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Jürgen Reis im Interview (06/2004), Sportklettern

M2b Redaktion am 02.06.2004 - 12:10 Uhr

Jürgen Reis (13. August 1976) zählt seit vier Jahren zu den drei erfolgreichsten Wettkampfkletterern Österreichs. Zu seinen sportlichen Erfolgen gehört neben Siegen bei nationalen Wettkämpfen ein zehnter Platz beim Weltcup in Singapur 2002.
Wir sprachen mit dem 27-jährigen Dornbirner im Anschluss an den zweiten Weltcup der Saison in Imst (Tirol), bei dem er den 16. Rang erreichte. Mit diesem Ergebnis ist Reis "schwer zufrieden“.

Mountains2b: Jürgen, wie fällt Dein Fazit nach der zweiten Weltcupveranstaltung der Saison aus?
Jürgen Reis: Das war ein Wahnsinnsweltcup! Von einer vorbildlichen Organisation über perfekte Routen bis hin zu einer randvollen Halle und entsprechender Unterstützung durch ein sehr faires Publikum - ich bin nachhaltig begeistert.

Mountains2b: Am Ende steht für Dich Platz 16 - nach Singapur 2002 Dein zweitbestes Weltcupresultat insgesamt, Glückwunsch. Bist Du mit dem Ergebnis zufrieden?
Jürgen Reis: Danke. Ich bin schwer zufrieden! Qualitativ gesehen ist es für mich sogar das beste Ergebnis überhaupt, das ist mir in den letzten Tagen klar geworden. Denn in Imst waren sage und schreibe 70 Herren am Start, also wirklich alle Topathleten und Profis, die sich so im Weltcup tummeln. Vor zwei Jahren in Singapur waren dagegen nur etwa 50 Athleten gemeldet und das Leistungsniveau war sicher etwas niedriger. Insofern bewerte ich diesen 16. Rang tatsächlich noch höher: Sportlich gesehen schwebe ich momentan auf Wolke Sieben!

Mountains2b: Du bist als 26. in das Halbfinale eingezogen, das war knapp ...
Jürgen Reis: ... und wie! Ich habe in der Vorrunde Mist gebaut: Bis zu einem dynamischen Zug bin ich gut geklettert, dann aber habe ich mir mit dem kleinen Finger, der beim Griffansatz hängen geblieben ist, selbst den Weg zum Zielgriff blockiert - in dem Moment hatte ich das Halbfinale abgehakt. Manches Mal aber hat man Glück im Unglück: Nur noch ein Platz war für die nächste Runde frei, als einer der Favoriten, der Franzose Francois Auclair, plötzlich früher als ich aus der Wand gefallen ist; damit war ich eine Runde weiter.

Mountains2b: Wie bist Du in den zweiten Tag des Wettkampfes gegangen?
Jürgen Reis: Mit einem unheimlich guten Gefühl. Am Ende des ersten Tages war ich überhaupt nicht erschöpft, was nach meinen Erfahrungen im Weltcup eigentlich ein schlechtes Zeichen ist, beziehungsweise auf ein weniger gutes Resultat hinweist. Dieses Mal aber nicht: Ich war voll da und konnte mich im Halbfinale noch um zehn Plätze verbessern.

Mountains2b: Du hast von perfekten Routen gesprochen, bezieht sich das tatsächlich auf alle Runden?
Jürgen Reis: Ja, ich behaupte, dass in Imst vorher bei keinem großen Wettkampf derart gute Routen geschraubt worden sind. Allesamt waren das echte Ausdauerhämmer. Schon die Qualifikation verlief spektakulär: Die Einstiegsplatte bei den Herren war technisch höchst anspruchsvoll, es folgten Verschneidungen, eine Dachpassage und eine Abkletterpassage - einfach grandios gesetzt, sicher mit ein Grund dafür, dass das Publikum so gut drauf war: es gab einiges zu sehen.

Mountains2b: Wie war es denn, vor heimischem Publikum an den Start zu gehen?
Jürgen Reis: Herrlich! Die Halle war an beiden Tagen knallvoll. Im Halbfinale musste ich als dritter Starter am Sonntagmorgen um 09.30 Uhr ran - ich wurde frenetisch angefeuert und glaube, dass kein Platz mehr frei war. Aber auch alle anderen Athleten, auch die anderer Nationen, wurden lauthals unterstützt; wie gesagt: Das Publikum war sehr fair.
Und an dieser Stelle ist es sicher angemessen, zu erwähnen, dass Organisator Helmut Knabl einen perfekten Job gemacht hat: Ob Isolation, Startzeiten, Ehrungen - alles fand auf die Minute pünktlich statt.

Mountains2b: Was sagst Du zu den österreichischen Damen?
Jürgen Reis: Nichts, da bin ich sprachlos und verneige mich erst einmal respektvoll. Das war noch nie da: Doppelsieg und insgesamt fünf Athletinnen unter den ersten Zehn; unsere Damenmannschaft ist derzeit offenbar das, was Frankreich vor fünf Jahren war: die 'Grand Nation' beim Klettern.

Mountains2b: Danke, dass Du Dir die Zeit für das Gespräch genommen hast.


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