Interview mit Jerome Blösser - Expedition Eiswüste
M2b Redaktion am 03.01.2008 - 10:34 Uhr
Nach der im Dezember beendeten Testtour durch die Sahara spach Mountains2b mit Jerome Blösser, der zusammen mit Martin Hülle Mitte Januar die Expedition Eiswüste angehen wird. Die beiden Extremsportler wollen 1000 Kilometer durch die Sahara und Grönland zurücklegen.
Mountains2b: Hallo Jerome! Wie fällt dein Fazit der kürzlich beendeten "Besichtigungstour" in der Sahara aus?
Jerome Blösser: Generell kann ich ein sehr positives Fazit ziehen. Der Fokus bei der Pilottour lag auf dem Test der speziell angefertigten Lastkarre, die es so natürlich nicht zu kaufen gibt. Deshalb mussten wir einen Eigenbau planen und da freut es einen natürlich, wenn die Planung sich in der Realität zu circa 95% als tauglich erweist. Nicht so schön war die Recherche einiger Wasserstellen, die aktuell trocken sind und wir dadurch unsere Route nun etwas verändern müssen.
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Mountains2b: Wie muss man sich die Bedingungen vorstellen, welche Temperaturen herrschen zum Beispiel?
Jerome Blösser Die Bedingungen in der Sahara können sehr unterschiedlich sein. Unser Vorwärtskommen wird dabei durch drei Parameter beeinflusst: Die Temperaturen, das Terrain und die Distanzen zwischen den einzelnen Wasserstellen. Da können die Tagesschnitte von 25 Kilometer auf festen Steinebenen bis auf 10 Kilometer in weichem Dünensand variieren. Selbst diese zehn Kilometer können dann ultrahart sein und einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Temperaturen sind für uns wichtig, weil davon natürlich ganz klar der Wasserverbrauch abhängt. Mehr als vier Liter sollten wir nicht verbrauchen, zur Not muss in der Nacht gelaufen werden, um die Hitze des Tages zu meiden. Man kann nicht sagen: Es ist immer heiß oder drei Tage die Woche Sandsturm. Selbst die Temperaturen schwanken zumindest in den Nächten sehr. So kann im Januar minus fünf oder plus zehn Grad in der Nacht sein. Die maximale Distanz zwischen zwei Brunnen ist ungefähr 75 Kilometer, das können fünf Tage harte Arbeit dazwischen sein!
Mountains2b.com: Die Anstrengung im tiefen Dünensand ist enorm, auch weil ihr euer gesamtes Material ziehen müsst. Wie habt ihr euch darauf vorbereitet?
Jerome Blösser: Martin Hülle macht ausschließlich Reifenziehen und Langdistanzwanderungen, er hat damit gute Erfahrungen, zum Beispiel aus der letztährigen Grönland-Transversale, gesammelt. Ich habe ein eher buntgemischtes Trainingsprogramm: Reifenziehen, Laufen, Mountainbiken und natürlich kommen mir die durch mich geführten Expeditionen und Karawanen als Training sehr zu Gute.
Mountains2b.com: Wann startet ihr zu eurer Wüstenexpedition und wie lange wollt ihr unterwegs sein?
Jerome Blösser: Der erste Teil der Expedition Eiswüste wird Mitte Januar starten, nach neuesten Berechnungen werden wir 28 Tage am Stück unterwegs sein. Vielleicht sind wir etwas schneller, dann gibt es auch mal einen Ruhetag. Ansonsten ist jeden Tag Laufen angesagt.
Mountains2b.com: Weihnachten und Silvester stehen vor der Tür, wird sich da als Vorbereitung auf die Entbehrungen schon etwas zurückgehalten oder werden alle Annehmlichkeiten noch einmal genossen?
Jerome Blösser: So richtig Festtagsstimmung kommt bei uns beiden gerade nicht auf, zu viel ist halt in der Phase kurz vor Projektstart noch zu erledigen. Und natürlich steht bis zehn Tage vor Start auch Training auf dem Programm. Zurückhalten müssen wir uns als Vorbereitung auf die Entbehrungen kaum, im Gegenteil: Da wir den kompletten Proviant für 28 Tage dabei haben werden, ist dieser schon eher knapp bemessen und einige Weihnachtspfunde mehr als Reserve können da sicher kaum schaden!
Mountains2b.com: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei eurer Reise!