Der Lebensraum der Eisbären ist durch den Klimawandel bedroht
Parawing-Segeln in Norwegen
Training auf der Hardangervidda in Norwegen
Windpark
Training auf der Hardangervidda in Norwegen
Training auf der Hardangervidda in Norwegen
Training auf der Hardangervidda in Norwegen
Zeltlager Sarek: Im Sarek Nationalpark in Schweden
Team-Foto
Grönland Transversale 2006 - Letztes Training in Norwegen
M2b Redaktion am 03.03.2006 - 09:00 Uhr
In einigen Wochen ist es so weit: Martin Hülle, Johannes Lang und Georg Sichelschmidt werden im April zur Überquerung des grönländischen Inlandeises aufbrechen und ihre "Grönland Transversale 2006" beginnen. Innerhalb von 40 Tagen will das Trio mit Skiern, Windsegeln und Pulka-Schlitten die circa 750 Kilometer lange Strecke von der Ostküste der Insel bis zur Westküste zurücklegen, völlig autark und ohne Depots.
Mit der Expedition möchten die Drei die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels, der sich durch die erhöhte Gletscherschmelze in Grönland bereits bemerkbar macht, ins öffentliche Interesse rücken und gleichzeitig mit Hilfe des Einsatzes der "Parawings" auf die Effektivität regenerativer Windenergie hinweisen.
Die Vorbereitung
Da die Überquerung der grönländischen Eiswüste höchste Anforderungen an die physische und psychische Belastbarkeit der Expeditionsmitglieder stellt, ist ein spezielles Training unumgänglich. Solide Kondition und mentale Stärke sind ein Muss. Um optimal vorbereitet zu sein, machte sich das Team vom 10. bis zum 18. Februar auf zur Hardangervidda in Norwegen. Dieses Gebiet hatten die Drei schon ein Jahr zuvor kennenlernen können, als sie ihre ersten gemeinsamen Erfahrungen im Eis sammelten. Die diesjährige Tour war die letzte gemeinsame Vorbereitung auf die große Grönland-Transversale.
Die Hardangervidda
Die Hardangervidda ist eine schneereiche, kalte und windige Hochebene, auf der schon die Polarfahrer Nansen und Amundsen für ihre Expeditionen trainierten. Die dortigen Bedingungen, die oftmals denen auf dem grönländischen Inlandeis ähneln, sollten es den drei Eisüberquerern ermöglichen, die notwendigen Tests der Ausrüstung durchzuführen, das Leben bei Kälte und Sturm zu üben sowie die Tagesabläufe im Eis zu verinnerlichen. Vor allem wollten Martin, Johannes und Georg sicherer im Umgang mit den Parawings werden. Alle Arten von Schwachpunkten sollten hier noch vor dem Aufbruch gen Grönland aufgedeckt werden.
-> Lesen Sie in der Folge, was Martin Hülle, Johannes Lang und Georg Sichelschmidt in Norwegen erlebten!
Zusammenfassung eines Trainings-Tagebuches...
Ankunft und erste Erfahrungen
Als das Trio am 10. Februar gegen 18:00 Uhr mit seinem VW-Bus in Fagerheim ankommt, werden zunächst bei zunehmender Dunkelheit und etwa minus 15 Grad Celsius die Pulka-Schlitten ausgepackt. Nach einem kurzen Marsch wird am Rand des Veslekrækkja ein windstiller Platz für das erste Nachtlager gefunden. Am nächsten Morgen sollen die Parawing-Segel ausprobiert werden, der Wind ist jedoch zu schwach. Also läuft man mit Skiern weiter über die Seen "Heinungen" und "Øvre Hein".
Die Flaute hält an
Auch am Sonntag und Montag lässt der Wind auf sich warten: Eine Windgeschwindigkeit von drei Metern pro Sekunde reicht nicht aus, um mit den Parawings in Fahrt zu kommen. Die Pläne des Teams, speziell den Umgang mit den Windsegeln zu trainieren, bleiben bisher unerfüllt. So läuft man in südliche Richtung gen Rauhellern. Auf dem Langesjøen kommt plötzlich Nebel auf und die Temperatur, die zuvor mit zehn Grad plus noch relativ hoch war, sinkt in den Keller.
Endlich Wind!
Am fünften Tag der Trainingstour können die Windsegel schließlich zum Einsatz kommen. Mit einem 16-Quadratmeter Parawing versuchen die Drei, vor dem Zelt hin und her zu kreuzen. Es dauert eine Weile, bis man ein wenig Gefühl für das Segel entwickelt und nicht bei jedem Ruck unsanft in den Schnee fliegt. Besonders Martin und Johannes haben Probleme, die Kontrolle über die Richtung zu bewahren. Als am Nachmittag der Wind an Stärke zunimmt, ist er bald schon zu gewaltig für die großen Segel. Ein kleinerer, zehn-Quadratmeter Parawing muss her.
Dem Wetter ergeben
Über Nacht wird aus dem Wind Sturm. Die Sicht beträgt nur wenige Meter. Schneetreiben wirbelt um das Zelt herum und begräbt die Pulka-Schlitten unter sich. Die Eiswanderer warten auf Besserung, um wieder segeln zu können, aber der Luftdruck fällt weiter in den Keller und mit ihm alle Hoffnung. Auch am nächsten Morgen ist der Wind noch zu stark. Bei miserablen Sichtverhältnissen macht sich das Team mit Skiern, GPS, Karte und Kompass auf den Weg zurück in Richtung Halnefjorden.
