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Nanga Parbat

Zwischen Licht und Schatten

Die Überschreitung

Reinhold Messner

Reinhold Messner

Reinhold Messner mit Bergsportschule

Reinhold Messner

Die weisse Einsamkeit

Hermann Buhl

Lirung, Himalaya

Mount Everest

Der Gipfel des Mount Everest

Gurla Mandhata (7728 Meter)

Leiche von Günther Messner am Nanga Parbat gefunden

M2b Redaktion am 18.08.2005 - 19:00 Uhr

Am 27. Juni 1970 um 17:00 Uhr ist es so weit: Reinhold Messner und Bruder Günther Messner stehen auf dem Gipfel des 8.125 Meter hohen Nanga Parbat im westlichen Himalaya. Den Abstieg überlebt Günther Messner jedoch nicht; bis heute sind die genauen Todesumstände des damals 23-jährigen Bergsteigers nicht geklärt.

Leichenfund könnte Aufschluss geben
Ein am Mittwoch bekannt gewordener Fund in der Nähe des Diamir Basislagers in 4.600 Metern Höhe könnte nun Aufschluss geben: Vor einigen Wochen stießen Bergsteiger auf die gefrorenen sterblichen Überreste eines Alpinisten; der nach Pakistan gereiste Reinhold Messner identifizierte Kleidungsstücke und Schuhe als die seines Bruders.

Schicksalsberg
35 Jahre sind seit der dramatischen Messner-Expedition zum Nanga Parbat vergangen. Seit seiner Entdeckung durch die Münchner Brüder Schlagintweit im Jahr 1854 gilt der pakistanische Bergriese für deutsche Alpinisten als "Schicksalsberg": Kaum ein anderer Berg der Welt ist so gefährlich und forderte so viele Todesopfer wie der Nanga Parbat, der gemeinsam mit dem 8.611 Meter hohen K2 die "Todesstatistik" anführt. Erst ein knappes Jahrhundert nach seiner Entdeckung konnte der Gigant im Jahr 1953 durch den Tiroler Bergsteiger Hermann Buhl erstbegangen werden.

Reinhold Messner stellt Weltrekord auf
Im Juni 1970 sorgte dann die Messner-Tragödie für Aufsehen: Während Reinhold Messner den Nanga Parbat als erster Mensch überschreiten konnte und mit der Erstbegehung durch die Rupelwand und dem Abstieg über die bis dato so gut wie unbekannte Diamirflanke in zwei Tagen einen Weltrekord aufstellte, blieb der ihm gefolgte jüngere Bruder nach dem Abstieg vom Gipfel verschollen.

Lange Vorbereitungen
Sechs Wochen lang waren die Messner-Brüder mit ihrem 13-köpfigen Expeditionsteam unter Leitung von Dr. Karl Maria Herrligkoffer schon in der Wand, ehe sie sich schrittweise dem Gipfel näherten. Gefährliche Steilstrecken wurden mit Seilen gesichert, langsam musste sich an den extremen Sauerstoffmangel und die heftigen Temperaturunterschiede von 70 Grad zwischen Tag und Nacht gewöhnt werden.

Reinhold und Günther Messner auf dem Gipfel
Am Freitag, dem 26. Juni 1970, wagen Reinhold und Günther Messner gemeinsam mit Kameramann Gerhard Baur den Gipfelangriff und steigen über die bis dato unbezwungene Rupalwand, der höchsten Eiswand der Erde, bis auf 7.000 Meter. Abends werden die Bergsteiger durch eine Leuchtrakete von ihren Kameraden vor schlechtem Wetter gewarnt – Reinhold Messner bricht in der Nacht dennoch weiter zum Gipfel auf, sein Bruder Günther folgt ihm auf eigene Faust. Beide stehen am 27. Juni 1970 um 17:00 Uhr auf dem mit 8.125 Metern höchsten Punkt des Giganten aus Stein.

Reinhold Messner wird zur Bergsteigerlegende
Für Reinhold Messner bedeutete dieser Erfolg den Beginn einer einzigartigen Bergsteigerkarriere. 1978 gelang ihm der Gipfelerfolg am "Schicksalsberg" schließlich im Alleingang ohne künstlichen Sauerstoff, auch war er der erste Mensch, der alle 14 Achttausender der Erde ohne zusätzlichen Sauerstoff besteigen konnte. Was jedoch genau beim Abstieg nach dem Gipfelerfolg im Juni 1970 passierte, ist bis heute nicht geklärt.

Günther Messner vermutlich von Eislawine erschlagen
Reinhold Messner selbst beteuerte immer, sein Bruder und er traten den Abstieg gemeinsam über die Diamir-Seite an. Aufgrund des Gesundheitszustands des erschöpften und von Höhenkrankheit geschwächten Günther erschien der Rückweg über die Aufstiegsflanke zu gefährlich. Beim Abstieg über die unbekannte Route sei Günther vermutlich von einer Eislawine erfasst worden. Da er, Reinhold Messner, durch den akuten Sauerstoffmangel in seiner Wahrnehmung getäuscht gewesen sei, habe er lange Zeit geglaubt, der Bruder sei ihm weiter gefolgt.

Bergkameraden erheben schwere Vorwürfe
Vor zwei Jahren eröffnete Reinhold Messner die Diskussion um den Tod des Bruders schließlich selbst von neuem. Sein Vorwurf an die damaligen Expeditionsmitglieder, ihn und Günther nicht gesucht zu haben, nachdem beide nicht planmäßig zurückgekehrt waren, endete in einem Streit vor Gericht. Die Bergkameraden, die bis dahin zu den Geschehnissen im Juni 1970 geschwiegen hatten, warfen Messner im Gegenzug vor, die Überschreitung des Nanga Parbats aus purem Ehrgeiz gewagt und dabei bewusst das Leben des kranken Bruders in Kauf genommen zu haben. Ihrer Ansicht nach habe Messner den Bruder nicht mit zur Überschreitung des Nanga Parbats genommen, sondern ihn in Gipfelnähe zurückgelassen oder über die gefährliche Rupalflanke zum Basislager zurückgeschickt - wohl im Glauben daran, dass er von einer anderen Seilschaft gefunden und geborgen würde.

Reinhold Messner beteuert seine Unschuld
Mit einem 2004 auf der Diamirflanke in 4.300 Metern Höhe gefundenen Wadenbein, das nach einem Gentest der Uni Innsbruck mit großer Wahrscheinlichkeit Günther Messner zuzuordnen war, versuchte Reinhold Messner schließlich zu beweisen, dass er Günther nicht im Stich gelassen und ihn nicht über den Aufstiegsweg zurück geschickt hatte.

Kritiker sehen im jetzigem Fund noch keinen Beweis
Die jüngst gefunden sterblichen Überreste und Kleidungsstücke könnten nun möglicherweise weitaus mehr Aufschluss geben. Kritiker bezeichnen die derzeitigen Informationen jedoch als zu vage, um die genauen Todesumstände zu klären. Bewiesen würde lediglich, dass sich Günther Messner auf der Diamirflanke des Berges befand.

Kopf des Leichnams fehlt
Bislang steht fest, dass sich der gefrorene Leichnam 33 Jahre lang in einer Höhe von 7.000 Metern befand, ehe er vor zwei Jahren mit schmelzenden Schneemassen zum jetzigen Fundort in 4.600 Metern Höhe getragen wurde. Ob der Leichnam jedoch die Lösung eines jahrzehntelang ungeklärten Rätsels liefern kann, wird sich zeigen. Der Schädel der Leiche fehlt.


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