
Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden (GER)

Marietta Uhden (GER)

Siegerehrung Damen

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden (GER)

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Marietta Uhden

Uhden und Preußler im Halbfinale

Marietta Uhden (GER)

Marietta Uhden

Marietta Uhden (GER)
Interview mit Marietta Uhden (08/2005), Rücktritt
M2b Redaktion am 17.08.2005 - 11:30 Uhr
Nach 16 professionellen Jahren im Klettersport verabschiedet sich Marietta Uhden, Deutschlands erfolgreichste Kletterin, von der Wettkampfbühne. In Zukunft will sich die 37-jährige gebürtige Münchenerin schwerpunktmäßig dem Felsklettern widmen. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei den diesjährigen World Games wird sich die Ausnahmesportlerin bei der Deutschen Meisterschaft am 05. November 2005 in Forchheim auch aus der nationalen Wettkampfszene verabschieden.
Im Interview mit Mountains2b.com blickt Marietta Uhden auf ihre lange Karriere und die Entwicklung des Klettersports zurück, spricht über die Gründe ihres Abschieds vom Wettkampfgeschehen und über ihre Ambitionen für die Zukunft.
Mountains2b: Du hast jetzt bekannt gegeben, Dich aus dem Wettkampfgeschehen zurückzuziehen. Was waren letztendlich die Gründe dafür, Deine sportliche Karriere gerade zu diesem Zeitpunkt zu beenden?
Marietta Uhden: Ich habe nicht vor, meine sportliche Karriere zu beenden, sondern möchte meinen Schwerpunkt auf das Klettern draußen am Felsen verlagern.
Außerdem habe ich mich im Wettkampf, oder in anderen Formen des Leistungskletterns, nie spezialisiert, wie es heute andere Wettkampfkletterer in der Regel machen.
Deswegen habe ich mich jetzt nach einer so langen Zeit der Mehrgleisigkeit dazu entschlossen, dem Wettkampf den Rücken zu kehren.
Mountains2b: Wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen? Hast Du Dich spontan dazu entschlossen oder ist dieser Schritt das Resultat einer reiflichen Überlegung?
Marietta Uhden: Diese Entscheidung ist so nach und nach gewachsen. Angefangen hat es damit, als ich begann, mich zu fragen, inwieweit der Wettkampf das Klettern in seiner Vielseitigkeit und Genialität darstellen kann. Der Wettkampf ist ein Ast an diesem großen Baum und hat seine ganz speziellen Reize und Anforderungen. Ich habe viel über mich und die Menschen gelernt: Wie schnell man Freunde und Bewunderer hat, wenn man siegt, dass es sich schnell ändern kann, wenn es mal nicht so läuft; wie wichtig die wirklichen Freunde sind, die am Menschen interessiert sind und nicht an der Leistung; was alles über einen geredet wird und wie man damit umgeht. Ich habe gelernt, das Umfeld auszublenden, die Sache auf den Punkt zu bringen und genau das war mein Ziel im Wettkampf.
Als ich mich im Sommer 2003 an der Schulter verletzte, war es nicht sicher, ob ich wieder klettern könnte. Ich wollte aber nicht verletzungsbedingt mit Wettkämpfen aufhören, sondern am liebsten mit einer internationalen Medaille.
Diesen Wunsch habe ich mir nun auch erfüllt und so kann ich mich zufrieden vom Wettkampfsport verabschieden.
Ich habe draußen in der Natur begonnen zu klettern, und die Faszination war und ist der Lebensstil, das Naturerlebnis, die Reisen und das Draußensein. Es ist ein Geschenk, sich an Millionen Jahren alten Formationen der Erde fortbewegen zu dürfen.
Mountains2b: Du hast stolze 16 Jahre Sport auf allerhöchstem Niveau betrieben. Fällt der Ausstieg aus diesem Bereich des Kletterns da nicht schwer? Was wirst Du vermissen und auf was freust Du Dich am meisten?