Letzte Versuche
Am Freitag sinkt die Windgeschwindigkeit auf optimale fünf Meter pro Sekunde. Am Övre Hein können Martin, Johannes und Georg den ganzen Tag mit den Parawings üben und ein besseres Gefühl für sie entwickeln. Bei Einbruch der Dunkelheit erreicht man seinen Ausgangspunkt. Am nächsten Tag fahren die Drei mit dem Auto zum See Ørteren, wo sich ein letzter Segelversuch im leichten Schneefall und trübem Licht verliert. Das Ziel der Übungstour, intensiv das Parawing-Segeln zu trainieren, wurde überwiegend vom Sturm verweht oder behutsam in Windstille gepackt. Dennoch: Grönland kann kommen – mit oder ohne Wind.
Das Team
Die drei Mitglieder der Grönland Transversale verbindet ihre Leidenschaft für den hohen Norden. Die verschiedenen Erfahrungen und Kompetenzen, die sie bei früheren Touren, vor allem nach Skandinavien, Island und Grönland, sammeln konnten, wollen sie effektiv kombinieren, um den Herausforderungen der Transversalen gemeinsam gewachsen zu sein.
Martin Hülle
Martin Hülle, Jahrgang 1973, ist professioneller Abenteurer, Autor und Fotograf. Der Wuppertaler bricht immer wieder zu Fuß und mit Skiern in die rauen und einsamen Landschaften des hohen Nordens auf. Mehr als 80 Touren unternahm er in den letzten 15 Jahren vor allem in Skandinavien, auf Island und in Grönland, bei denen er über 11.000 Kilometer zurücklegte. Den 800 Kilometer langen Nordkalottleden quer durch Nord-Skandinavien lief er komplett. Hinzu kommen mehrwöchige Wintertouren nördlich des Polarkreises, wie auch Überquerungen des Jostedalsbreen in Norwegen und des Vatnajökull auf Island, dem größten Gletscher Europas. Zahlreiche Bild- und Textbeiträge erschienen über seine Reisen und Expeditionen in Zeitungen, Magazinen, im Radio und Fernsehen. Seine Erfahrungen gibt Martin in verschiedenen Outdoor- und Nordic Walking-Seminaren weiter. Im Team stellt er auf Grund seiner Kontakte in der Outdoor-Szene die Schnittstelle der Expedition mit den Partnern und Sponsoren dar. Außerdem kümmert er sich um die Pressekontakte, Expeditionshomepage und die anschließende Dokumentation des Vorhabens in Wort und Bild.
Johannes Lang
Johannes Lang, Jahrgang 1972, ist freiberuflicher Diplom-Biologe und Mitbegründer des Instituts für Tierökologie und Naturbildung bei Gießen. Seit über 15 Jahren unternimmt er jedes Jahr ausgedehnte Touren vor allem in Skandinavien, auf Island und in Grönland, von denen er einen Teil als Tourenführer leitet. Wintertouren mit Ski oder Hundeschlitten gehören genauso dazu wie Gletschertouren. 1996 reiste er erstmalig nach Grönland, sechs weitere Reisen folgten. Zweimal war er dort als Mitarbeiter an einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt (Karupelv Valley Projekt) im Nationalpark in Nordost-Grönland tätig. Mehrere Text- und Bildveröffentlichungen erschienen von ihm in Fachzeitschriften und Büchern. Während seines Studiums in Gießen und darüber hinaus war Johannes zehn Jahre lang als Verkäufer in einem Outdoor-Fachgeschäft tätig. Bereits in dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema GPS und hält heute regelmäßig Seminare zu diesem Thema. Als GPS-Experte wird er sich während der Inlandeisüberquerung um die Navigation kümmern. Außerdem ist er als Jäger für den Schutz vor Eisbären zuständig und wird das Team im Vorfeld der Expedition in den sicheren Umgang mit dem Gewehr einweisen. Bereits während der Planungsphase kümmerte er sich um die Beschaffung und Auswertung von Wetterdaten. Gemeinsam mit Martin Hülle wird er die Grönland Transversale 2006 fotographisch dokumentieren.
Georg Sichelschmidt
Georg Sichelschmidt, Jahrgang 1975, ist Sportökonom und gründete am Ende seines Studiums den in Leipzig ansässigen Reiseveranstalter "Quanok Winter-Outdoor-Reisen", welcher sich als erstes deutsche Reiseunternehmen völlig auf die Durchführung von winterlichen Outdoor-Reisen und Unternehmungen in Schnee und Eis spezialisiert hat. Schon vor vielen Jahren hat er auf einer Husky-Farm in Nord-Norwegen Schlittenhunde trainiert. Seitdem trieb es ihn fast jedes Jahr in den hohen Norden, zumeist mit Ski und Hundeschlitten. Aber auch Abstecher nach Südamerika und Westafrika faszinierten ihn immer wieder. Im Umgang mit Parawings verfügt Georg über so große Erfahrung, dass er als Reiseveranstalter sogar Kurse dazu anbietet. Im Rahmen der Expedition ist er daher für die Auswahl und den Einsatz der Segel zuständig und wird das Team schon im Vorfeld im Umgang mit ihnen trainieren. Als Reiseveranstalter kümmert er sich darüber hinaus um Versicherungsfragen und die Logistik der Grönland Transversale 2006.
Weitere Informationen
Unter www.groenland2006.de erhalten Sie weitere Informationen über die "Grönland Transversale 2006".