Herbstliche Wechselbäder für Andreas Bindhammer
AB am 21.01.2006 - 18:00 Uhr
Der Terminkalender 2005 war übervoll, jedes zweite Wochenende ein Wettkampf – kaum Zeit für's Klettern am Fels. Dennoch gelangen Andreas Bindhammer einige Routen inmitten all dieser Verpflichtungen.

Andreas Bindhammer bei der ersten Wiederholung von Sakrileg, 8c+, Rottachberg Deutschland
Bild: Wolfgang Ehn
Ein Klettertrip nach Andalusien sollte die Herbstsaison einleiten. Doch im Süden Spaniens dauert der Sommer bekanntlich etwas länger und so wurde die Begehung von "Kalliste", 8c, in Archidona bei 35°C zu einer mehr als schweißtreibenden Angelegenheit. Nach drei Akklimatisationstagen unter südlicher Sonne nahm Andreas all seinen Willen zusammen und kämpfte sich schwitzend, aber ohne Sturz durch die 40-Meter-Route.
Voller Motivation machte er sich auf die Suche nach neuen Herausforderungen – und fand sie in Form der Route "Carbunco" im gleichen Gebiet und ebenfalls mit 8c bewertet... Weniger ausdauernd, dafür umso kleingriffiger, mit einem schweren Boulder nach 15 Metern. Eine nicht gerade hautschonende Angelegenheit, bei Temperaturen, die konstant über 30 Grad Celsius lagen. Nach drei Klettertagen und einem regenerativen Tag am Strand – und mit Unterstützung einer willkommenen kühlen Brise – gelang es Andreas, sich auch durch die kleingriffige Passage zu beißen. Nach 20 weiteren Klettermetern war auch dieses Projekt geschafft.
In den wenigen Tagen vor und nach dem Weltcup in Marbella gelangen darüber hinaus noch eine 8b+ im dritten Versuch im Klettergebiet Villanueva, sowie eine 8a und eine 8a+ onsight im Gebiet Desplomilandia.




Andreas in Sakrileg, 8c+, Rottachberg, Deutschland
Bilder: Wolfgang Ehn
Zurück in heimatlichen Gefilden warteten sowohl tiefe Temperaturen als auch hochgesteckte Ziele auf den ambitionierten Kletterer. Kurz bevor das herbstliche Grau die Sonne umschloss, gelang Andreas doch noch das Highlight des Jahres – die erste Wiederholung von "Sakrileg" 8c+, wenige Monate zuvor von seinem Bruder Christian erstbegangen. Nach dem Aufenthalt in Spanien rückte der Einstiegsboulder plötzlich in den Bereich des Möglichen und es folgten noch einige Versuche bis in die finale Ausstiegspassage, bei der dann die nötige Maximalkraftausdauer fehlte. Am 25. September schien anfangs nichts zu klappen, aber nachdem die morgendliche Feuchtigkeit von den Griffen gewichen war, gelang unter lautstarker Anfeuerung der anwesenden Kletterer auch die letzte Passage.
Da im darauf folgenden Monat das Wetter hierzulande erfahrungsgemäß ungemütlich zu werden versprach, fasste Andreas nach dem Deutschlandcup in Leipzig ein anderes Ziel ins Auge: In Nizza gab es eine wunderschöne neue Linie – eine 30 Meter lange Sinterfahne, an der er schon im Frühsommer wegen Nässe gescheitert war, noch ohne Wiederholung. Die Form war gut, schon am zweiten Tag gelang die Route mit einem Hänger. Leider kehrte sich die erwartete herbstliche Trockenheit ins Gegenteil und ließ die Felsen Südfrankreichs und deren Routen sprichwörtlich durchspülen... Mangels Alternativen machte sich Andreas noch an die berüchtigte "7 p.m. Late Show", die sich bisher seinen Versuchen erfolgreich widersetzt hatte, eine kurze, extrem körperkräftige Route. Schon fast am verzweifeln – alle Routen des Gebietes waren inzwischen nass – gelang Andreas am 28. Oktober doch noch der Durchstieg.
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