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Gipfeltag - auf 6.300 Metern

Bergsportschule BERIE

Aconcagua Südwand

Aconcagua (Sicht vom Plaza Mulas)

Aufstieg zum Camp II des Aconcaguas

Benjamin Höin vor dem Gipfel des Aconcaguas

Aufstieg zum Camp II des Aconcaguas

Auf dem Gipfel des Aconcaguas (6.962 Meter)

Gipfeltag - auf 6.100 Metern

Klaus Bühler vor dem Aconcagua

Klaus Bühler vorne

Martin Wanner

Expeditionsbericht von Hermann Berie: Aconcagua (6.962 Meter) - Teil 3

M2b Redaktion am 10.04.2007 - 11:15 Uhr

Hermann Berie ist als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer Inhaber der Bergsportschule BERIE in Schaffhausen, und leitet seit vielen Jahren verschiedenste Expeditionen und Trekkingtouren. Vom 06. bis 28. Januar 2007 war er mit sieben internationalen Teilnehmern auf Expedition zum 6.962 Meter hohen Aconcagua in Argentinien unterwegs.

Expeditionsbericht
Im Anschluss an die Expedition zum Aconcagua hat Hermann Berie einen Expeditionsbericht verfasst, den wie Ihnen in der Folge in drei Teilen präsentieren.

-> Einführung
-> Teil 1
-> Teil 2
-> Teil 3


Teil 3

Von Hochlager zu Hochlager
Lager I auf knapp 5.000 Metern - wunderschön sonnig gelegen mit viel Platz für die Zelte und eigener "Wasserversorgung" dank Eisfeldern mit Rinnsalen ganz ohne Sedimente und Sand.

Wir spannen die Zelte besonders fest mit extra großen Steinen - der Wind nimmt täglich an Stärke zu. Ein Bergsteiger aus Neuseeland hat sich wohl oben auf Lager II zu lange im Wind und dünner Luft aufgehalten - erschöpft, und nicht mehr in der Lage alleine ins Basislager abzusteigen, bleibt er vor unseren Zelten liegen. In den letzten Jahren habe ich immer wieder Szenen wie diese beobachtet - an den technisch weniger anspruchsvollen hohen Bergen werden Akklimatisationszeiten nicht eingehalten oder unerfahrene Kletterer steigen zu schnell in die Höhe... der Rettungsdienst der Parkranger hilft in diesem Fall aber schnell mit Notsauerstoff und lässt den Patienten vom "Plaza Argentina" gleich mit dem Helikopter ausfliegen.

Viento Blanco - oder "vom Winde verweht"
Der Wind hat noch mehr zugenommen, es ist ungemütlich aus dem warmen Schlafsack und dem Zelt ins Freie zu kriechen, um Wasser für den Tee zu holen. Wir bleiben hier unten knapp unter 5.000 Metern, steigen erst übermorgen weiter auf Lager II, wo wir schon Ausrüstung deponiert haben.

Unausgeschlafen und mit vom Wind blank gelegten Nerven steigen andere Gruppen vom Lager II wieder ab - nichts wie raus aus dem eisig-kalten Jetwind dort oben, alle Gipfelambitionen sind in solchen Momenten "vom Winde verweht". Verweht sind auch bereits einige Zelte von Nachbargruppen - oft bleibt nach ein paar Stunden Dauerwind nur noch ein flacher Haufen an Gestänge und Nylonhaut übrig.

Ich habe für meine Gruppe noch einen Reservetag eingeplant, so haben wir einen "Joker", um den Gipfel und die Überschreitung anzugehen - der Wind soll laut Wetterbericht gegen Wochenmitte langsamer werden. Jetzt bei Windgeschwindigkeiten mit über 80 Kilometern pro Stunde und gefühlten Temperaturen weit unter minus 20 und 30 Grad Celsius ist an ein Gipfelglück nicht zu denken...

Erst am Dienstag, nach zwei Nächten auf Lager I, beschließen wir ins Lager II auf 5.830 Meter am Polengletscher aufzusteigen. Der Wind lässt nach, aber das Wasser an dem Schmelzwasserteich ist zu dickem Eis gefroren, und nur mit dem Eispickel können sich die Bergsteiger bis zum flüssigen Nass durcharbeiten.

Gipfeltag - hasta el Cumbre!
Wir steigen wieder gemeinsam weiter - auch die letzten zwei Teilnehmer sind mit unserem chilenischen Begleiter Sebastian über das steile Schneefeld hinterher gekommen. Spannend und ironisch war der Start morgens um 06:00 Uhr - eigentlich wollten wir gemeinsam los laufen, aber zwei Gruppenmitglieder haben prompt "verschlafen"! Am Gipfeltag... trotz Wecken um 04:00 Uhr. Nachdem der Wind morgens nicht mehr so wütend am Zelt gerüttelt hatte, waren beide wieder friedlich eingeschlummert.

