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Vulkan Maipo (5.280 Meter)

Bergsportschule BERIE

Anmarsch zum Vulkan Maipo (5.280 Meter)

Aufstieg zum Camp II des Maipos

Basislager des Maipots auf 3.200 Metern

Beni mit Flagge

Beni mit Matetee

Büssereis (Penitentes)

Maipo - Camp I

Jeeps - im Hintergrund der Vulkan Maipo

Gletscher am Maipo

Lamas (Guanacos)

Hermann Berie

Puente del Inca

Expeditionsbericht von Hermann Berie: Aconcagua (6.962 Meter) - Teil 1

M2b Redaktion am 10.04.2007 - 11:05 Uhr

Hermann Berie ist als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer Inhaber der Bergsportschule BERIE in Schaffhausen, und leitet seit vielen Jahren verschiedenste Expeditionen und Trekkingtouren. Vom 06. bis 28. Januar 2007 war er mit sieben internationalen Teilnehmern auf Expedition zum 6.962 Meter hohen Aconcagua in Argentinien unterwegs.

Expeditionsbericht
Im Anschluss an die Expedition zum Aconcagua hat Hermann Berie einen Expeditionsbericht verfasst, den wie Ihnen in der Folge in drei Teilen präsentieren.

-> Einführung
-> Teil 1
-> Teil 2
-> Teil 3


Teil 1

Vamos a la playa - Santiago de Chile
Bevor wir unsere Häupter in den kühlen Humboldtstrom an der sonnigen Pazifikküste von Valparaiso bei Santiago de Chile tauchen können, würden wir erst den höchsten Berg Amerikas erklimmen müssen... so sind unsere Gedanken beim Flug, ganz mit luftigen Höhen beschäftigt, als wir im südamerikanischen Sommer in Chile landen. Hier tobt der Sommer und die Stadt ist angenehm ruhig, da viele Chilenen jetzt nach den Feiertagen die "Playa" bevorzugen.

Wir sind wieder eine internationale Mischung aus Bergsteigern mit Schweizern, Deutschen, Holländern und einem U.S.-Amerikaner - fast alle kennen sich vom Vorbereitungstraining in Saas Fee, als wir im Herbst das "Hochlagerleben" simuliert haben. Der jüngste Teilnehmer, unser "Benjamin", der auch im richtigen Leben Benjamin heißt, ist noch ganz neu im Team BERIE - wir sind noch nicht zusammen geklettert - aber dass er fit ist, der junge sympathische Bergsteiger aus Sennwald, wird er mir noch in den nächsten Wochen deutlich vor Augen halten...

Über die Anden nach Argentinien
Durch die sonnendurchfluteten Weinberge und Aprikosenhaine geht unsere Fahrt hinauf nach Portillo in die Andenkordillere, hinauf an die Grenze zwischen Chile und Argentinen, wo im Südwinter auf meterhohem Schnee Ski gefahren wird. Liftanlagen und Gondeln stehen jetzt in der Hitze des Andensommer nackt und verlassen neben der Andenstrasse im Schotter.

Und wir stehen zum ersten Mal vor der Kulisse unseres Traumberges, machen erste Fotos von der imposanten Südwand des Aconcagua bei "Puente del Inca". Der Wind bläst kräftig in die Haare, als wir das schwefelgelbe Naturwunder der Brücke mit dem verfallenen Badehaus bewundern, und unsere bleichen Wintergesichter an der Hochsommersonne röten lassen. Wir sind hier in Chile richtig im Süden - auf der Höhe von Kapstadt, und es ist Sommer. Aber wir fahren weiter, dieses Mal ohne in den heißen Quellen von "Puente" gebadet zu haben, vorbei am Aconcagua, hinunter nach Mendoza zu Wein und riesigen Lomo-Steaks.

In der "Pampa" - Mendoza und Vulkan Maipo
Neben den Steaks, dem Wein und dem südländischem Ambiente, gibt es in Mendoza vor allem eines: die Permits und damit die Erlaubnis, den Aconcagua besteigen zu dürfen. Nur hier in der Stadt der Gauchos und Winzer gibt es das Büro dafür - erfreulich für Hotels, Restaurants und Sportläden, welche die hungrigen Bergsteiger aus aller Welt gerne versorgen. Wer diese Steaks von den Ausmaßen eines halben Ochsen "bezwingen" kann, kommt sicher auf jeden Gipfel...

Argentinien ist groß, und eine abenteuerlich, staubige Fahrt in Landrovern bringt uns nach Süden zum Nationalpark um die Laguna und den Vulkan Maipo. Ein perfekter Vulkankegel spiegelt sich da in dem glasklaren Wasser, davor blühen Blumen in kräftigem Magenta und - es liegt noch reichlich Schnee auf den Südhängen. Hier auf der Südhalbkugel ist alles umgekehrt, die Südhänge sind hier die kalten "Nordwände". Die Laguna auf über 3.200 Metern Höhe ist beliebt zum Fischen, und unsere Gruppe verzehrt zur Begrüßung erst mal ein Asado - am offenen Feuer gegrilltes Fleisch und Würstchen, das wieder aufgrund der Menge mit reichlich Rotwein hinunter gespült werden muss.

Zum Vulkan Maipo
Bestens geeignet zum Akklimatisieren an die große Höhe und durch die Lage unheimlich reizvoll ist die Tour zum Gipfel des Vulkan Maipo auf 5.280 Meter. Endlos flach zunächst, dann immer mehr ansteigend, steigen wir höher. Unser chilenischer Begleiter Sebastian schwärmt von Skitouren an den Nachbarbergen, die er im südlichen Frühjahr (Oktober) hier unternommen hat. Sebastian ist leidenschaftlicher Kletterer und liebt seine Andenberge über alles. In Kürze geht er wieder in Patagonien im Fitz-Roy-Massiv kraxeln.