Marietta Uhden: Natürlich, wenn man etwas so lange erfolgreich gemacht hat, fällt es schwer sich von diesem Erfolgsmedium zu trennen. Aber es ist für mich immer wichtig gewesen, sich nicht über diese Leistung zu definieren. Ich werde vielleicht die Kletterer aus allen Nationen vermissen, die ich immer wieder gerne getroffen habe, aber man wird sich vielleicht auch mal am Felsen über den Weg laufen.
Ich freue mich darauf, schwerste Routen zu klettern, und bin gespannt, wo mein Limit liegt. Ich freue mich auf die neuen Herausforderungen, damit sich mein Klettern weiter entwickeln kann. Es ist die Veränderung und das Unbekannte, das mich reizt. Ich denke, man sollte nicht immer dasselbe machen, auch wenn das Routinierte gut läuft.
Mountains2b: Wie geht es jetzt weiter, was ist bei Dir für die Zukunft geplant? Sieht man Dich irgendwann vielleicht doch wieder im Wettkampfgeschehen? Oder widmest Du Dich nunmehr ausschließlich dem Felsklettern?
Marietta Uhden: In der nächsten Zeit werde ich noch ein paar Projekte im
Zillertal, in Kochel und am Schleier Wasserfall angehen. Außerdem werde ich mich in Mehrseillängenrouten einklettern.
Es stehen auch noch Dreharbeiten für das Filmfest in St. Anton an, und im Winter bin ich mit Peter Naumann, Liz und Nicho Mailänder in Indien.
Wenn ich Lust auf Wettkampf habe, werde ich es mir sicher nicht verbieten, aber momentan ist die Motivation für Felsen sehr groß.
Mountains2b: Noch einmal zurück zum Wettkampfklettern - wie siehst Du Deine Laufbahn im Rückblick: Hast Du etwas verpasst oder bereust Du etwas, wie zufrieden blickst Du auf Deinen Weg zurück?
Marietta Uhden: Wenn ich Entscheidungen treffe, übernehme ich auch die Verantwortung für die Konsequenzen, die nicht immer abzusehen sind. Deswegen bereue ich nichts und habe auch nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
Mit meinem bisherigen Weg bin ich recht zufrieden, er hat mich genau dahin gebracht, wo ich bin und auch sein will.
Mountains2b: Was war der Höhepunkt Deiner Karriere und wieso? Und was waren Deine schlimmsten Erfahrungen im Klettersport?
Marietta Uhden: Der Höhepunkt im Wettkampf war immer wieder neu da: Wichtig war mir der dritte Platz bei der WM in
Paris 1997, einen Traum habe ich mir mit dem Weltcupsieg beim Bouldern in München 2000 erfüllt und mein größter Sieg war mein Comeback bei den Worldgames 2005 mit der Bronzemedaille nach einer schweren Schulterverletzung und fast zweijähriger internationaler Wettkampfpause.
Am Felsen war wohl mein Höhepunkt bisher die Erstbegehung von "Sonne im Herzen" im Grad 11-: Eine der genialsten Routen vom Standpunkt der Komplexität betrachtet und bisher auch meine schwerste Tour.
Das Erleben von ein paar "Fast-Unfällen" hat in mir eine Art Angst vor der Angst kreiert und es war nicht leicht dieser wieder Herr zu werden.
Mountains2b: Wie bist Du damals überhaupt zum Klettern gekommen und wie bist Du dahin gekommen, wo Du heute stehst?
Marietta Uhden: Bei einer Dolomitenwanderung 1988 mit einem Goldschmiedegesellen sah ich Menschen, die in der großen Zinne kletterten. Alleine die Vorstellung, sich in solch einer Höhe in einer senkrechten Wand zu bewegen, ließ mich nicht mehr los. Ich beschloss, klettern zu lernen, und traf 1989 einen kompetenten Sportkletterer, der mich dann mehr für das Klettern, als für alpine Abenteuer begeisterte.
Nach einer schweren Lebensphase konnte ich durch diesen Sport wieder voll und ganz ins Leben eintauchen.
