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Stephan Keck

Impressionen aus Nepal

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Nepalesischer Markt

Stephan Keck

Route auf den Everest

Expedition Everest: Stephan Kecks erste Tagebucheinträge

M2b Redaktion am 14.04.2008 - 08:59 Uhr

"Je länger ich Gäste auf 8000er führte, umso mehr fragte ich mich nach dem Sinn meiner Arbeit." Stephan Keck hat lange als Bergführer und Guide an den höchsten Bergen der Welt gearbeitet und will mit seiner Tour "Everest back to the roots" zu den Anfängen seiner alpinen Karriere zurückkehren. "Back to the roots heißt für mich zurück zu fairem Alpinismus. Ein Ziel nur mit Hilfe der Natur – und ohne Zusatz von technischen Hilfsmittel wie Sauerstoff - zu erreichen und vor allem mit dem nötigen Respekt der jeweiligen Kulturen und der Natur gegenüber." Nur mit der eigenen Kraft in den Bergen zu sein – ohne die Hilfe von Trägern – stellt für den Bergsteiger die ursprünglichste Konfrontation von Mensch und Natur dar. Für Mountains2b berichtet er von den ersten Tagen seiner Tour:

Montag, 07.04.08:
"Gegen 18 Uhr verlassen wir Kramsach. Die ganzen Bemühungen, das Satellitentelefon in Gang zu bringen, haben nichts genützt. Ich muss ohne E-Mail Funktion abreisen. Die Fahrt zum Flughafen ist wieder einmal flott gegangen. Auch das Einchecken war schnell vorbei und es gab keine Probleme mit dem Übergepäck. Es bleibt uns dann noch eine Stunde für die Verabschiedung. Wie immer ist dieser Moment nicht gerade der tollste. Zum 1. Mal weint Sina am Flughafen. Sie ist nun wohl groß genug, um gewisse Dinge zu verstehen. Nach 45 min bekommen wir noch einen Strafzettel von der Deutschen Polizei und somit wird die Verabschiedung abrupt beschleunigt. Nachdem die Familie auf dem Weg nach Hause ist, folgt eine extrem genaue Kontrolle des Handgepäcks und schon geht es ab in den Flieger. Nachdem die letzten zwei Tage sehr arbeitsintensiv waren und ich nie vor 1 Uhr ins Bett kam, kann ich im Flugzeug sofort schlafen. Ein Platz am Notausgang sorgt für den nötigen Komfort.

Dienstag, 08.04.08:
"Nach einem Zwischenstopp in Doha erreiche ich um 16 Uhr Kathmandu. Die Visa-Formalitäten werden gleich nach Ankunft abgewickelt, das heißt 30 US-Dollar bezahlen, zwei Zettel ausfüllen und ein Passfoto (das habe ich natürlich nicht dabei und so muss mein Skilehrerausweis daran glauben). Die Leute von Thamserku sind schon vor Ort und bringen mich ins Shangri La Hotel. Auf dem Weg ins Hotel wird mir gleich klar gemacht, dass ich morgen nicht weiterfliegen kann, da ich zum Briefing muss. Auch übermorgen geht nichts, da Wahlen sind und alles geschlossen hat. Man glaubt immer wieder viel zu viel und ich wehre mich wieder einmal zu wenig. Im Hotel angekommen, werde ich schon vom Assistant of Miss Hawley empfangen. Es folgt eine kurze Fragestunde und dann ab aufs Zimmer. Elise, mein Trekkinggast aus Holland wartet schon im Restaurant auf mich. Sie hat ein Everest BC Trekking gebucht und wird mich bis ins Basislager begleiten. Da es schon spät ist, essen wir im Hotel.

