Gefährden Großvisionäre die Zermatter Gebirgswelt?
M2b Redaktion am 29.02.2008 - 13:58 Uhr
Der Mitteleuropäer strebt immer mehr nach Größe, Reichtum und Macht. Dies zeigt auch das bevorstehende Großprojekt von Architekt und Künstler Heinz Julen.
Ziel ist es, auf dem Klein Matterhorn, welches 3.883 Meter über dem Meeresspiegel liegt und der höchste Punkt ist, den man in Europa per Luftseilbahn erreichen kann, einen 117 Meter hohen Turm zu bauen. Somit will man künstlich einen Berg der Viertausenderkategorie schaffen. „Für mich war klar, ich wollte höher gehen als die Plattform. Als ich die Skizzen für mein Projekt machte, fiel mir plötzlich die magische Zahl 4.000 ein. Der Gedanke, einen Viertausender zu schaffen, ist doch spannend“, erklärt Heinz Julen in einem Interview auf der Website www.patrickrohr.ch. Das Projekt der Zermatters entfachte eine Diskussion zwischen Naturschützern, dem Schweizer Alpenclub (SAC), der Umweltorganisation Mountain Wilderness und den Befürwortern des Projekts.
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Mehr Attraktivität für das Matterhorn
Christian und Sonja Noti, Hoteleigentümer, haben das Projekt in Auftrag gegeben und den Zermatter Künstler Heinz Julen damit beauftragten, ein Hotel zu konstruieren. Hiervon erwarten sie sich eine wachsende Attraktivität des Matterhorns und erhoffen sich noch mehr Touristen. Bisher gibt es auf dem Klein Matterhorn eine Gondelstation, eine Eisgrotte und eine Aussichtsplattform, „doch von ihr sieht man nur in die Weite, nicht in die Tiefe. Der Mensch will die Tiefe erleben. Ich will eine Plattform schaffen, die die anderen Viertausender, die man vom Klein Matterhorn sieht, in Szene setzt“, so Heinz Julen.
Schon seit 1979 ist es für Skifahrer möglich, mit der Gondelbahn auf den Gipfel des Kleinen Matterhorns zu fahren und die fantastische Bergwelt zu genießen. Nun waren die Bergbahnen des reichen Skiorts der Ansicht, dass man die Attraktivität des Gipfels noch weiter erhöhen sollte und schrieben einen Wettbewerb aus, bei dem Heinz Julen mit seinem Projekt gewinnen konnte.
Das Projekt
Vor zwei Jahren haben die Zermatter Bergbahnen ihre Pläne für den Ausbau des Gebiets rund um das Klein Matterhorn präsentiert. Erste Vorkehrungen mit Hilfe des Ausbaus der Bergstation wurden bereits vorgenommen. In einem Zeitraum von sieben Jahren soll das Giganten-Projekt fertig gestellt sein, welches 70 Millionen Euro verschlingen wird. An der Ostwand soll ein 250 Meter metallener Arm in einem Winkel von 15 Grad konstruiert werden. Dieser wird 130 Meter in die Tiefe und 117 Meter in den Himmel ragen. Aussichtsplattformen sind für den höchsten und tiefsten Punkt der Konstruktion vorgesehen. In der Mitte wird ein Restaurant, ein Multimediaraum und das Hotel mit dem Namen „Hotel Garni Matterhorn Focus“ Platz finden. Das Hotel wird über Suiten, Junior-Suiten, Deluxe-Doppelzimmer, Doppelzimmer und einem Familienzimmer verfügen. Die Verantwortung für das Innen-Design des Hotels wurden auch dem Zermatter Heinz Julen in die Hände gelegt.
SAC und Mountain Wilderness protestieren
Die Konstruktion die entstehen soll, könnte eine gewaltige Anziehungskraft auf Touristen haben und Zermatt als Touristenhochburg weiter etablieren. Der Schweizer Alpenverein und die internationale Naturschutz-Organisation Mountain Wilderness stehen den Plänen allerdings sehr skeptisch gegenüber. Das Projekt sei respektlos gegenüber einer der grossartigsten Hochgebirgslandschaften der Welt, so der SAC in einer Mitteilung vom 28. Februar 2008. Weiter befürchtet der SAC einen bevorstehenden Imageschaden für den Kurort. Die Schützer der Gebirgswelt wollen nicht mit ansehen, wie eine der schönsten Gebirgslandschaften der Welt von Kapitalhungrigen zerstört und nach Belieben verändert wird. „Es geht nicht darum, Gott ins Handwerk zu pfuschen. Es geht mir darum, eine Plattform zu schaffen, von der man sich die Schöpfung Gottes anschauen kann“, entgegnet Heinz Julens in seinem Interview auf der Website www.patrickrohr.ch.