Ich konnte mich schnell steigern, meine erste 9+ flashte ich 1993, meine erste 10- kletterte ich im gleichen Jahr, genauso wie ich mir die erste Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr holte.
Als ich 1994 meinen ersten großen Sponsor hatte, hängte ich meinen Beruf als Goldschmiedin erst einmal an den Nagel und konnte mich meiner Leidenschaft voll und ganz widmen.
Von da an lief es ganz gut: 1995 meine ersten glatten 10er, 1997 meine erste 10+, "Happy Bizeps to you", am Schleier, derer dann noch weitere fünf folgten und im Jahre 2001 meine erste 11-. Auch im Bouldern ging es ganz gut: Meine erste 7C+ kletterte ich mit Alta im Jahr 1998 in Fontainebleau.
Dahin gekommen zu sein, wo ich heute stehe, verdanke ich der Tatsache, dass ich mich in meinem Klettern immer weiterentwickelt habe, nie mit dem Erreichten zufrieden gewesen bin: Lebte mein Klettern zu Beginn alleine von diesem unbändigen Willen oben anzukommen und damit zuerst hauptsächlich von meinem Kraftpotential, lernte ich im Laufe der Zeit meine Technik, Taktik und meine mentalen Fähigkeiten zu verfeinern. Hierbei geholfen haben mir vor allem Rudi Klausner, Gilles Bernigolle und Peter Naumann - drei Trainer, die in diesem Sport den Durchblick haben.
Mountains2b: 16 Jahre Kletterprofi sind eine lange Zeit. Was kannst Du zu der Entwicklung des Klettersports in den letzten Jahren sagen? Wie hast du zum Beispiel die Veränderungen des Equipments erlebt?
Marietta Uhden: Ich denke, was die Leistungsdichte und die Kraft der Kletterer anbelangt, hat sich enorm etwas getan. Erfreulich ist es, dass immer mehr Frauen eigenständig klettern!
Schade ist, dass in puncto Klettertechnik keine so großen Entwicklungen stattgefunden haben. Was das Klettern von schwersten Routen anbelangt, hat sich seit Wolfgang Güllich eigentlich nicht viel getan. Die "Action directe" ist nach wie vor eine der schwersten Routen der Welt.
Materialtechnisch ist alles viel leichter und leistungsfähiger geworden. Wer hätte gedacht, dass es mal ein Einfachseil mit 9.1 Milimeter geben wird (Beal). Der Karabiner wurde nicht neu erfunden, aber
Petzl lässt sich immer wieder neue geniale Details einfallen, um noch mehr Sicherheit zu erreichen.
Meinen Kletterschuh, den Anasazi Velcro von 5.10, gibt es schon seit 15 Jahren und er ist nach wie vor der Beste.
Zum Glück gibt es immer mehr funktionelle Bekleidung extra für Frauen, die dazu auch noch gut aussieht.
Marmot ist hier sicher führend.
Insgesamt finde ich, dass das Outdoorequipment wesentlich leichter und leistungsfähiger geworden ist und damit sind natürlich auch die Voraussetzungen für harte Unternehmungen besser geworden.
Mountains2b: Siehst Du an bestimmten Punkten Handlungsbedarf in der Sportart des Wettkampfkletterns? Wie schätzt Du die Zukunft des Klettersports in Deutschland ein?
Marietta Uhden: Ich finde der Routenbau bei den Wettkampfrouten sollte mehr auf die Gesamtkörperkraft gehen und weniger auf die Relativkraft (Verhältnis von Kraft zu Gewicht). Dann wäre die Gefahr nicht so groß, dass die Athleten über ihr Essverhalten zum Erfolg kommen; zudem wäre dem Zuschauer damit ein Mehr an Spektakulum geboten.
Solange es keine festen Trainerstellen gibt, wird der Erfolg immer im Fleiß und im Engagement des einzelnen Athleten liegen. Es ist unverzichtbar, dass ein Verband voll und ganz hinter dem Leistungssport Klettern steht.
Mountains2b: Vielen Dank, dass du dir Zeit zur Beantwortung der Fragen genommen hast. Wir wünschen dir viel Erfolg und Zufriedenheit bei deinen zukünftigen Felsprojekten!
Zurück