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Karte mit der Route: 750 km in maximal 40 Tagen

Georg, Martin, Johannes (v.l.n.r.)

Der Lebensraum der Eisbären ist durch den Klimawandel bedroht

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Grönland Transversale 2006 - Polarkreis im Visier

M2b Redaktion am 23.05.2006 - 12:00 Uhr

Die Grönland Transversale 2006 ist in vollem Gange. Derzeit setzt das Team, bestehend aus Martin Hülle, Georg Sichelschmidt und Johannes Lang, alles daran, zum Polarkreis vorzuschreiten. Bislang liegt das Trio etwas hinter seinem Zeitplan, doch das Wetter hat sich in den letzten Tagen merklich gebessert...


Expeditionstagebuch

Mittwoch, 17. Mai - 65°48'37''N 38°28'27''W:
Früh brechen wir auf, um den am Morgen noch festen Schnee zu nutzen. Steil geht es den Gletscher aufwärts. Erneut brennt die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Die hohen Temperaturen überraschen uns, da wir zu dieser Jahreszeit noch mit kälteren Temperaturen gerechnet hatten. Unser heutiger Lagerplatz liegt auf knapp 1.000 Höhenmetern, von wo unser Blick vom Sermilik-Fjord, über das Küstengebirge bis zum Inlandeis reicht, welches sich am Horizont ausdehnt.

Donnerstag, 18. Mai - 65°54'21''N 38°43'14''W:
Das Inlandeis breitet sich in Wellen vor uns aus. Über acht Stunden laufen wir hinaus auf dieses Meer aus Eis und Schnee. Die Weite zeichnet sich schon ab, auch wenn sich momentan noch die Berge und Täler der Ammassalik Insel und des Johan Petersen Fjords am Rande unserer Route zeigen. Auch oberhalb des Brückner Gletschers sind alle Spalten solide verschneit. Weiterhin können wir auf eine Seilsicherung verzichten und kommen gut voran. Über 15 Kilometer schaffen wir an diesem Tag.

Freitag, 19. Mai - 65°59'10''N 38°56'21''W:
Obwohl es von nun an flacher ansteigend weiter auf das Inlandeis hinauf geht, kommen wir heute nur mühsam voran. Tiefer Schnee bremst uns und die Pulka-Schlitten. Zum Teil schaffen wir in einer Stunde nur knappe zwei Kilometer. In den letzten Tagen war es überwiegend windstill, weshalb der neu gefallene Schnee nicht verfestigt wird. Ohne Wind ist auch an den Einsatz unserer Parawing-Segel nicht zu denken, die uns ein leichteres Vorankommen ermöglichen würden.

Samstag, 20. Mai - 66°06'16''N 39°06'42''W:
Vor zehn Tagen sind wir in Tasiilaq aufgebrochen. Für 30 Tage haben wir nun noch Lebensmittel in den Pulka-Schlitten. In dieser Zeit müssen wir die Westküste erreicht haben - aber noch liegen wir hinter unserem Zeitplan zurück. Doch über Nacht haben sich die Bedingungen gebessert. Starker Nordwest-Wind, der uns mit bis zu acht Metern pro Sekunde entgegen bläst, presst den lockeren Schnee zusammen und wir kommen besser voran. Erneut haben wir 15 Kilometer geschafft. Der Wind macht es jedoch spürbar kälter, weshalb wir die Kapuzen unserer winddichten Softshell-Jacken überziehen müssen. Der Kompasskurs weist von nun an direkt auf unser Ziel in der Disko-Bucht. Bis dahin geht es nur noch geradeaus und wir orientieren uns während des Laufens an der Sonne und unseren Schatten. Zwischendurch kontrollieren wir die Richtung mit den GPS-Geräten und den Kompassen.

Sonntag, 21. Mai - 66°15'27''N 39°18'32''W:
Im Laufe des Tages wird aus dem gestrigen Gegenwind ein Sturm, der uns mit 15 m/s entgegen bläst. In geduckter Haltung stemmen wir uns ihm entgegen und letztendlich schaffen wir sogar 19 Kilometer. Erneut laufen wir dafür sechs Mal 60 Minuten. Zwischendurch pausieren wir nur kurz und setzen uns mit den Rücken gegen den Wind auf die Pulka-Schlitten. Während des Laufens bilden sich in unseren Gesichtern Eisgebilde - gefrorener Atem, Schweiß und Rotz.

Montag, 22. Mai - 66°26'22''N 39°36'06''W:
Am Morgen legt sich der Sturm. Bei leichtem Gegenwind Laufen wir über die nun verfestigte Schneedecke los. Die Oberfläche des Inlandeises wirkt wie ein plötzlich gefrorener Ozean. Schneewehen reihen sich wie Wellenkämme aneinander. Dazwischen liegen blankgefegte Eisflächen. Die Pulka-Schlitten knirschen auf dem harten Untergrund und rumpeln über die Schneewehen. Trotz dieser Unebenheiten kommen wir gut voran. Bei erneut strahlendem Sonnenschein erhöhen wir unser Tagespensum um eine Stunde und erreichen mit 24,1 Kilometern unsere bisher längste Strecke an einem Tag. Am Abend im Zelt übertragen wir die GPS-Koordinaten in eine Karte. Sollten wir weiterhin so gut voran kommen, überschreiten wir morgen den Polarkreis.

Die bisher zurückgelegte Strecke


Quelle
Martin Hülle
www.groenland2006.de

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