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Mt. Kenya 5200m

Walter Hölzler

Mt. Kenya

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Impressionen

Die drei Gipfel

Walter Hölzler

Walter Hölzler in den 80ern

Tannheimer Berge

Walter Hölzler am Sebenkopf

Kilimanjaro

Kilimanjaro

Reise: Mount Kenya (5.199 Meter): Ein Berg mit Geschichte

M2b Redaktion am 20.07.2007 - 12:00 Uhr

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, am 31. Juli soll es auf den Weg in die kenianische Hauptstadt Nairobi gehen: mit einem ausgesuchten Team will Walter Hölzler dann die schwierigste Freikletterroute am Äquator in über 5.000 Metern Höhe am Mount Kenya (5.199 Meter) entstehen lassen.

"Wenn alle Voraussetzungen passen und das Wetter mitspielt, könnten wir einen kleinen Meilenstein an einem der bekannten Weltberge setzen", so Hölzler über sein Projekt "African Skyline" 2007.

Weißer Schnee und schwarzer Fels
Das Mount Kenya Massiv erhebt sich über die zentrale Hochebene von Kenia und befindet sich etwa 95 Kilometer östlich des ostafrikanischen Grabenbruchs und 180 Kilometer nördlich von Nairobi. Aus der Ferne erscheinen die Gipfel Batian und Neilon wie ein weit entferntes Nest eines Vogels im Himmel zu schweben, oder - in den Worten des Wakambastammes, der ungefähr 200 Kilometer entfernt lebt - wie ein "Straußenhahn": auf sie wirkt der Kontrast des weißen Schnees vor dem schwarzen Fels des Mount Kenya wie ein schwarzweißes Gefieder. Nach dem Kilimandscharo ist er der zweithöchste Berg des afrikanischen Kontinents und der höchste Gipfel des Landes Kenia.

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Erloschener Feuerberg
Tiefe Kraterlöcher, die sich mit Seen angefüllt haben oder von den Eismassen der Gletscher überlagert sind, einige Lavaströme und mehrere zurückgebliebene turm- und pyramidenartige Gipfel, die bis zu 5.200 Meter hoch sind, zeugen noch von vulkanischer Tätigkeit und ehemaligen Berghöhen.

Während die weicheren oder poröseren Gesteine im Laufe der Jahrmillionen erodierten, blieben die harten Kerne recht gut erhalten. Weil der Vulkan über mehrere Jahrtausende nicht ausbrach und wissenschaftlichen Studien zufolge wohl auch nicht mehr das Potential für weitere Ausbrüche hat, gilt der Mount Kenya als erloschener Feuerberg.

Gipfel oberhalb der Schneegrenze
Das Mount Kenya Massiv, das etwa 90 Kilometer lang und 55 Kilometer breit ist, besteht in seinem Zentrum, das von Nord nach Süd etwa zehn Kilometer lang und von Ost nach West etwa 15 Kilometer breit ist, zumeist aus spitzzackigen Gipfeln, die majestätisch über der Landschaft von Zentral-Kenia thronen.

Das Massiv hat mit Batian (5.199 Meter ü. NN), Nelion (5.189 Meter) und Lenana (4.985 Meter) drei Hauptgipfel, welche die Namen wichtiger Massai-Häuptlinge tragen. Nahezu alle Gipfel des Zentralmassivs liegen oberhalb der Schneegrenze - die Regionen zwischen den höchsten Gipfeln des Massivs sind dauerhaft stark vergletschert. Weltweit gilt das Mount Kenya Massiv als einziger Ort am Äquator, an dem immer Eis und Schnee liegt.

Leuchtender Berg
Wie der Kilimandscharo nimmt der Mount Kenya in den einheimischen Überlieferungen einen verehrten Platz ein. Die einheimischen Kikuyu und Kamba das riesenhafte Mount-Kenya-Massiv "Kirinyaga" und "Kinyaa", was etwa "leuchtender Berg" bedeutet. Dies gab später auch dem Staat den englischen Namen Kenia.

Für die Kikuyu war der Berg der irdische Rastplatz des Schöpfungsgottes Ngai und stand im Mittelpunkt der Initiationszeremonien. Wenn die Kikuyu um Weisheit, Wohlstand oder Regen beteten, wandten sie sich dabei dem Mount Kenya zu. Eine Sage erzählt, wie Ngai die Erde erschuf, sie unter den Völkern der Welt aufteilte und einen Mann namens Kikuyu mit auf den Gipfel des Kenya nahm. Dort zeigte Ngai Kikuyu das herrliche Land am Fuße des Berges, das er erhalten sollte, und wies ihn an, zu einem Feigenbaum-Hain im Zentrum des Landes zurückzukehren. Kikuyu tat dies und fand dort eine Ehefrau. Die beiden bekamen neun Töchter, von denen jede die Urmutter eines der neun Kikuyu-Stämme wurde. Entsprechend gilt das Massiv nach wie vor als der Thron des "Ngai wa Kirinyaga“.