Der Schnee ist durch Kälte und Wind sehr hart gepresst, wir haben deshalb alle die Steigeisen angezogen und sind noch in der Dämmerung mit Stirnlampen vom unteren Ende des Polengletscher losgestiegen. Wir sind unterwegs Richtung Gipfel - der Wetterbericht sagt für heute optimale Verhältnisse mit wenig Wind voraus.

Schon in der Nacht haben wir begonnen, das eingefrorene Wasser vom Vortag zu schmelzen, damit wir genügend Flüssigkeit für Frühstück und den langen Weg zum Gipfel haben. Bei minus 23 Grad Celsius sind langsam alle Gaskartuschen aufgebraucht.

Die Luft wird spürbar dünner und bleibt auch trotz Sonne frisch. Nach den "Piedra-Negras"- Felsen trifft unsere Route auf den Normalweg vom anderen Basislager "Plaza Mulas" auf der Westseite des Berges. Die Hüttenruine vom Lager "Indepencia" liegt schon auf 6.400 Metern, als wir dort eine Trinkpause einlegen. Wir steigen durchs "Gran Acerreo", einem riesigen steilen Geröllfeld, und machen eine ausgiebige Pause vor der berüchtigten Canaleta.

Einer meiner Teilnehmer nutzt die Gelegenheit, um sich noch kurz zu übergeben - nicht mehr unbedingt als Zeichen von Höhenkrankheit, doch die Anstrengung macht sich zunehmend bemerkbar.

Durch die Canaleta zum Gipfel
Die Canaleta ist das letzte anstrengende Hindernis vor dem Gipfel, eine sehr steile Flanke mit Geröll und Schnee auf den letzten 400 Höhenmetern, die noch einmal vollen Einsatz verlangt.

Aber jetzt nach dem Neuschneefall, können wir auf einer angenehmen festen Schneerampe höher steigen. In kurzen Abschnitten arbeiten wir uns Richtung Felsgrat zwischen dem Süd- und Nordgipfel hoch, schauen auch auf die atemberaubend steile Südwand.

Alle 20 bis 30 Schritte stützen sich alle über die Skistöcke und erholen sich laut keuchend. "Salamitaktik", wie für 8.000er Gipfel, und es funktioniert wie gewohnt bestens! Martin Wanner, der Schaffhauser Ausrüstungsberater und unser jüngster Teilnehmer, Benjamin Höin aus Sennwald, winken bereits vom Gipfel. Endlich stehen am frühen Nachmittag gegen 15:00 Uhr alle Bergsteiger meiner Gruppe auf dem Dach von Südamerika. Wir haben es geschafft und sind überglücklich!

Hasta siempre
Der atemberaubende Blick in die 3.000 Meter hohe eisige Südwand, das Gefühl auf dem höchsten Punkt Amerikas zu stehen und die Freundschaft im Team während der mehrwöchigen Reise brennen sich zu unvergesslichen Augenblicken ins Gedächtnis ein. Wir sind unheimlich müde, aber zufrieden - ich bin innerlich froh, dass es alle bis zum Ziel geschafft haben. Die Tour hat uns alle angestrengt und der Körper lässt seinen Emotionen freien Lauf - gestandene Männer liegen sich mit Freudentränen in den Armen und wir schwelgen in einem Gefühl, es gemeinsam durch gestanden zu haben. Können wir glücklicher sein? Deshalb stehen wir hier oben!

Im Galopp nach Santiago
Melancholische Tangoklänge - ältere Damen in aufreizender Bekleidung wiegen sich in den Armen eleganter Tänzer: Santiago de Chile kurz nach Mitternacht.

Heute sind wir auf dem Rücken von Mulis und Pferden 32 Kilometer ins Tal geritten, wir spüren noch ganz deutlich den wunden Hintern. Weil wir unsere Reservetage für den Gipfel genutzt haben, wollten wir möglichst rasch vom Basislager absteigen und sind so in den Genuss dieses letzten Abenteuers gekommen. "Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde"... wir spüren nach dem Ritt jeden Muskel und werden wohl wie die Cowboys von der Gangway in Zürich Kloten laufen?

Vorsichtig haben sich die Bergsteiger den langbeinigen Mulis anvertraut und als unerfahrene Reiter so manches Stoßgebet zum Himmel geschickt. Unglaublich, wie trittsicher die Vierbeiner über Moränen, Geröll und den reißenden Horcones-Fluss balancieren.

Die Busfahrt hinunter ins grüne warme Tal von Santiago ist schon Vergangenheit, als wir bei Tangoklängen und Merlot-Wein endlich auf Klaus Bühlers Geburtstag und unsere erfolgreiche Tour anstoßen können!

Weitere Infos
Hermann Berie
Lochstrasse 58
CH-8200 Schaffhausen

Web: www.berie.ch

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