Mittwoch, 09.04.08:
Der Tag beginnt mit einem gemütlichem Frühstück im Hotelgarten. Um 9:30 Uhr fahren wir ins Office von Thamserku, wo wir zum 1. Mal Sonam treffen. Zuerst werden wir vom Sohn Namgil empfangen. Er macht mich darauf aufmerksam, dass drei Personen, die mit mir das Permit teilen, ausgefallen sind und dass die Regierung in so einem Fall 10 Tage braucht, um ein neues Briefing zu machen. Ausserdem sind morgen Wahlen und das heisst, das Büro für die Briefings ist von heute bis 5 Tage nach den Wahlen geschlossen. Ich mache ihn darauf aufmerksam, dass ich die Expedition in diesem Fall storniere. Sechs Tage verspätete Ankunft im BC würde bedeuten, erst am 22. April im BC zu sein. Vom 1. bis 10 Mai darf niemand über Lager 2, davor darf man zwar bis Lager 3, aber man darf da nicht schlafen. Die Satellitenkommunikation wird bis zum 10. Mai eingestellt bzw. es müssen alle elektronischen Kommunikationsgeräte beim Militär, das im Basislager und im Lager 2 Wache hält, abgegeben werden und als kleine Zusatzmotivation – es darf niemand über Lager 3 bis das Olympische Feuer mit den Chinesen am Gipfel war. Super Sache, die Regeln der Chinesen, die sich die Nepalis problemlos aufzwingen lassen. Nachdem ich Namgil meinen Standpunkt klar gemacht habe, ist auch Sonam im Büro aufgetaucht. Seine Version, warum ich nicht heute fliegen kann, ist dann wieder ganz anders – keiner im Büro weiß über unser Programm richtig Bescheid. Es wird erst einmal der Akt herausgeholt und dann müssen die Jungs nachlesen, was Sache ist. Da Thamserku als eine der besten Agenturen in Nepal gilt, möchte ich nicht wissen, wie andere Agenturen arbeiten. Was soll’s, nach einer 15 Minuten ist alles geklärt und es geht im Eiltempo zum Flughafen. Um 11 Uhr soll unser Flug nach Lukla gehen. Es ist mir schon beim Hinfahren klar, dass wir ziemlich spät dran sind und dass die Flugbedingungen zu Mittag meistens schlecht sind. Wir sind dann vier Mal zum Flugzeug gefahren und wieder retour in die Wartehalle bis der Flug dann um 15:30 Uhr aufgrund schlechter Flugbedingungen abgesagt wird. Also retour zum Hotel und einen Tag Pause. Ich kann nun wenigstens noch einmal einen Versuch starten, mein Thuraya Satellitentelefon in Gang zu bringen. Es ist auch da verwunderlich, wie es sein kann, dass ein € 1400.- teures Telefon über Tage gewisse Funktionen einfach nicht bringen kann. Meine Frau hat in den drei Wochen, in denen ich in Argentinien am Aconcagua war, versucht, das Ding einzurichten. Einmal hat es dann sogar funktioniert. Ich habe am Wochenende wieder mehrere Stunden damit verbracht, es funktionstüchtig zu machen. Inzwischen habe ich zwar von Thuraya International am Montag eine Hotline-Nummer erhalten und rufe nun täglich 2-3 Mal an, damit mein Problem gelöst wird – jedes mal heißt es, wir melden uns in der nächsten Stunde. Soviel zum Thema guter Service. Nun habe ich zwar ein Satphone, aber die Funktionen E-Mail, SMS und MSS kann ich mir im Moment noch denken – vielleicht schaffen wir es ja in den nächsten Tagen noch – Wunder sind nicht ausgeschlossen. Purna, mein Basislager-Boss und Koch ist zumindest schon unterwegs ins BC und bereitet da alles vor – das ist immerhin eine gute Nachricht. Nach den Telefonaten mit Thuraya, wieder einmal erfolglos, gehen wir in die Stadt nach Thamel zum Abendessen. Wenn man untertags die Metzgereien sieht, wird man hier schnell zum Vegetarier. Zurück im Hotel gibt es ein Vollbad, das letzte für die nächsten 7 Wochen.