Erstbesteigung 1899
Die Kikuyu betrachteten den Schnee hoch oben am Berg als übernatürliche Substanz. Noch 1849 wurde der Bericht des deutschen Missionars Dr. Johann Ludwig Krapf, er habe in British East Afrika in Äquatornähe Schnee gesehen, in Europa als absurd abgetan. Als dann aber der schottische Geograph Josef Thomson 1883 die Existenz des Mount Kenya bestätigte, trafen alsbald die ersten Bergsteigerexpeditionen ein.

Die Erstbesteigung vollbrachte jedoch erst 1899 der Geograph Halford Mackinder, ein Wissenschaftler mit geringer Klettererfahrung. Mackinders Mannschaft - sechs Europäer und knapp 200 Träger - begegneten den größten Gefahren nicht auf dem Berg, sondern während des dreißigtägigen Anmarsches von Nairobi. Sie konnten zwar die Attacken ergrimmter Nashörner abwehren, verloren aber zwei Männer durch Angriffe feindlicher Stämme. Nach mehreren Versuchen waren Mackinder und seine beiden Bergführer schließlich am Batian, dem höchsten der Gipfel des Mount Kenya, erfolgreich, wobei sie auf dem steilen und technisch anspruchsvollen Gipfelstock eine komplizierte Fels- und Schneeroute ausarbeiteten mussten.

"Flucht ins Abenteuer"
Der Berg wurde erst dreißig Jahre später erneut bestiegen - von den berühmten englischen Bergsteigern Eric Shipton und Wyn Harris, die den Batian und erstmals auch den Neilon erklommen.

Den kuriosesten Besteigungsversuch unternahmen im zweiten Weltkrieg drei italienische Kriegsgefangene, die aus einem nahen britischen Lager geflohen waren, weil ihnen die Gefangenschaft zu langweilig wurde. Sie kündigten an, dass sie nach der Besteigung des Mount Kenya zurückkehren würden, was sie dann auch taten: mit Geschichten von Kämpfen mit wilden Tieren, steilen Schneewänden und schlechtem Wetter, doch ohne Gipfelerfolg im Gepäck. Das Buch von Benuzzi, "Flucht ins Abenteuer - drei Kriegsgefangene besteigen den Mt. Kenya", wird zu einem Klassiker der Bergsteigerliteratur.

Schwierigste Routen
Nach Kriegsende wuchs das Interesse am Mount Kenya. Viele schwierige Routen wurden eröffnet, unter anderem die "steilste und längste Eiskletterei Afrikas": die vierzehn Seillängen Route "Diamondcouloir" zum Tor des Nebels, dem Sattel zwischen Batian und Nelion.

Die bis zu 800 Meter hohen, zum Teil mit Eisrinnen durchzogenen Wände, bieten schwierigste Routen, die den Mount Kenya gleichwertig in die Reihe der anderen Weltberge stellen. In der Nordwand gibt es nur wenige Steileisformationen. Sie besteht weitgehend aus zahlreichen großen grau-braunen Felspfeilern, an denen sich einige der besten Alpinisten der Welt mit großartigen Kletterrouten verewigt haben.

Die Nordseite wirkt insgesamt düster und bedrückender, wohl auch weil das Lichtspiel fehlt, das für die Südwand so charakteristisch ist. Wenn man diese vom MacKinder Valley aus betrachtet, werden Batian und Neilon vom tiefen Einschnitt des Supercouloirs voneinander getrennt. Links von diesem liegt die spektakuläre Ostwand, die in ihrem Zentrum wegen ihrer Steilheit und Ausgesetztheit bisher jungfräulich und unerklettert blieb.

Anstrengendes Unterfangen
Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der tropischen Hitze, die vor allem in den tieferen und mittleren Gebirgsregionen dominieren, und der Kälte auf den Gipfeln, ist eine Ersteigung der Bergwelt schon auf den Normalwegen ein recht anstrengendes Unterfangen. Die "Normalwege" auf die beiden höchsten Gipfel, Batian und Nelion, von einem Hochlager auf circa 4.200 Metern, sind erstzunehmende Routen und nur mit fortgeschrittener Felsklettertechnik (UIAA Grad IV) zu bewältigen.

Trotz der beiden Trockenzeiten im Winter und Sommer rechnet man im Durchschnitt mit 250 Schlechtwettertagen am Kenya, die sich mit heftigen Schneefällen am Berg auswirken können.

"Dennoch sind wir sehr hoffnungsvoll und gespannt, ob wir uns in die legendäre Geschichte des Berges mit einem kleinen Kapitel einreihen dürfen", sagt Walter Hölzler vor dem Start. "Die Geschichte um den Berg fasziniert mich schon lange. Und gerade deswegen möchte ich an diesem landschaftlich so unvergleichlichen Felsberg eine schöne Kletterlinie hinterlassen..."

Quelle und weitere Infos
Walter Hölzler
www.walter-hoelzler.de


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