Hermann Berie nach der erfolgreichen Gipfelbesteigung
Hermann Berie: Auf Skitour im Taurusgebirge (Türkei)
M2b Redaktion am 19.04.2006 - 13:00 Uhr
Hermann Berie ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer und leitet seit vielen Jahren verschiedenste Expeditionen. Vom 24. März bis zum 01. April 2006 war er mit zehn Teilnehmern auf Skitour im Taurusgebirge/Türkei unterwegs. Die Tour, die Berie bereits zum zweiten Mal organisiert und geführt hat, bietet Berge wie in den Dolomiten bis fast 4.000 Meter Höhe, ideale, prall mit Schnee gefüllte Skikare, lange, rassige Anfahrten in Firn und Pulver sowie landschaftliche Höhepunkte wie etwa Kappadokien. Auch erlebten die Tourengeher in diesem Jahr die totale Sonnenfinsternis in der Türkei mit.
- Anreise: Von München nach Ankara und Aksaray
Badeferien mit Ski bei den Assyrern
"Wünsch Dir schöne Badeferien in der Türkei! ...was? Nicht zum Baden? Zum Skifahren in die Türkei...? Gibt's denn da Berge?" - Diese Frage musste ich mir vor dem Abflug in München oft anhören, reisen doch normale Touristen wegen Sonne, Strand und Meer nach Anatolien und nicht mit Skiern im Gepäck! Dass es jedoch in der Türkei neben dem bekannten Ararat hohe Berge gibt, stellten schon die Assyrer, Hethiter, Römer und die Scheldschuken vor uns fest. Viele Völker hinterließen ihre Spuren in den schneebedeckten Hügeln Kappadokiens...
Starke Südtiroler Gruppe
Schon beim Kennenlernen am Flughafen habe ich mich gefreut über die nette und offensichtlich fitte Südtiroler Gruppe aus dem Ultental, begleitet von zwei noch leidenschaftlicheren Niederösterreichern aus Linz: Wieder eine internationale Mischung, dazu ich als Deutscher, in der Schweiz lebender Bergführer – Skifahrer sind einfach grenzenlos!
Auf der Seidenstraße
Bei der mehrstündigen Fahrt von Ankara Richtung Aksaray in Kappadokien ist die Gruppe nicht mehr ganz so sicher, ob der Bergführer nicht doch übertrieben hat mit seinen Versprechungen – an der Strecke, auf der einst Kamele über die Seidenstraße durch die flache Steppe zogen, sind zunächst nur ein großer Salzsee, aber keine Berge in Sicht... Wir kommen spät abends am Hotel im Ihlara Tal bei Aksaray an. Zum Abendessen wird eine ausgezeichnete Forelle serviert und das türkische Efes-Bier hilft für wohligen Schlaf im fremden Bett.
- Skitour im Ihlara Tal zum Vulkan Hasan Dagi (3.286 Meter)
Im Tuffstein Tal
Das Ihlara Tal vereinigt Natur, Bevölkerung, Geschichte und Kunst in einer einzigartigen Weise. Dass wir hier auf Skitour gehen können, liegt an dem in der Nähe des Tales gelegenen Hasan Dagi (Hasanberg 3.268 Meter). Tektonische Bewegungen führten zum Ausbruch des Vulkanberges. Anschließend bildeten sich aus den Ablagerungen die für die Gegend typischen Tuff-Felsen. Die Menschen der letzten Jahrtausende bauten in den grauen, grünen, braunen oder sogar rosa Tuffstein Höhlen, Wohnungen und ganze Städte. Entsprechend bizarr ist unsere kurze Fahrt zum Beginn der Tour durch Türme und Felswände, gespickt mit Löchern, im leichten Nieselregen.
Aufstieg mit Wind und Nebel
Noch ein Stück hoch bis auf 1.800 Meter und schon hält unser Fahrer am ersten Schnee. Die Südtiroler sind rasch startklar und haben bereits die Skier unter die Deckeltasche geklemmt – ich bin froh, hier weitab jedes Lawinenlageberichtes und organisierter Bergrettung so erfahrene Gäste dabeizuhaben. Hoffentlich kommen die "alten Hasen und jungen Haudegen" auf ihre Kosten, so weit entfernt vom sonnigen Südtirol!