Donnerstag, 10.04.08:
Da heute Wahlen sind, starten wir gemütlich in den Tag. Wieder ein Frühstück im Garten und dann ab zu den Sehenswürdigkeiten. Es ist wie angekündigt alles geschlossen und es gibt auch keine Taxis oder sonstigen Autos auf den Straßen. Nur Militär, Polizei und Rettungsautos sind unterwegs. Das macht aus unserer Tour eine weite Wanderung. Nachdem wir nach einer Stunde Marsch am ersten Tempel ankommen, müssen wir feststellen, dass die Pashupatinath Tempelanlage zum Wahllokal umfunktioniert wurde – dieser Tempel ist auf unserem Rundgang also gestrichen. Was soll’s, wir machen uns auf, quer durch die Stadt zum nächsten Tempel, Swayambhunath und versuchen da unser Glück. Mit Erfolg - wir können die Anlage fast für uns alleine besichtigen, da niemand unterwegs ist. Um 15 Uhr erreichen wir wieder unser Hotel. Da wir morgen früh um 5 Uhr zum Flughafen fahren, wird das Gepäck nun noch einmal umgepackt und wenn morgen alles nach Plan geht, werden wir uns auf die erste Etappe zu Fuß von Lukla nach Namche machen.

Freitag, 11.04.08
Heute stehen wir sehr früh auf. Um drei Uhr reißt mich der Wecker aus dem Schlaf, schnelles Packen, Frühstück wie immer, aber nicht im Garten und dann müssen wir bis 5:30 Uhr auf unseren Helfer Pasang von Thamserku warten. Die Fahrt zum Flughafen geht schnell und schon stehen wir mit ca. 100 Leuten in der Schlange. Die Gepäckabfertigung ist mehr oder weniger eine Alibi-Sache und auch der Security Check ist nur oberflächlich. Zum Glück, so kommen wir schnell voran und sind schon um 6:30 Uhr im Flugzeug. Die Fluglinie Yeti Air gibt es noch immer und auch die Maschinen sind noch immer gleich alt. Zum Glück dauert der Flug mit der Bruchkiste nur eine Stunde. Die Landung in Lukla ist was ganz Besonderes. Die Landebahn ist so kurz, dass man es fast nicht glauben kann, dass hier überhaupt Flugzeuge landen können. Man landet gegen den Berg und die Landebahn geht nach oben, ein ganz neues Erfolgsgefühl, wenn man heil aus der Kiste steigt. Wir halten uns noch ca. einer Stunde in Lukla auf bis wir unsere Träger und den Guide haben und dann geht es endlich los und wir können die ersten Meter zu Fuß zurücklegen. Der Weg geht entlang eines V-Tales durch viele kleine Ortschaften. Wir überqueren x-mal schwindelerregende Hängebrücken über den Dudh Koshi River. Die Menschen auf dem Weg sind nicht wirklich freundlich, aber das verwundert mich nicht. Ich wäre in deren Situation auch nicht mehr freundlich, wenn täglich mehrere hundert Touristen durchs Dorf laufen. Für die 16 Kilometer und rund 1000 Höhenmeter auf und ab benötigten wir mit Mittagspause sechs Stunden. Gegen 15 Uhr erreichten wir Namche Bazar auf 3450 Meter, von unserem Guide und den Trägern ist weit und breit keine Spur. Ich beschließe, noch einmal retour zu gehen, da es in der Zwischenzeit zu regnen begonnen hat. Da ich mein Gepäck natürlich nicht wasserfest verpackt habe, muss ich zum Schutz des PC´s noch einmal retour. Nach ca. 400 Höhenmetern Abstieg treffe ich auf unseren Guide. Er erklärt mir, dass alles wasserfest verpackt wurde, dann geht es wieder retour nach Namche. 1 ½ Std. nach meiner zweiten Ankunft und nachdem wir Tee und Popcorn bekommen haben, tauchen dann auch unsere Träger auf – das Gepäck ist natürlich nicht wasserfest verpackt. Nun ist alles da, der Regen war nicht so stark und es ist alles trocken. Wir sitzen in der gemütlichen Stube mit zwei anderen Touristen und warten auf das Abendessen. Ich werde nun noch einen Versuch starten, die ersten News per Internet Cafe nach Hause zu schicken. Die nächsten News folgen dann hoffentlich aus dem Basislager – falls das Thuraya Satellitentelefon bis dahin funktioniert und die Chinesen das Netzwerk nicht schliessen oder schon geschlossen haben.


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