Der Lebensraum der Eisbären ist durch den Klimawandel bedroht
Grönland Transversale 2006 - Inlandeis ist überquert!
M2b Redaktion am 09.06.2006 - 12:00 Uhr
Das grönländische Inlandeis ist überwunden! Nach 23 Tagen der reinen Inlandeisüberquerung sind Martin Hülle, Georg Sichelschmidt und Johannes Lang am Meer der Westküste angekommen. Die Expedition ist damit allerdings noch nicht zu Ende, da nun noch der Marsch durch das Küstengebirge bis zum Ort Ilulissat bevor steht...
Expeditionstagebuch
Freitag, 02. Juni - 68°45'33''N 45°38'00''W:
Um 04:00 Uhr klingelt der Wecker. Wir wollen den am Vormittag meist stärkeren Wind zum Segeln nutzen und stehen daher heute so früh auf. Kurz nach 06:00 Uhr segeln wir los. In den ersten anderthalb Stunden fahren wir mit hoher Geschwindigkeit - die aufgehende Sonne im Rücken - schon 31 Kilometer weit. In der zweiten Segeleinheit nimmt der Wind an Stärke zu und treibt uns mit maximal 13 Metern pro Sekunde an. Bei dieser hohen Windgeschwindigkeit wird es immer schwieriger die 16 Quadratmeter großen Parawings zu kontrollieren. Wir segeln voll konzentriert, aber trotzdem stürzen Martin und Johannes mehrfach. Leinen reißen und verknoten sich. Nach 53,6 Kilometern reparieren wir über insgesamt neun Stunden die Parawings. Der Tag, der so verheißungsvoll begann, endet im Frust.
Samstag, 03. Juni - 69°14'35''N 47°28'37''W:
Der Tag beginnt wie ein normaler Segeltag. Der anfangs mäßige Wind nimmt jedoch an Stärke zu und er dreht so weit, dass die Handhabung der Parawings bei Seitenwind und hoher Geschwindigkeit immer schwieriger wird. Nach mehreren Stürzen bricht an Martins Pulka das Zuggestänge - nach einer Reparatur geht es jedoch mit rasantem Tempo weiter. Wir segeln merklich abwärts und treffen im stufigen Gelände des Inlandeises auf die ersten Gletscherspalten. Nach 91 Kilometern - unserem Tagesrekord - sind wir der Abstiegszone vom Eisplateau sehr nahe gekommen.
Sonntag, 04. Juni - 69°19'19''N 48°17'07''W:
Nun sind es nur noch weniger als 100 Kilometer bis zum Rand des Inlandeises. In großen Wellen fällt das Eis zur Küste hin ab. An manchen Stellen stoßen wir wieder auf Gletscherspalten, die wir aber weitläufig passieren. Auf 33 Kilometern Strecke verlieren wir heute weitere 300 Höhenmeter und sind nur noch etwas über 1.400 Meter hoch. Da wir in dieser Woche dank des Windes und der Parawings gut voran gekommen sind, werden wir den zwar zeitaufwendigen und anspruchsvollen Abstieg und Weiterweg nach Ilulissat in Angriff nehmen. So wollen wir versuchen diesen Ort aus eigener Kraft zu erreichen. Aus der Gegend gibt es keine detaillierten Karten, daher ist es momentan noch ungewiss, wie viel Zeit wir für die Strecke benötigen werden.
Montag, 05. Juni - 69°25'22''N 49°23'31''W:
Der Kreis schließt sich. Vor einer Woche kam der Wind und seitdem sind wir in den letzten Tagen nur mit den Parawings gesegelt. Heute legte sich der Wind jedoch im Laufe des Tages komplett und unsere Segel wanderten zurück in die Pulka-Schlitten. Wir sind dann noch einige Stunden gelaufen und haben insgesamt 44,7 Kilometer geschafft. Bis zum Land, welches sich stellenweise erstmalig wieder am Horizont zeigt, sind es nur noch gute 25 Kilometer. Die Sonnenstrahlen brennen vom Himmel - ein guter Schutz ist dagegen unverzichtbar!
Dienstag, 06. Juni - 69°26'37''N 50°07'55''W:
Wir erreichen den Gletscher, über den wir vom Inlandeis absteigen. Alle Spalten sind noch solide verschneit und wir können ohne Seilsicherung laufen. Wir stoßen hingegen auf zahlreiche Schmelzwasserbäche, die unsere Route kreuzen und die wir durchqueren müssen. Die Ski tauchen unter und selbst mit den Schuhen stehen wir bis über die Knöchel im Wasser - Waten durch Gletschersumpf. In zehn Stunden schaffen wir dennoch 33 Kilometer und das Festland liegt nun zum Greifen nah vor uns. Unser Zelt steht inmitten eines Panoramas aus Eisbrüchen und den Bergen der Westküste.
Mittwoch, 07. Juni - 69°20'54''N 50°23'11''W:
Wir haben das grönländische Inlandeis überquert! Im Laufe des Tages steigen wir über den Gletscher Sermeq avangnardleq bis zum Fjord Sikuiuitsoq ab. Zwölf Stunden lang suchen und finden wir einen Weg zwischen Gletscherspalten hindurch, an zerklüfteten Eisbrüchen vorbei und über raues Eis, bis wir nach 23 Tagen der reinen Inlandeisüberquerung am Meer der Westküste ankommen. Unsere Expedition ist damit allerdings nicht zu Ende, da nun noch der Marsch durch das Küstengebirge bis zum Ort Ilulissat bevor steht.
Donnerstag, 08. Juni - 69°20'54''N 50°23'11''W:
Nach dem anstrengenden Abstieg vom Inlandeis legen wir heute einen Ruhetag ein. Bei regnerischem Wetter planen wir unsere Route nach Ilulissat und sortieren unsere Ausrüstung für den Gepäcktransport mit Rucksäcken. Die meiste Zeit verbringen wir im Zelt. Wir lesen, schlafen, essen und hören Musik. Der Geruch des Meeres und die Stimmen vieler Vögel sind nach den Tagen im ewigen Eis eine willkommene Abwechslung.