Durch Rinnen und Gräben geht's schließlich recht zügig auf den angefellten Skiern bergauf. Das Wetter seift uns ein – es ist nebelig und windig, der Reif wächst auf Bart und Mütze. Wo ging es hier noch mal hoch? - Da es nur schlechte Karten gibt, muss die Erinnerung, Kompass und Höhenmesser herhalten – aber ich finde den kurzen Schlupf in der Steilstufe unter der Wechte.
Gipfelauto
Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Gipfel mit dem Chassis eines alten Daimlers. Wir sind am Gipfel, die Limousine "made in Germany" nicht mehr – aber der Gipfelstein sagt uns ohne GPS, dass es hier nicht mehr weiter geht. Die Pause fällt kurz aus im Sauwetter, ein paar Fotos fürs Vereinsheim daheim im Ultental und schon schwingen wir tastend und driftend die großzügigen Hänge des Hasans hinunter – fast totaler Blindflug im White-Out, aber ich finde die lange Rinne, in der wir höchst genussvoll schwingend irgendwann die Fahrstraße erreichen.
Mokka und Cay
Unten im gut geheizten Dorfcafé bei türkischem Mokka und Cay gesteht uns Kadir, der Fahrer, dass er uns "Skifuzzys" für ganz schön verrückt halte, da wir bei so einem Mistwetter auf den Berg gestiegen waren! ...irgendwo hat er ja recht, aber weiß er von dem Spaß, den wir in unserer Rinne hatten?
Skifahren in der Türkei ist sicher noch ein spleeniger Sport für Leute, die zu viel Zeit haben. Ab und zu steigen auch schon mal ein paar Studenten auf die Bretter, oder das türkische Militär... Wenn Skifahren, dann wenigstens mit Hilfe eines Skiliftes – aber nur so zum Spaß auch noch laufen? Fahrer Kadir hält sich lieber an Mokka und Brettspiele zum Entspannen...
- Skitouren bei Demirkazik im Aladag Gebirge
Zu den türkischen Dolomiten
Keine Vulkanberge, dafür ein einsames Gebiet mit Bergen wie in den Dolomiten aus bestem Kletterkalk gibt es weiter südlich in der Aladag-Gruppe. Das Taurusgebirge zieht sich quer durch den zentralen Teil Anatoliens und immer wieder ragen ganze Gebirgszüge weit über 3.500 Metern Höhe in den orientalischen Himmel.
Falls die Kondition gut ist, können wir uns hier richtig austoben. Sonnige, aussichtsreiche Aufstiege durch die abwechslungsreiche Kalklandschaft, die Abfahrten in mit Schnee prall gefüllten Hochkaren, in denen sich bis weit ins Frühjahr hinein der beste Schnee hält!
Mountainlodge im Ort Demirkazik (1.700 Meter): "Im türkischen Zermatt"
Als Basislager für die nächsten Tage logieren wir in der gemütlichen Mountainlodge im Ort Demirkazik. Das verschlafene Dorf mit der kleinen Moschee und den Ziegenherden unter den zahlreichen Apfelbäumchen ist das angehende türkische Zermatt der Zukunft. Statt dem "Hörnli" gibt es den wuchtigen Berg "Demirkazik" und die Nationalparkverwaltung hat bereits ein Mountaincenter eingerichtet.
Noch drängen keine Menschenmassen durch die Gässchen, nur ein paar wilde Tiroler Burschen kicken mit der Dorfjugend auf dem Bolzplatz um die Wette... Wir machen Fotos von den Kindern und Mutti will dann auch noch fotografiert werden, bevor sie ihren Nachwuchs mit einer kleinen Peitsche heimwärts treibt.
