Kaltenbrunner am Dhaulagiri: Mit dem Unglück vor Augen
M2b Redaktion am 29.04.2008 - 15:43 Uhr
Gerlinde Kaltenbrunner steht kurz vor der Gipfelerstürmung am Dhaulagiri. Seit Mitte April befindet sich die beste Höhenbergsteigerin der Welt in Nepal - alle Vorbereitungen sind für das Finale getroffen. Die Oberösterreicherin hat bereits mehrere Touren zur Akklimatisation durchgeführt. Der Dhaulagiri zeigt sich zurzeit von seiner schönsten Seite. Gerline Kaltenbrunner steht dem Gipfelerfolg optimistisch gegenüber und möchte die im Jahr 2007 auf so tragische Weise unterbrochene Expedition endlich zu einem erfolgreichen Ende bringen.
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Der Pfad zum Basecamp
Die Erinnerungen an das Lawinenunglück des Vorjahres, als zwei Freunde von Kaltenbrunner tödlich verunglückten und auch sie von den Schneemassen mitgerissen wurde, möchte sie langsam hinter sich lassen. Durch kleine Dörfer, einen dichten Dschungel und steinschlaggefährliche Schluchten musste sich ihr Team, bestehend aus drei Freunden, 18 Trägern und einem Koch, acht Tagesetappen aufwärts kämpfen. Am 12. April wurde das ersehnte Dhaulagiri-Basislager auf 4.700 Metern Höhe erreicht.
Die Höhenanpassung beginnt
Die Genehmigung für den 8.167 Meter hohen Giganten teilt sich das Team mit Spaniern, die bereits seit dem 4. April am Berg unterwegs sind. Nach drei Tagen der Einrichtung und Ruhephase im Basecamp stieg das vierköpfige Gespann, darunter der Profibergsteiger David Göttler, zum French Pass hinauf. Dort wurde eine erste Akklimatisationsnacht verbracht. Auf ihrem Weg kam das Team an der Gedenktafel für Ricardo und Santiago vorbei, die 2007 am Berg ihr Leben ließen.
Ab jetzt auf sich alleine gestellt
Nachdem das Basecamp wieder erreicht wurde, trennte sich das vierköpfige Team, so dass Kaltenbrunner und Göttler auf eigene Faust weiter klettern müssen. Das Akklimatisieren wurde daraufhin verschärft. Zunächst verbrachten sie eine weitere Nacht auf 5.850 Metern, um später auf 6.750 Metern Höhe die Nacht zu verbringen. "Da vormittags meist starker Wind bläst, entschieden wir uns, schon nachts aufzubrechen. Der Aufstieg durch die mondhelle Nacht hatte etwas Mystisches, Einladendes. David und ich waren die Einzigen, die um diese Uhrzeit hier am Berg waren. Die Umrisse der Annapurna I konnten wir klar erkennen. Es war eisig kalt und schön", berichtet Kaltenbrunner auf ihrer Website www.kaltenbrunner.at.
Klirrende Kälte verhindert das Atmen
Schon um 5 Uhr morgens waren die beiden Extrembergsteiger wieder bereit, um ins Basislager abzusteigen. Kaltenbrunner berichtete von einer "unglaublichen Atmosphäre", deren kalte Luft das Atmen für Augenblicke unmöglich macht. Im Basislager, wo sie von ihrem Koch mit einem reichhaltigen Frühstück empfangen wurden, möchte die 37-jährige gelernte Krankenschwester aus Oberösterreich mit ihrem Kletterpartner nun alle Kräfte bündeln, um den entscheidenden Schritt Richtung Dhaulagiri-Gipfel zu wagen.