Zweite Wiederholung von "TripTik Tonik" (8c+) durch Andreas Bindhammer
M2b Redaktion am 20.09.2006 - 17:00 Uhr
Die von Cedric LoPicolo erstbegangene, kompromisslose Linie "TripTik Tonik" (8c+) verläuft an einer 30 Meter langen Sinterfahne durch einen 45 bis 60 Grad steilen Überhang und ist sicher eine der signifikantesten Erstbegehungen der letzten Jahre. Bezeichnenderweise erhielt die Route bisher nur eine einzige Wiederholung durch Alexandre Chabot. Weitere potentielle Wiederholer scheiterten unter anderem an der mittlerweile durch einen ausgebrochenen Griff erschwerten Schlüsselpassage.
Neuer Anlauf an der beeindruckenden 30 Meter-Sinterfahne
Schon im letzten Jahr machte sich Andreas Bindhammer auf mit dem Ziel, die Route wieder zu befreien, scheiterte aber an einem außergewöhnlich verregneten Herbst und nassen Griffen. Nach seinen Wiederholungen der noch ausstehenden Projekte im Allgäu - Illuminati 8c+, der Kombination Kreuzritter 8c (beide am Rottachberg bei Immenstadt), und der kurzen, aber umso schwereren Kraftakt XY 8c an der Kraftwerkswand bei Füssen - fühlte er sich reif für neue Ziele, und um einen neuen Anlauf an die beeindruckende 30 Meter-Sinterfahne zu wagen:
"Durch den trockenen August in Frankreich waren die Bedingungen in diesem Jahr deutlich besser als im Vorjahr, es gab kaum nasse Flecken an der Wand. Nach dem Ausbouldern der Passagen kam ich erst einmal zur ernüchternden Feststellung, dass ein für deutsche Verhältnisse gutes Maximalkraftausdauerniveau im Süden nicht weit reicht. Am zweiten Tag in der Route dann gleich der nächsten Dämpfer: der aufziehende starke Nebel ging in Nieselregen über, der in Kombination mit kräftigem Wind die gesamte Wand in ein nass glänzendes Schild verwandelte... - Keine Chance, auch nur einen Griff zu halten!
In den darauf folgenden Tagen wurde es zum Glück wieder trockener und auch die unter außergewöhnlichen Belastungen leidenden Daumen spielten allmählich wieder mit. Doch die durch den Ausbruch erschwerte Passage erwies sich trotz der immer weiter ausgefeilten Bewegungsabfolgen als ausgesprochen hartnäckig: geschlagene zwei Tage lang scheiterte ich an der gleichen Passage, aber konnte die Route fast immer von dieser Stelle aus durchziehen.
Kurz bevor sich Verzweiflung breit machen konnte, half ein aufkommender, trockener Wind etwas mehr als eine Woche nach unserer Ankunft, die Reibung so weit zu verbessern, dass ich den entscheidenden Zangengriff nach 12 Metern gerade noch so zwischen die Finger bekam, und mit der anderen Hand dazu schnappen konnte. Jetzt hieß es nur noch: konzentriert bleiben, keinen Fehler machen, Ruhepunkte ausnutzen und durchhalten..."
Nach dem Schwierigkeitsgrad der wieder befreiten Route befragt, meint Andreas:
"Für mich ist sie derzeit die schwerste 8c+ im Sektor Deverse. Die ersten zwölf Meter dürften etwa im Bereich 8c liegen, die darauf folgenden 15 Meter schätze ich auf 8b/b+, und es gibt nur einen verhältnismäßig schlechten Ruhepunkt in der Mitte der Route...
Aber Schwierigkeitsgrade hin oder her - TripTik Tonik ist eine der besten Linien, die ich jemals geklettert bin!"
Video-Teaser von Andreas Bindhammer's Begehung
Hier geht es zu einem Video-Teaser von Marc Coto, der Andreas bei der Begehung der Route gefilmt hat: Hier Klicken!
Der komplette Film und Aufnahmen vieler Spitzenkletterer in einigen der bekanntesten und schwersten Routen Europas erscheint übrigens 2007 auf DVD.
Aktuelle Infos zum Klettern in Frankreichs Südosten befinden sich auf der Homepage von Philippe Maurel unter www.nice-climb.com.