Skitour im Emli Tal zum Mount Cebell (3.390 Meter)
Wenn der Imam zum Morgengebet von der Moschee ruft, sind wir schon fertig mit dem Frühstückstee und fahren so weit es geht die Täler hinein zu unseren Tageszielen im Emli- und Yalak Tal. Die Geländewagen Marke Lada bringen uns schaukelnd und polternd auf knapp 2.000 Meter – auch für unsere geübten Fahrer ist dies immer wieder sportliche Herausforderung. Aber jetzt, Ende März, sind die Wege gut befahrbar und ich denke mit Entsetzen an die schlammigen und schneebedeckten Pfade im Februar 2003, als wir die Tour zu früh im Jahr angingen.
Schlechte Karten
"Einfach da hinten rein und dann rechts hoch – das ist sicher gut zum Skifahren," sagte vor drei Wintern mein erster türkischer Begleiter. Eine brauchbare Karte gab es nicht, und das Militär rückte höchstens mal eine Skizze raus. Als ich ihm damals vorschlug, doch wenigstens mit Schneeschuhen mitzulaufen, erklärte er mir lakonisch: "...ich warte lieber hier in der Höhle und bereite Cay (Tee) zu, bis ihr zurück seid!"
Skiass Tolga
Mein diesjähriger türkischer Begleiter Tolga ist da schon sportlicher veranlagt – er ist begeistert vom Skifahren und nicht abgeneigt, ein Stück mit seinen gebrauchten Tourenskiern und den viel zu großen Skistiefeln mitzulaufen.
Vom letzten Mal weiß ich, dass die Touren lang und anstrengend sind – für mich damals genau richtig als Konditionstraining für die Everestbesteigung.
Zum Mount Cebell – wie in den Dolomiten!
Der Mount Cebell (3.390 Meter) ganz hinten im Emlital ist unser Ausweichziel für den eher gemütlichen Pancarlik (2.870 Meter). Die Tour zum Mount Cebell hatte ich beim letzten Besuch als schattiges Hochkar mit einem rassigen Gipfelhang erblickt – meine südtiroler und österreichischen Gäste sind konditionsstark und sehr gute Skifahrer und werden von der Tour begeistert sein!
Die Turbomänner – 600 bis 800 Meter pro Stunde
Wie fit die Gruppe dann tatsächlich ist, wird mir schnell beim Blick auf den Höhenmesser bewusst! Ich hatte noch nie eine Gruppe, die über mehrere Stunden einen Schnitt von 600 bis 800 Höhenmeter schafft und dabei noch Witze reißt... Die Woche wird also unterhaltsam und läuft sportlich nach dem Motto: "Was machen wir dann am Nachmittag?"
Klaus geht vor Begeisterung in den Kopfstand über, nachdem wir den steilen 600-Meter-Gipfelhang hinter uns haben und auf dem Gipfel des Mount Cebell stehen. Bei Tiroler Speck und gefüllten türkischen Weinblättern zum Lunch blicken wir vom Gipfelgrat auf die Aladag Berge und sehen noch viele Skiziele.
Endloses Schwingen und Carven
Die Abfahrt ist dann nur noch endloses Schwingen und Carven über den sehr guten Schnee. Die steilen Kare bilden windgeschützte, große Rinnen, immer wieder unterbrochen von rassigen Steilhängen – und je nach Exposition hat die orientalische Sonne sogar noch den Pulverschnee verschont. Wie die Apachen aus den Winnetou-Filmen meiner Jugend kurvt die Gruppe in einer Reihe im Formationsschwung auf mich zu und ich knipse die wedelnde und johlende Gang – gefolgt vom türkischen Begleiter Tolga, der stolz als einer der ersten Türken die Skier auf den Cebell gelenkt hat. Beim Efes-Bier an den Ladas gratulieren wir ihm und sind uns einig, dass Skitouren in der Türkei Zukunft haben!
