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Ines Papert

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Die Südwand der Marmolada

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Ines Papert (GER)

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Interview mit Ines Papert (03/2006), Eiskletterweltcup-Gesamtsiegerin

M2b Redaktion am 13.03.2006 - 12:00 Uhr

Ines Papert wurde 1974 in Wittenberg geboren und ist bekannt als eine der besten Eiskletterinnen - Weltcupgesamtsiege, drei gewonnene Weltmeisterschaften und der 2005 erworbene Titel als Weltmeisterin im Eisbouldern sprechen für sich. Mehr noch: In den letzten Jahren zeigte die Wahlbayerin mit "Mission Impossible", "Schattenkönig", "Letzte Ausfahrt Titlis", "Symphonie de Liberte", die als eine der schwersten Routen an der Eiger-Nordwand gilt, und anderen schweren alpinen Routen, welch komplette und leistungsfähige Bergsteigerin sie ist.
Die diesjährige Eiskletter-Weltcupsaison, die letzte in ihrer Karriere, schloss Ines Papert mit dem Gesamtsieg (fünf Siege/fünf Bewerbe) ab. Wir sprachen mit ihr über den Weltcup 2006, die Gründe für ihren Rückzug aus dem Wettkampfzirkus und ihre Pläne für die Zukunft.

Mountains2b.com: Hallo Ines! Du hast soeben den Gesamtweltcup im Eisklettern mit der "Optimalausbeute" von fünf Siegen gewonnen - dir gebührt unsere herzlichste Gratulation! Welche Eindrücke nimmst du von den Weltcups 2006 mit nach Hause?
Ines Papert: Mir persönlich fehlte bei den Weltcups die Herausforderung, denn es gab keine wirkliche Konkurrenz und der junge Nachwuchs fehlt. Das stimmt mich ein wenig traurig, und ist auch ein Grund für meine Entscheidung, den Weltcup letztmalig in voller Länge mitgemacht zu haben.
Zwar haben sich die Organisatoren besonders in Rumänien, der Schweiz und in Italien sehr bemüht, uns ein spannendes Event zu beschehren, letztendlich fehlte aber die Unterstützung des Dachverbandes UIAA und der nationalen Verbände (zum Beispiel DAV).
Bei zwei Weltcupveranstaltungen gab es nicht einmal ein Preisgeld, worauf besonders die russischen Teilnehmer angewiesen sind. Und dass die Veranstalter in Norwegen schlicht und ergreifend übersehen hatten, eine entsprechende Kletterkonstruktion zu bauen, und dann nur aufgrund der Hilfe von slowenischen Routensetzern (die dafür nicht einmal bezahlt wurden!) es geschafft haben, in ein paar Tagen eine kletterbare Anlage zu zaubern, motiviert nicht gerade für ein weiteres Jahr...
Alle Athleten investieren sehr viel Zeit und Geld, um ein attraktives Event zu bestreiten. Ich hoffe sehr, dass derartig schlecht organisierte Bewerbe nicht die Stimmung der Leute beeinflussen - denn ohne Kletterer stirbt der Weltcup...

Mountains2b.com: Dann hängt deine Entscheidung, dem Weltcupgeschehen den Rücken zu kehren, wahrscheinlich mit diesen Punkten zusammen?
Ines Papert: Ja... außerdem kommt hinzu, dass ich auf eigene Projekte verzichten musste, denn zwischen den Weltcups blieb einfach keine Zeit dafür. Einen kleinen Sohn habe ich ja auch noch zu versorgen... Insgesamt spricht nicht genug für die Weltcups, als dass es sich lohnen würde, noch einmal so viel Energie dafür zu investieren. Und natürlich sollen ja auch einmal andere gewinnen - es ist für die anderen Mädels ja auch nicht gerade leicht, sich die Plätze zwei bis 15 zu teilen.

Mountains2b.com: Nach deinem Sturz durch einen Felsausbruch in der Marmolada Südwand im Juli 2005 musstest du operiert werden und einige Zeit pausieren. Wie hast du dich danach wieder an die Weltcupteilnahme heran gearbeitet? Bist du heute komplett beschwerdenfrei?
Ines Papert: Ich habe direkt nach dem Unfall mit dem Training weiter gemacht, im Fitnessstudio oder einfüßig in der Kletterhalle. Durch meine lange Kletterpause draußen war ich motiviert wie noch nie - ich hatte Energie zum Bäume ausreißen! Der Fuß wurde zusehends besser, auch wenn ich noch nicht beschwerdefrei bin und es auch nie sein werde. Aber das konnte ich gut kompensieren durch mehr Power im Oberkörper.

Mountains2b.com: Hat sich für dich seit diesem Umfall etwas verändert? Sieht man vielleicht manche Dinge anders, als zuvor?
Ines Papert: Ja, ich denke, ich sehe viele Dinge anders... ich muss nicht mehr immer und überall dabei sein und gebe mir mehr Zeit für alles... Auch die Erkenntnis, dass mein Sohn mich braucht und ich mehr Zeit ihm zukommen lassen sollte, war eine Folge aus dem Sturz.

Mountains2b.com: Was bedeutet dir die Teilnahme an Wettkämpfen wie dem gerade zu Ende gegangenen Weltcup? Waren Wettkampf-Teilnahmen für dich immer eher eine "Ergänzung" zu deinen Projekten am Fels, ein winterlicher Ausgleich sozusagen, oder besaßen sie einen höheren Stellenwert?
Ines Papert: Es war für mich immer nur eine Ergänzung - anfangs weniger, und inzwischen spüre ich es immer deutlicher. Das Eisklettern beispielsweise an bis zu 1.000 Meter hohen Wasserfällen in Norwegen oder Kanada reizt mich deutlich mehr!
Aber die Weltcups waren es, die mir anfänglich die Möglichkeit gegeben haben, von Outdoorfirmen unterstützt zu werden. Und die Medien reagieren auf einen Weltcupsieg oder einen WM-Titel deutlich mehr, als auf die Begehung einer M11 als erste Frau (Mission Impossible 2003).
Ich werde in Zukunft gute Geschichten machen und dann darüber berichten - eine Frau im Eis ist ja auch nicht etwas ganz alltägliches...

Mountains2b.com: Demnach scheinst du schon Pläne für die Zukunft geschmiedet zu haben. Willst du uns sagen, welche Projekte in Fels und Eis du in der kommenden Zeit angehen wirst?
Ines Papert: Ganz nah ist mein Projekt an der großen Zinne-Nordwand. Es gibt dort eine Route im 10. Grad, welche ich gern rotpunkt (frei) klettern möchte.
Aber als nächstes fliege ich nach Amerika, um Rissklettern in der Wüste Utahs zu lernen. Ein guter Kletterer zu sein heißt für mich, alle Formen des Kletterns zu praktizieren und es wird mich besonders bei alpinen Routen weiterbringen.
Im Eis möchte ich nächstes Jahr eine M13 klettern, was noch keine Frau bisher geschafft hat. Daneben warten einige weitere interessante Routen auf Wiederholungen und Erstbegehungen...

Mountains2b.com: Dann wünschen wir dir viel Erfolg bei deinen Plänen und bedanken uns bei dir, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast!

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