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Bouldern

jh am 19.03.2002 - 09:51 Uhr

Bouldern

Was ist Bouldern?
Hier eine trockene Definition: Bouldern ist seilfreies Klettern in Absprunghöhe.’
Profis wissen es schon lange: Beim Bouldern werden die grössten klettertechnischen Fortschritte erzielt, bei kaum einer anderen Kletterdisziplin kann man derart gut die Maximalkraft aufbauen und kletterspezifisch konditionelle und koordinative Fähigkeiten verbessern. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass sich das Bouldern in den letzten Jahren immer stärker zu einer eigenständigen Kletterdisziplin entwickelt hat. Das unbeschwerte Klettern ohne Seil und Gurt und viel Material erlaubt es dem Kletterer, sich voll auf die wesentlichen Aspekte der Kletterbewegung zu konzentrieren und neue Bewegungsabläufe zu erlernen: ein Mensch, ein Stein, eine Aufgabe.
Manche Kletterer betrachten das Bouldern als eine spielerische Variante des Kletterns, andere als reine Trainingsform für das Sportklettern, wieder andere sehen das Ausbouldern von ‚Problemen’ als Selbstzweck und zugleich Sportklettern in seiner ursprünglichsten Form.
Gemeinsam mit Freunden kann das auch noch ziemlich Laune machen. Aber auch, wer gerade keinen Kletterpartner zur Verfügung hat, kann mit Bouldern doch zu seinem Klettertag kommen.

Geschichte des Boulderns

Eine weitere wichtige Frage lautet. Wo fing alles an? Im Groben lassen sich dabei zwei Entwicklungen ausmachen. Denn das Bouldern wurde eigentlich gleich zweimal erfunden und zwar auf zwei unterschiedlichen Kontinenten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Bouldern einerseits in einem Waldgebiet nahe Paris, welches heute allgemein als Fontainebleau bekannt ist.
Da die Alpen doch ein ganzes Stückchen entfernt sind, ging man an den Wochenenden zum Klettern an die kleinen Felsen. Bald merkte man, dass mehr dahinter steht als nur Training für die Berge. Das Gefühl ein schwieriges Problem am Fels gelöst zu haben, kam dem eines Gipfelsieges auf einem Viertausender gleich.
Nach den Weltkriegen kehrte eine kleine Flaute ein, da durch das Auto die Alpen nun relativ schnell erreichbar waren. Doch die Entwicklung des Boulderns war nicht mehr aufzuhalten. 1947 wurde von Fred Bernick in Fontainebleau der erste Boulderparcours (= Aneinanderreihung von vielen Bouldern, die farblich markiert sind) eingerichtet. Bereits 1960 kletterte Michel Libert die erste 7a. Dann nach 25 Jahren fiel die erste 8a zugunsten von Jacky Godoffe. In den 80iger Jahren wurde von Jean Pierre Bouvier der Quergang als eine neue Variante des Boulderns ‚erfunden’. In den 90igern kam der Sitzstart hinzu.
Heute ist Fontainebleau wohl das bekannteste Bouldergebiet der Erde, aber es ist mehr als das. Es ist auch Ausflugsziel von Familien und sogar Schulklassen kann man hier beim bouldern beobachten.
Die zweite Bewegung nahm in den 50igern in Amerika ihren Anfang und ging allein von John Gill aus. John, der durchs Geräteturnen eine enorme Kraft mitbrachte, brachte das Bouldern durch die Etablierung dynamischer Bewegungen und durch den Einsatz von Chalk, in kürzester Zeit auf Topniveau. Viele waren von seinen Bouldern und Geschichten beeindruckt. So entstand eine regelrechte Welle von Nachahmern. Die Boulder-Generation in den Staaten war geboren.

Bouldern: Schwierigkeitsbewertung beim Bouldern

Die Bewertung eines spezifischen Boulderproblems ist noch schwieriger und subjektiver als bei Sportkletterrouten, da die Lösung eines Problems oft von einem einzigen Zug abhängt. Somit spielen physische Komponenten (Grösse, Gewicht, Reichweite, Kraft, ...) eine noch viel grössere Rolle. Dadurch geben die Bewertungsskalen nur eine ungefähre Beurteilung der Schwierigkeit. Zur Zeit existieren drei Bewertungsskalen für das Bouldern: die V-Skala von John ‚Verm’ Sherman, die B-Skala von John Gill und die Fb-Skala (Fontainebleau).
Aus den oben genannten Schwierigkeiten bei der Bewertung, gab es bei John Gills B-Skala nur drei Unterscheidungen, B1, B2 und B3. In der B-Skala wird die Schwierigkeit eines Boulders relativ zum generellen Niveau des Klettersports zu jeder Zeit wiedergegeben. So stellt B1 einen Boulder dar, der von der Schwierigkeit schwerer ist, als die schwerste Kletterroute seiner Zeit. B2 ist deutlich schwerer als B1, und B3 soll nur für Boulder vergeben werden, die nur von einem einzigen Kletterer geschafft wurden. Dadurch ist ständiges Abwerten erforderlich.
Im Gegensatz zur B-Skala ist die V-Skala nach oben hin offen und läuft zur Zeit von V0 bis V14.
Schließlich gibt es noch die traditionelle Fontainebleau-Bewertung. Dieser Skala liegt die normale französische Skala zugrunde, jedoch haben die Bewertungen für Touren nichts mit denen der Boulder gemein. So liegt sehr wohl ein Unterschied zwischen ‚7c’ und ‚Fb 7c’ (Fb 7c = 7c bloc) vor.
Ausserdem gibt es eine eigene Skala für Quergänge.


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