Skitour zum Mount Embler (3.723 Meter)
Wir müssen uns beschränken, die Highlights rauzuspicken, weil wir nur ein paar Tage Zeit haben – aber Programm gemäß steht sowieso der Mont Embler (3.723 Meter) auf der Liste. Nach dem Warmlaufen und der ersten Steilstufe am Flaschenhals unter den Felsüberhängen des Mount Tepesi öffnet sich wieder eine Skitourenlandschaft vom Feinsten! Der Schnee glitzert noch vom Nachtfrost und die weitläufigen Hänge lassen uns schon von der Abfahrt träumen – zu träumen glaube ich auch, als einige der Südtiroler Rennläufer schon nach gut drei Stunden vom Gipfel jodeln – das ist eigentlich Wettkampftempo!
Südtiroler Zaubertrank
Liegt es an dem Superwetter und den Topverhältnissen hier in der Türkei, oder haben die Ultentaler vielleicht einen Zaubertrank einschließlich Druiden dabei? Die Jungs sind einfach gut drauf und können nicht genug bekommen von den türkischen Bergen! Bei ausgelassener Stimmung sind dann alle wieder am Gipfel versammelt – alle? Nein, natürlich sind ein paar Verwegene schon wieder am Schweben durch Pulver und Firn, um die unverspurten Hänge auszukosten.
Engländer mit "Riesenwolken"
Beim endlosen Abfahren vorbei am Celikbuyduran-Pass (3.450 Meter) grüßen wir die ersten Skikollegen, die wir seit Tagen hier sehen. Mitleidig schauen wir auf ihre Riesenrucksäcke inklusive Zelt und Kocher – als Engländer lieben sie es, im Pionierstil durch die Berge zu ziehen und werden wohl erst mal hier biwakieren, um dann am nächsten Tag den Gipfel anzugehen.
Auf Frühjahrsfirn zur Schotterpiste
Nur kurz sind unsere Gedanken bei ihnen, dann stürzen wir uns wieder in die Freuden der unbeschwerten Abfahrt und carven zügig Hang um Hang, Rinne und Flaschenhals hinunter! Bis zur Schotterpiste liegt der Schnee in einer seiner schönsten Zustände – auf Frühjahrsfirn surfen wir ausgelassen in die ersten grünen Weiden zu den mit kühlen Getränken wartenden Fahrern. Kann man das noch steigern?
Skitour zum Mount Alaca-Lorut (3.688 Meter)
Allerdings – der Taurus bietet auch für so extrem starke Tourengeher wie meine Ultentaler genügend Raum für Herausforderungen: Der Mount Alaca (3.688 Meter) ist auf Grund der Länge der Tour so ein Ziel. Der Spaß kommt sicher nicht zu kurz, aber wir müssen früh aufbrechen, denn das lange Mangirci-Tal vorbei am Körtekli–Tepe (3.250 Meter) zieht sich weit von Nord nach Süd und 1.800 Höhenmeter müssen erst einmal bewältigt werden...
Als ich vor drei Jahren hier das erste Mal gespurt habe, war ich begeistert von dem Gebiet – allerdings hatten wir damals andere Verhältnisse und sind nur bis zum Vorgipfel gestiegen.
Alte Angst: Schneebrett am Körtekli
Das Schneebrett bei der Abfahrt im riesigen Nordwesthang des Körtekli war ein "Schuss vor den Bug" – auch hier im Taurusgebirge "bewohnen" Lawinen die Hänge und die Regeln von Herrn Munters lassen sich nicht wegreduzieren.
Beim Aufstieg entdecke ich eine traumhafte Westabfahrt Richtung Teke Tepe. Für eher Genuss orientierte Skifahrer werde ich das nächste Mal die Körtekli Umrundung auswählen – es gibt hier Touren für jeden Geschmack!
Die Rekordhalter
Natürlich war es nicht anders zu erwarten – die Südtiroler Bergrettung war wieder am schnellsten und alle erreichen gegen Mittag den Gipfel des Mount Alaca. Rekordverdächtig!
