Österreich und Spanien stellen die Rock Master 2008
M2b Redaktion am 09.09.2008 - 10:30 Uhr
Das Rock Master Festival im italienischen Arco ist legendär. Hunderte Zuschauer pilgern jedes Jahr zu den haushohen, 16 Meter überhängenden Kletterwänden, die vor der Bergkulisse am Gardasee von den Veranstaltern installiert werden. Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit: Bereits zum 22. Mal trafen sich die eingeladenen besten Kletterer der Welt, um die Rock Master 2008 zu ermitteln.
Ernst und Usobiaga siegen im Vorstieg
Nachdem Johanna Ernst bei ihren ersten beiden Weltcup-Starts auf Anhieb zwei Mal ganz oben auf dem Siegerpodest stand, geht ihre Siegesserie vor dem anstehenden Weltcups in Bern, Imst und Puurs unbeschadet weiter. Und das nach einem Mammut-Programm in den vergangenen Tagen: die 15-jährige Ausnahmeathletin wurde vor einer Woche in Sydney ungefährdet Jugend-Weltmeisterin der Jugend A und setzte sich im Anschluss direkt in einen Flieger nach Italien, um dort in eindrucksvoller Manier beide Routen des Wettkampfs top zu klettern. Die Power der Birgitzerin scheint grenzenlos. Insbesondere am ersten Tag war ihre Leistung überragend, als Ernst als einzige der zehn Starterinnen die Route toppte und sich den entscheidenen Vorsprung herauskletterte. Mit dem Sieg der Österreicherin scheint die Wachablösung um Damenklettern endgültig zu sein – das Frauenklettern hat eine neue Königin. Die bisher dominierenden Maja Vidmar (SLO) und die Championesse der letzten vier (!) Jahre in Arco, Angela Eiter (AUT), wurden im Jahr 2008 von Ernst deutlich distanziert. Vidmar, die sich sehr dünn und abgemagert präsentierte, und Eiter belegten die Plätze zwei, bzw. den geteilten dritten Rang. Insbesondere Eiter erwischte an Tag eins nicht ihren besten Tag, konnte sich aber durch ein erkämpftes Top in der After-Work-Session an Tag zwei auf den geteilten dritten Platz kämpfen. Mit ihr schaffte es noch Mina Markovic (SLO) auf das Podest, die ebenfalls die zweite Route toppen konnte. Es folgten Olga Shalagina (UKR), Yana Chereshneva (RUS), Barbara Bacher (AUT), Christine Schranz (AUT), Jenny Lavarda (ITA), Manuela Valsecchi (ITA).
Top-Begehung reicht Puigblanque nicht
Nachdem die Routensetzer Leonardo Di Marino und Donato Lella den Herren am ersten Tag eine Hammerroute vorgesetzt hatten, die keiner der neun Starter toppen konnte, musste die Entscheidung am zweiten Tag fallen. Tag eins ging an die Spanier: Der Weltcup-Gesamtsieger Patxi Usobiaga Lakunza führte vor Weltmeister Julian Ramón Puigblanque. Der einzige Deutsche im Wettbewerb, der die Ehre hatte, im Konzert der Großen mitspielen zu dürfen, war „Shorty“ Thomas Tauporn, der wie Johanna Ernst aus Sydney angereist war. Dort hatte er den Jugend-Weltmeistertitel nur knapp verpasst. In Arco fehlte ihm dann leider ein wenig die Kraft, am Ende wurde er Achter von neun Startern.
