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Rila-Nationalpark

Maliovitsa

Gipfelgrat Maliovitsa

Maliovitsa-Gipfe

Abfahrt Maliovitsa

Svinskia Sees

Popova Kapa

Suhoto See

Rila – Klosteranlage

Goliam Tipits

Stratje Gruppe

Malka Todorka

Banderitsa-Tal

Aufstieg zum Kutelo

Am Kutelo

Hermann Berie berichtet: Skitouren in Bulgarien – Rila und Piringebirge 2008

Hermann Berie am 22.04.2008 - 13:49 Uhr

Herman Berie berichtet in zwei Teilen über das Erlebnis Bulgarien. Skitouren, Kultur, Genüsse und Land und Leute - Hermann Berie thematisiert in seiner schön zu lesenden Reportage alles rund um das südosteuropäische Land am Schwarzen Meer.

Bei den Enkeln von Spartakus und Dionysos
Dionysos, Gott des Weines, der Sinnesfreuden und der Fruchtbarkeit, Symbol der Unsterblichkeit - Spartakus, der mutige Anführer eines Sklavenaufstandes - thrakische Gestalten aus der Griechischen Mythologie und aus den Asterixheftchen meiner Kindheit geistern durch mein Träume..."Nastráwe" – "Zum Wohl" haben wir gestern Abend doch zuviel vom ausgezeichneten Wein aus Melnik erwischt? Oder hat uns die junge Freeridedame Maya vom Oxo-Team mit ihren rot-weissen Glücksbändchen zum Märzfeiertag verzaubert? Betrunken und müde sind wir gestern nach dem Abschiedsessen hier in Sofia mit Ivo und seiner bezaubernden
Frau in die Federn gesunken – Bilder steigen jetzt wieder auf von den vergangenen Tagen im gleißenden Schnee Bulgariens unter einer südlichen Sonne, von der Reise durch ein gastfreundliches Land, von rassigen Firnhängen und wilden Abfahrten durch Wälder und Couloirs auf dem Balkan.

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Von Zürich ins Rilagebirge nach Govedartsi
Mit einem herzlichen "Dobár den – Guten Tag" begrüßen uns Ivo und Vasko am Flughafen in Sofia. Sofia – schon der Name klingt freundlich, südländisch und verspricht angenehme Skiferien auf dem Balkan. Beim Landeanflug fliegen wir über
die ersten Schneeberge des Vitosha-Gebirges, das gleich hinter Sofia beginnt. Das sieht trotz des trockenen Winters schon mal richtig nach Schnee aus...wir wollen aber weiter nach Süden, in die im Winter einsamen Rila-Berge, nach Maliovitsa und Bankso. Vom einsetzenden Tauwetter sind die Straßen hier in der Industriestadt Samokov schlammig, etwa 100 Kilometer südlich von Sofia, als wir auf die Liftschneisen des Skigebietes Borovets zurollen. Am Ende des langen Straßendorfes von Govedartsi erwartet uns ein behaglich warmes Hotel inmitten tiefverschneiter Berge und Wälder.
Ein Schopskasalat mit Fetakäse und reichlich Tomaten und Gurken, gespült mit dem allgegenwärtigen Rakhia, den die Bulgaren gleich aus Wasserglässern trinken, verhilft zur ersten Nachtruhe bei den Urenkeln der Thraker.

Govedartsi – Gipfel Maliovitsa (2729 m)
Die Skipisten vom kleinen Familienskigebiet Maliovitsa liegen noch friedlich still im Schatten des Morgens, als wir mit den Skiern durch das Eingangstor des Rila-Nationalparks gleiten. Sergeij und Phillip, beides Freunde von Ivo sind gestern Abend noch aus Sofia angereist, freuen sich uns ihre Lieblingsskitouren vorstellen zu können. Phillip auf Uraltskiern mit Kabelzugbindung wird uns später noch zeigen, wie er damit auch im Plattenpulver zurechtkommt. An der Maliovitsa Hütte herrscht bereits Aufbruchstimmung – verwegene Wanderer machen sich per pedes ohne jede
Schneebereifung oder Skier auf den Weg zu irgendwelchen Gipfeln. Die felsige Nordwand des Maliovitsa versteckt sich noch in den letzten Wolken von gestern. Nach ein paar Steilstufen mit imposanten Tiefblicken stehen wir in einem Sattel mit Aussicht zum Rila Kloster und staunen über die endlosen Nadelwälder des Nationalparks. Der gemütlich flache Gipfelgrat ist mit den Steigeisen an den Stiefeln nicht schwierig und kurz nach Mittag sind wir auf unserem ersten bulgarischen Skigipfel, blicken über ein Meer von ideal geneigten Hängen und Bergspitzen bis nach Griechenland und Mazedonien.