1.200-Meter-Abfahrt am "Finger Allahs"
Sehr zügig müssen die Südhänge zum Avibelli-Pass (3.200 Meter) gequert werden. Die südliche Sonne hat schon alles grenzwertig durchfeuchtet – dann ab dem Pass wieder endloses Schweben in Pulver und Firn bei der nordseitigen 1.200-Meter-Abfahrt durch das Direktas Tal vorbei am "Finger Allahs" – eine mehrere hundert Meter hohe "Karotte" aus bestem Kletterkalk. In der Sonne dösend freuen wir uns nach der Abfahrt auf den nächsten Tag mit Kulturprogramm und totaler Sonnenfinsternis zwischen den Tuffsteinfelsen bei Göreme.
Gebietswechsel und Kulturtag - Unterirdische Stadt
Nach dem Hasan Dagi und drei großartigen Touren im Aladag-Gfebirge steuert Kadir unseren komfortablen kleinen Reisebus Richtung Norden.
Trotz strahlenden Sonnescheins steigen wir hinab in die Jahrtausende alten, unterirdischen Städte bei Ortahisar, bestaunen die ersten geheimen Kirchen der Christen, in mühevoller Plackerei aus dem weichen Tuffstein gehauen.
Bei Nigde am roten Fluss zeigt uns ein Töpfermeister, wie man aus Dreck eine brauchbare Vase dreht. Wir essen herrlich frisches Fladenbrot mit Kartoffel-Kräuter-Füllung direkt von den glühenden Steinplatten, gereicht von türkischen Frauenhänden.
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Feenkamine, Sonnenfinsternis und Skikamele
Herbert entdeckt bei Uschisar ein Kamel zwischen den bizarren Feenkaminen im gelben, grauen und rosa Tuffstein. Mit den Skiern auf einem Kamel in einer mediterranen Tuffsteinwüste sind Herbert und das Wüstentier dann fotogenes Motiv vor geschichtsträchtiger Landschaft.
Beim "türkischen Mokka trinken" verfinstert sich dann der Himmel in ein unheimliches Zwielicht und Kälte kriecht den Rücken hoch. Wir erleben in Uchisar eine totale Sonnenfinsternis und blicken auf die mystische Corona über uns – am Horizont leuchten bereits die Schneehänge des mächtigen Vulkan Erciyes, an dessen Fuß wir heute noch fahren werden.
Enstpannung im Türkischen Bad in Ürgüp
Statt Dessert schlage ich noch eine Körperreinigung samt Handmassage im türkischen Bad bei Ürgüp vor. Das alte Hammam dort ist über 200 Jahre alt. Im feinsten Seifenschaum entkrampfen die geübten Bademeister die vom schnellen Aufsteigen verhärtete Beinmuskulatur der tapferen Skifahrer aus dem Abendland. Und auch der Rest des Körpers sollte entspannt sein für unsere letzte Tour in Zentralanatolien am nächsten Tag!
Zur Teufelsrinne am Mount Erciyes (3.916 Meter)
Am Abend fahren wir, wie geplant, zum Ort Erciyes am gleichnamigen, alles überragenden Bergmassiv. Der Aufstieg folgt zunächst einem sehr steilen, ostseitigem Colouir, das wegen seiner Vorgeschichte "Teufelscouloir" heißt. Der Name verspricht wieder viel Unterhaltung im Schnee – ich beschließe deshalb, sehr früh aufzubrechen und auf die mögliche Skiliftunterstützung die ersten 600 Höhenmeter zu verzichten.
Als ich den Mount Erciyes 2003 das erste Mal gesehen habe, lag zu viel Triebschnee im bis zu 40 Grad steilen Couloir. Auch deshalb sind wir damals nur bis zum Ostgrat gestiegen.
Aufstieg in der Teufelsrinne – 700 Meter Spitzkehren
Jetzt haben wir Firnverhältnisse - und wieder in einer Zeit, wie sie nur Ultentaler Konditionstiger mit Zaubertrank bewältigen können, erreicht unsere Gruppe den Sattel vor dem Gipfel am Ende der Teufelsrinne. Nach kurzer Zeit weht dann die Südtiroler Fahne mit dem Türkischen Halbmond um die Wette vom Gipfel, der mit kurzer Kletterei und einem Fixseil erreicht wird.
