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Interview mit Alfred Mandl (02/2004), Skibergsteigen

M2b Redaktion am 20.02.2004 - 10:00 Uhr

Alfred Mandl (Jahrgang 1974) lebt in Henndorf in der Nähe von Salzburg. Als Maschinenbautechniker ist er bei der Salzburg AG angestellt.
Über das ganze Jahr hinweg betreibt der Sieger des DachSteinBock 2004 Leistungssport: im Sommer als Bergläufer des österreichischen Nationalteams, im Winter als Wettkampf-Skibergsteiger. Die nationale Berglauf-Rennserie der Alpenrepublik konnte er bereits zweimal gewinnen, und in diesem Winter rast er in seiner bisher erfolgreichsten Saison im Skibergsteigen von Streckenrekord zu Streckenrekord.
Wir sprachen mit ihm über die heuer besonders spannende Österreichische Meisterschaft im Skibergsteigen und den Stellenwert dieses Sports in Österreich.

Mountains2b: Ihnen unseren Respekt und Glückwunsch zum Sieg bei der zweiten Veranstaltung des Austria Skitour Cup 2004, dem DachSteinBock. Nach diesem Erfolg bei einem solch renommierten Rennen dürfte man mit der eigenen Leistung wohl zufrieden sein, oder?
Alfred Mandl: Danke. Meine Freude über diesen Sieg ist in der Tat riesig, denn beim DachSteinBock sind stets viele Spitzenathleten aus zahlreichen Nationen am Start; dabei als Erster über die Ziellinie zu laufen, das schmeckt mir schon. Und schließlich steht der Erfolg am Ende eines sehr spannenden Wettkampfes: mit Markus Stock und Andreas Ringhofer habe ich gerade im Mittelteil der Strecke hart um die Positionen gekämpft - Stock ist irrsinnig ausdauernd, Ringhofer eh als absoluter Spitzenathlet bekannt. Hätte der Markus im zweiten Aufstieg nicht mit Fellproblemen zu kämpfen gehabt, wäre der Wettkampf womöglich erst am Ziel entschieden worden.

Mountains2b: Jetzt führen Sie das Klassement der Österreichischen Meisterschaft an – wie beurteilen Sie in dieser Situation die Chance, den Bewerb zu gewinnen?
Alfred Mandl: Das ist mein Ziel, natürlich strebe ich den Titel an. Aber ich sehe auch eine so starke Konkurrenz, dass mir klar ist, dass das Klassement schon nach dem 'Auffi muas i-Rennen' ganz anders aussehen kann, wenn ich nicht wieder eine absolute Topleistung bringe - lediglich sieben Punkte trennen die ersten Fünf der Gesamtwertung, und die direkt hinter mir platzierten Ringhofer, Lugger und Hornegger werden mir keine Schwäche verzeihen.

Mountains2b: Sie haben in dieser Saison sowohl kurze Sprintstrecken als auch lange Marathondistanzen gewonnen - in bisher sieben Rennen glänzten Sie mit sechs Streckenrekorden, nur ein einziges Mal wurden Sie auf den zweiten Platz verwiesen ...
Alfred Mandl: Ich bin momentan wirklich in Topform. Heuer habe ich die Chance, neben einem Spitzenplatz bei der Österreichischen Meisterschaft den Tirolcup und den Salzkammergutcup zu gewinnen, was meine ausgesprochenen Ziele sind. Der Tirolcup wird mit seiner vierten Veranstaltung am kommenden Samstag entschieden, im Salzkammergut finden noch zwei Bewerbe statt. Ich trainiere weiterhin hart und hoffe, meine Formkurve halten zu können. Am wichtigsten ist es, gesund zu bleiben - der Grat auf dem Weg zum Erfolg im Skibergsteigen ist schmal!

Mountains2b: Wieviele Höhenmeter absolvieren Athleten Ihrer Güte denn alljährlich?
Alfred Mandl: Addiert man die Höhenmeter aus Training und Rennen, leisten alle Topathleten pro Wintersaison, dem Zeitraum zwischen Oktober und April, sicher zwischen 150.000 und 300.000 Höhenmeter. Ich sehe zu, dass ich während dieser Zeit an Trainingstagen 2000 Höhenmeter aufsteige.

Mountains2b: Ein Teil der Wettkämpfe im Skibergsteigen findet im alpinen Gelände statt, andere, wie der DachSteinBock, auf präparierten Pisten - wo sind Sie lieber unterwegs?
Alfred Mandl: Früher und bei gemütlichen Skitouren natürlich im offenen, unpräparierten Gelände. Allerdings muss ich zusehen, dass ich meine Trainingskilometer abspule, und da bietet sich aus Zeitgründen häufig die präparierte Piste an; was aber nicht immer konfliktfrei läuft: auf Pisten 'stört' man die Alpinen und auch die Pistenbetreiber sind nicht immer begeistert, wenn Tourengeher über ihre Anlagen ziehen.
Im Rennbetrieb bekommt man von der sicher ansprechenderen Landschaft im offenen Gelände bei einem Pulsschlag von 180 nicht viel mit.

Mountains2b: Werden Sie 2004 bei einem der großen Rennen 'Patrouille des Glaciers', 'Trofeo Mezzalama' oder der 'Pierra Menta' dabei sein?
Alfred Mandl: Wäre ich sehr gerne. Doch in Österreich ist der Tourenrennsport nicht im offiziellen Skiverband integriert, das heißt, wir haben kein Nationalteam wie die DAV-Mannschaft. Entsprechend müssen wir unsere Anreisen und Unterkünfte selbst finanzieren. Obwohl die Zahl der Tourengeher kontinuierlich zunimmt, ist bereits entschieden, dass es auch im nächsten Jahr kein österreichisches Nationalteam geben wird; uns Athleten sind die Hände gebunden, wir werden in derartige Entscheidungen nicht mit einbezogen.
Würden mich meine persönlichen Sponsoren Dynafit und Salewa nicht unterstützen, bekäme ich Probleme, diesen Sport auf der Wettkampfebene überhaupt weiter ausüben zu können.

Mountains2b: Vielen Dank für Ihre Teilnahme an diesem Interview.


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