Wir errichten an einer winzigen, glasklaren Schmelzwasserlagune unser erstes Hochlager. Es ist windstill und sonnig, sobald die Sonne sinkt wird es frostig auf 3.780 Meter-Höhe. Die kleine Schmelzwasserpfütze verwandelt sich dann rasch in eine Eisfläche, und keiner der Bergsteiger hat mehr das Bedürfnis nach einem erfrischenden Bad. Empfindlich kalt ist auch der Gang "in die Büsche", die hier leider nicht vorhanden sind. Ein großer Block, möglichst wind- und sichtgeschützt, muss als Ersatz herhalten.

Die Tore von Mordor
Wir werden keine Orks jagen heute, wie die Helden des Kinohits "Der Herr der Ringe" - aber wir fühlen uns ein wenig wie der Hobbit Frodo und seine Begleiter, als wir über pechschwarze, glatt polierte Lavablöcke Richtung Hochlager II auf etwa 4.300 Meter steigen. Die Tour ist noch ein echter Geheimtipp, die Argentinier und Chilenen vertreiben sich schon eher die Zeit beim Fischen an der Laguna, als auf den wunderschönen Vulkan zu steigen.

Unterhalb von großen Büssereisfeldern (Penitentes) finden wir einen dürftigen Bachlauf und auch sandige Plateaus zwischen den Felsen zum Aufstellen der Zelte. Einige hundert Meter entfernt leuchten wieder bunte Punkte im schwarzen Lavafels - das argentinische Militär ist unterwegs zum Ausflug auf Gipfeltour mit "Zivilausrüstung". Dass wir schon deutlich über dem Staub der Pampa zelten, bemerken wir nicht nur an den atemberaubenden klaren Lichtspielen über der Laguna beim Sonnenuntergang - der Puls ist höher hier oben, auch wenn sich die Bergsteiger nur im warmen Schlafsack umdrehen und dem ersten Gipfeltag entgegen schlummern.

Kokablätter und Gipfelbuch
Verschwitzt stehen wir in der Scharte am Rand des flachen Kraters, den ein blendend-weißer Gletscher bedeckt. Den Gipfel sehen wir auf der Ostseite des Kraterrandes. Kraterrand ist übertrieben, nur noch Reste des Konus ragen wie die Seitenwände eines zerbrochenen kariösen Backenzahnes in den tiefblauen Andenhimmel.

Der Aufstieg am frühen Morgen war unterhaltsam und schweißtreibend - das kurze Eisfeld am Beginn der langen Blockfelder erforderte die höchste Kunst der Spreiz- und Klettertechnik, um beim Überklettern der scharfkantigen Eiszacken nicht "heilige" Körperpartien zu gefährden. Diese Penitentes (Büssereisfelder) gibt es in den Alpen nicht, da die Sonne zu flach ist. Hier in Südamerika und im Himalaya machen solche Eisfelder aus oft brusthohen, scharfen und eisigen Schneezacken dem Bergsteiger das Leben schwer, oder sorgen für allerhand Witzeleien.

Mit Steigeisen laufen wir über den Kratergletscher zum Beginn des Gipfelgrats. Ein leichter Felsgrat führt noch in ganz einfacher Kletterei auf den höchsten Punkt - bald ist die ganze Gruppe oben. Das Militär ist auch schon da, wir gratulieren uns gegenseitig - die "Andinisten" und die "Commandantes" - und freuen uns gemeinsam an der Aussicht bis zum Pazifik irgendwo dort unten Richtung Santiago.

Wir sind auf der Grenze zu Chile und haben alle den Gipfel erreicht. Für den ermatteten Wanderer hält das Gipfelbuch noch ein paar Kokablätter bereit, damit die Tour hier nicht unfreiwillig endet. Auch in Bolivien habe ich erlebt, dass Bergsteigerkollegen anstatt isotonischer Getränke lieber die belebenden Blätter kauen, und sich so Durst, Hunger und Kälte entziehen.

Sommer und Steaks
Wegen der notwendigen Akklimatisation für den fast 7.000 Meter hohen Aconcagua schlafen wir nochmals hier oben auf über 4.000 Meter Meereshöhe. Beim Abstieg zum Camp an der Laguna laufen wir durch die flachen Ausläufer des Vulkans in der Hitze des Südens. Uns erwarteten die argentinischen Helfer mit Früchten, Wein und den hervorragenden argentischen Fleischgerichten. Ist das eine Fatamorgana, oder sind wir gleich am Wasser? Die Hitze macht sich bemerkbar, nicht nur im Gehirn - die Funktionswäsche aus Wolle oder Synthetik entwickelt eine eigene Note und längst sind die Dusche und eine Rasur überfällig.

Staubig ist die Fahrt zurück nach Mendoza, vorbei an Weingärten durch das Uco-Tal zur Hauptstadt der Andenprovinz. Aber wir sind gerüstet, haben in einer Reisetasche noch kühles Dosenbier aus Santiago entdeckt. Duschen, weiches Bett - nach den ersten Hochlagernächten genießt der mitteleuropäische Bergfreund die Segnungen eines Hotelzimmers. Wir erfrischen uns abends beim köstlichen Malbec-Wein, genießen die größten Steaks der Welt und die angenehmen Sommertemperaturen bis weit in die Nacht.

Weitere Infos
Hermann Berie
Lochstrasse 58
CH-8200 Schaffhausen

Web: www.berie.ch

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