Auf steilem Firn nach Süden
Die Idee von Martin, trotz des etwas ungewissen letzten Teils bis zur Straße südseitig abzufahren, wird natürlich von allen begeistert angenommen. Zunächst sehr steil und felsdurchsetzt, dann nur noch endlos, kurven, schwingen, schweben und carven wir durch den Frühjahrsfirn hinein in die anatolische Botanik fast 2.000 Höhenmeter tiefer! Es ist einfach unglaublich...
Nicht genug... 3.350 Meter Aufstieg
Auf dem Picknickplatz bei der Straße kühlen wir die heißen Sohlen mit frischem Brunnenwasser – unsere Südtiroler Freunde beschließen, nochmals aufzusteigen! Nach kurzer Zeit erreichen sie 1.600 Höhenmeter weiter oben schon wieder einen Vorgipfel, kosten diesmal die Abfahrt durch die nordostseitigen Hänge hinein ins kleine Pistengebiet des Erciyes bis direkt vor unser Hotel! Nach 3.350 Höhenmetern Aufstieg und etlichen tausend Schwüngen im türkischen Frühjahrsfirn zischt das Radlerbier nach dieser Abschiedstour durch die Kehlen.
Moscheen, Orient und Pubs – zurück nach Ankara und München
Rückfahrt nach Ankara – wir staunen noch über die Pracht der orientalischen Moscheen in Kayseri, sind müde, als wir abends in Ankara ankommen. Nach bestem Abendessen ist Chill-Out in den Gassen und Bars von Ankara angesagt. Müde und voll mit Eindrücken planen wir in Gedanken schon die nächsten Skiziele im Orient... Iran? Bulgarien? Die Türkei war wieder großartig!
- Info: Skitouren im Taurusgebirge/Türkei
Veranstalter:
Bergführer Hermann Berie bietet im März und April 2007 wieder eine Skireise ins Taurusgebirge an. Auch gibt er gerne Auskunft und Informationen an Interessierte weiter!
Zentralanatolien und Kappadokien, Aladag Gebirge zwischen Nigde und Demirkazik sowie zwei Vulkane bei Aksaray und Kayseri.
Gipfelmöglichkeiten:
Hasan Dagi (3.286 Meter), Mt. Cebell (3.390 Meter), Mt. Embler (3.723 Meter), Mt. Erciyes (3.916 Meter), Mt. Körtekli Tepe (3.250 Meter), Mt. Alaca-Lorut (3.588 Meter) und viele weitere Ziele.
Charakter:
Lange Skihochtouren mit durchschnittlich 1.600 Höhenmetern Aufstieg am Tag. Da keine Hütten vorhanden sind, beginnen alle Touren spätestens ab 2.000 Metern. Geeignet für mittlere bis gute Skifahrer, teils rassige Abfahrten. Keine bergsteigerischen Schwierigkeiten bis auf Gipfelgrat zum Erciyes. Für Genießer und zum Abkürzen der Touren sind Aufstiege zu Pässen und Vorgipfeln möglich. Es gibt noch zahlreiche Möglichkeiten an Tourenzielen, auch für Überschreitungen. Die Abfahrten im Frühjahrsschnee stellen selbst höchste Ansprüche zufrieden.
Beste Zeit:
Februar bis Mitte März: Oft noch viel Pulverschnee mit Windharsch, Touren sind länger, da weitere Anmarschzeiten. Mitte März bis Mitte April: Oft ideale Frühjahrsverhältnisse.
Emotions:
Uralte Kultur in Kappadokien, Stadt Kayseri an der Seidenstraße, Höhlenwohnungen bei Göreme, bizarre Tuffsteinlandschaft, orientalische Kultur am Roten Fluss, Massage und Sauna im türkischen Bad in Ürgüp, beste osmanische Küche.