereitet mir eher das, was noch kommt.
Auf einer anderen Ebene mache ich mir natürlich Gedanken darüber, wie gut wir etwas umgesetzt haben. Dazu gehören kritische Überlegungen, was wie verbessert werden kann.
Mountains2b: Der VHS-Film war für den deutschsprachigen Markt bestimmt, die DVD bietet auch englische Untertitel. War das eine bewusste Entscheidung, um mehr potenzielle Käufer erreichen zu können?
Alex Wenner: Sicher spielte diese Abwägung eine Rolle bei der Entscheidung, englische Untertitel zu integrieren. Die VHS hat gezeigt, dass es mit einem professionellen Marketing durchaus möglich ist, sehr gute Verkaufszahlen zu erzielen. Die DVD verkauft sich erfreulicher Weise über Österreich und die Schweiz hinaus bis nach Italien und Frankreich. Auch aus noch weiter entfernten Ecken unseres Globus erhalten wir Bestellungen.
Mountains2b: Du bist selbst in hohen Schwierigkeitsgraden geklettert, tust du das nach wie vor?
Alex Wenner: Zwischendurch bin ich auch heute noch mit dem Seil unterwegs, auch in den Alpen, wesentlich häufiger aber gehe ich Bouldern. Was primär daran liegt, dass ich weniger Zeit für das Klettern aufbringen kann, als es zum Beispiel noch im Studium der Fall war - fünf Klettertage in der Woche waren damals mitunter die Regel, nebenbei habe ich mit Leuten wie Alex Huber noch Routencups geschraubt. Auch heute baue ich noch vereinzelt Routen, aber bei Bouldercups, sei es für Red Chili oder A5. Ansonsten passt das Bouldern besser zu meinem Arbeits- und Familienleben, weil es weniger Zeit beansprucht. Ich käme andernfalls viel zu selten dazu, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Lebensmittelpunkte verschieben sich eben, gerade mit eigenem Nachwuchs, und ich glaube, dass das Bouldern die kompletteste Form des Kletterns ist.
Mountains2b: Warum ist das so? Wenn Du nach jahrelangem Routenklettern heute dem Bouldern den Vorzug gibst: Wie siehst Du beide Spielformen des Kletterns?
Alex Wenner: Bouldern ist und bleibt schon etwas sehr Spezielles in Deutschland, es ist Klettern in Perfektion - psychisch sicher nicht so anspruchsvoll wie die Routenkletterei, aber vom ästhetischen Standpunkt her ist es die umfassendste Form des Kletterns, das dem Körper alles abverlangt. Doch auch wenn es immer mehr Bouldercups gibt und weitere Gebiete erschlossen werden: Bouldern wird, zumindest in Deutschland, Nischensport bleiben und sich nicht zu einem solchen Massenphänomen entwickeln wie das Hallenklettern. Dazu sind die meisten Boulderprobleme einfach zu schwer, beziehungsweise zu wenige gute, leichte Probleme werden lokal geputzt und sind wirklich lohnend! Und für Viele ist heute die zentrale Philosophie lediglich, fit zu bleiben. Da bietet sich das Hallenklettern einfach eher an. Dennoch ist Bouldern immer angesagter und das kann ich gut verstehen.
Mountains2b: Was zeichnet Eure Seite palatinum.info aus?
Alex Wenner: Hervorzuheben ist der Bezug zur Pfalz, meiner Heimat. Wir fokussieren mit unserer Berichterstattung auf das, was in der Pfalz und im Elsass passiert oder das, was Pfälzer anderswo klettern und an Projekten versuchen. Zudem bieten wir eine Menge Lesestoff und Bilder-Gallerien, die bei den Usern sehr gut ankommen - das spült täglich bis zu 4000 Besucher auf unsere Seite.