Der Nacktläufer und Sonnenanbeter
Ein Rennläufer im hautengen Anzug? Nein, nur eine gestreifte Unterhose wegen der Figur, alle sonstigen Accessoires in einer Sportasche und einfache Wanderschuhe mit schwarzen Socken reichen dem Sonnenanbeter, um sich auf 2500 Metern
fortzubewegen. Der Mann ist echt, kein Geist aus der Rhakiaflasche - mit gebräunter und lederartig gegerbter Haut. Freundlich gratuliert er uns zum Gipfel in seinem leichten Dress, wir fotografieren noch, dann schreitet er weiter der Sonne entgegen. Sonne macht glücklich und lässt die Hormone fließen - Glück möchten auch wir finden bei den ersten harten Schwüngen im Balkanschnee, dass sich rasch einstellt beim Kurven und Schweben über Windharsch und den letzten Pulverschnee. Pulverschnee? Ivo kennt eine Rinne die wir unbedingt noch fahren müssen, bis in den Juni hinein prall voll mit Schnee. Rasch sind wir oben in der Scharte, im Süden gleissen die Hänge in der Sonne wie flüssiges Silber. Sieht rassig aus, aber jetzt viel zu warm um nach Süden abzufahren. Die Nordseite gefällt uns mit dem Powder schon viel besser und wir stoppen erst wieder an der Malovitsa Hütte um Mineralverluste mit dem einheimischen Zagorga Bier auszugleichen.

Im Eiskanal zur Bergwacht
Wie Willi Bogner und James Bond damals im Eiskanal carven wir den Wanderwegzur Skistation hinaus. Sichtlich unbekannt sind für die zahlreichen Sonntagsspaziergänger solche Kapriolen und wir müssen aufpassen, nicht einen der
kleinen Hündchen zu touchieren, die hier mit ihren Herrchen aus Sofia die frische Winterluft geniessen. Für Notfälle gibt es eine sehr gut ausgerüstete Bergrettungsstelle. Die Bulgaren lieben Ihre Berge und schätzen die Erholung in der
freien Natur nur wenige Fahrstunden von Sofia entfernt.

Zum Popova Kapa, dem Pfarrerhut (2704 m)
Beim Aufsteigen bin ich hin- und hergerissen – lieber den besseren Schnee auf der Nordseite oder eine landschaftlich grandiose Überschreitung, hinunter ins Rilakloster,
zum Schluss der Abfahrt sicher im knietiefen Sulz? Ivo und ich haben noch keine Entscheidung getroffen, uns noch nicht abgesprochen. Ein sonniger, warmer Tag unter südlicher Sonne und strahlend blauem Himmel erwartet uns wieder – schließlich ist die Ägäis nicht allzu weit entfernt. Fichten, Lerchen und Kiefern spenden zu Beginn des Aufstiegs noch Schatten. Wieder sind wir am Morgen von der Skistation Maliovitsa aufgebrochen, querten durch den dichten Wald und sind jetzt auf einem baumfreien Rücken, der hinaufführt auf unser Tagesziel. Der Popova Kapa ist der passende Berg als Auftakt für den geplanten Klosterbesuch am Nachmittag. Flach und rund wie die Kopfbedeckung der orthodoxen Mönche präsentiert sich der Gipfel unseres idealen Skiberges nach den letzten Spitzkehren.

Vom Schnee ins Rila-Kloster
Weit im Süden liegen die Berge des Pirin-Nationlparks, die wir in den kommenden Tagen besuchen werden: Sie leuchten vielversprechend in der Sonne. Ganz unten im Wald, weit weg vom höchsten Punkt hier, liegt das berühmte Rilakloster. Die
rassige Rinne und unten die weiten Hänge mit dem lichten Kieferbestand versprechen endloses Kurven und Gleiten im Firnschnee und Sulz. Also nichts wie hinein ins "Promised Land", bevor die Sonne unsere Pläne vollends durchkreuzt. Wir bereuen nichts, die Entscheidung war richtig und inmitten einer nordisch wirkenden Landschaft, cruisen wir nach Süden zum Suhoto Ezero dem "Trockenen See" schon unterhalb der 2000-Meter-Grenze. Vorbei an einem eingestürzten Wasserfall, hinein in den steilen Kiefernwald, der schon frühlingswarm duftet und harzigen Geruchverströmt. Am Wanderweg zum Kloster ist dann Schluss, wir schultern die Skiern, trekken hinaus bis zum kühlen Brunnen im Rilatal. Kommentar von Ivo "...es gibt immer einen Weg..."

Mittelalterliche Fantasie und Weltkulturerbe
Strengkühle, klösterliche Atmosphäre und andächtige Stille empfängt uns als wir noch verschwitzt in den Innenhof der Klosteranlage treten. Die Mönche, großgewachsen wie NBA-Basketballprofis tragen schwarze Daunenwesten und
dunkle Rauschebärte. Bunt bemalt sind die Fassaden des heiligen Ortes. Mittelalterliche Fantasiewesen mit Zangen und Folterwerkzeugen im stetigen Kampf mit den himmlischen Heerscharen schmücken in bunten Farben die Aussenfassaden. Erhabene Ikonen mit vergoldeten Holzschnitzerein im Innern der Kirche, begleitet vom murmelnden Gebet der wenigen Gläubigen. Diese achteckigen Mauern mit den Schneegipfeln im Hintergrund sind die Abschiedskulisse für unsere
Skiabenteuer im Rilagebirge. Später auf dem Dorfplatz der Ortschaft Rila vor einem kleinen Café, genießen wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Ein paar Roma-Jugendliche leisten uns Gesellschaft beim Feierabendbier, freuen sich über die Skitouristen im exotischen Gewand. Unser Roadmovie geht weiter, vorbei an Blagoevgrad und Razlog steuern wir den Skiort Bansko an.

Lesen Sie hier den zweiten Teil der Reportage von Hermann Berie...


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