Am Tag zwei ging es also um alles. Zunächst gelang Jugend-Weltmeister Jakob Schubert (AUT) wieder mal eine bärenstarke Vorstellung. Vor begeisterten Zuschauern, die die Athleten ohne Kompromisse und voller Leidenschaft nach oben brüllten, fightete sich Schubert über eine Traverse bis neben den Top-Griff, musste dann aber loslassen. Im Anschluss schafften weder der tschechische Weltcup-Führende Tomás Mrázek, der am Ende aber vor Schubert Gesamtdritter wurde, noch die starken Magnus Midtboe (NOR) und Jorg Verhoeven die Höhe von Schubert. Schließlich war es an den Spaniern, den Sieg unter sich auszumachen. Zunächst ging Puigblanque an die Wand und kletterte wie entfesselt bis die Wand zu Ende war: Top-Griff! Die Menge stand Kopf, doch einer konnte ihm den Sieg noch streitig machen. Und Patxi Usobiaga Lakunza ließ seinen Dauerrivalen tatsächlich hinter sich. Wie sein Landsmann erreichte der Baske das Top und wurde Rock Master 2008!
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Sint Roc Boulder Contest: Fischhuber vor Lama
Beim Boulder-Contest des Arco Rock Master waren die Österreicher wieder einmal nicht zu schlagen. Vier Boulder galt es zu bewältigen, nach jedem Boulder wurde der schlechteste Athlet eliminiert. Dieses Schicksal traf zunächst Lucas Preti (ITA), dann schieden die anderen Italiener, Gabriele Moroni und Michele Caminati, aus. Am dritten Problem, einem Boulder mit einer Traverse zu einem zweiten Boulder, ging es Sean McColl und Akito Matsushima an den Kragen. Den letzten Boulder durften somit Kilian Fischhuber, David Lama und der überraschend starke Finne Nalle Hukkataival in Angriff nehmen. Und hier bewies Fischhuber, dass er gelernt hat, die Erdanziehungskraft auszuschalten. In einer unnachahmlichen Performance sicherte sich Kili den Sieg vor Lama und dem Finnen.
Bei den Damen blieb der Sieg ebenfalls in der Bouldernation Nummer eins Österreich. Katharina Saurwein lieferte sich einen Schlagabtausch mit der Top-Favoritin Anna Stöhr und blieb am Ende siegreich. Dritte wurde Maja Vidmar vor der Schwedin Angelica Lind.
Venezuela und Ukraine am schnellsten
Action pur gab es schließlich beim Speed-Contest der schnellsten Menschen der Welt – wenn es um den Vertikalsport geht. In einem spannende Finale setzte sich der Venezulaner Manuel Escobar durch: Er war mit einer Zeit von 7,71 Sekunden ganze zwei Hundertstelsekunden schneller als sein Finalgegner Maksym Styenkovyy (UKR) (siehe Videoclip). Dritter wurde der chinesische Weltrekordinhaber an der 10m-Wand Qixin Zhong. Bei den Damen siegte Olena Ryepko (UKR) vor ihrer Landsfrau Svitlana Tuzhylina und Anna Saulevich (RUS).
Ondra und Vidmar Arco Legends 2008
Einige der besten Kletterer und Kletterinnen der Welt waren für den Salewa Rock Award und den La Sportiva Competition Award nominiert. Am Ende wurden dem tschechischen Wunderkind Adam Ondra, der als 15-Jähriger durch spektakuläre Begehungen von einigen der schwersten Routen überhaupt auf sich aufmerksam gemacht hat, und der Weltcup-Gesamtsiegerin des Jahres 2007 Maja Vidmar die Ehrungen zu Teil. Ondra setzte sich dabei gegen klangvolle Namen durch, waren doch unter anderem Patxi Usobiaga und Chris Sharma nominiert. Vidmar erhielt die Ehrung für ihre sechs Weltcup-Siege im Jahr 2007, als sie das Wettkampfklettern bei den Damen wie nie zuvor dominierte.
Kritische Stimmen
Neben den sportlichen Leistungen und der gewohnt tollen Stimmung im Stadion gab es in diesem Jahr in Arco auch einige kritische Stimmen zum organisatorischen Ablauf der Veranstaltung zu hören – einige sprachen von "chaotischen Verhältnissen hinter den Kulissen" und für viele war auch die sehr kurzfristige Einladungspolitik des Veranstalters angesichts eines derzeit ohnehin sehr engen Wettkampfkalenders nicht nachvollziehbar.
In Kürze sehen Sie in unserem Videobereich weitere Clips zum Arco Rock Master 2008!