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Rila-Nationalpark

Maliovitsa

Gipfelgrat Maliovitsa

Maliovitsa-Gipfe

Abfahrt Maliovitsa

Svinskia Sees

Popova Kapa

Suhoto See

Rila – Klosteranlage

Goliam Tipits

Stratje Gruppe

Malka Todorka

Banderitsa-Tal

Aufstieg zum Kutelo

Am Kutelo

Hermann Berie berichtet: Skitouren in Bulgarien – Rila und Piringebirge 2008 (2)

Hermann Berie am 22.04.2008 - 13:49 Uhr

Fortesetzung von Teil 1 ...


Die Wächter der Rinnen – die Straijte Gruppe
Ein Dialekt der unverkennbar ist, auch wenn wir uns auf Englisch begrüßen – auf dem Polejangipfel (2851 m) treffen wir vier behelmte Sportsfreunde aus dem Schwabenländle. Eigentlich wollten die Jungs diese Woche nur im Powder
abtauchen, aber das gute Wetter motiviert selbst Helifans zum Tourengehen. Zumal am Todorka die Rinnen im Moment sehr eisig und unangenehm hart verblasen sind. Ivo kennt Alternativen - so rattern wir in langen Schwüngen über Plattenpulver zu einem Couloir, gefüllt mit unversehrtem Powder. Diese ersten 500 Höhenmeter waren zum Auftakt schon mal nicht schlecht, deshalb steigen wir gleich wieder hinauf zu den Straijte Felsen (auf Deutsch den "Wächtern") aus bestem Urgestein zwischen denen breite Rinnen gleichmäßig steiles Cruisen in der Nachmittagssonne verspechen. Das ganze Team ist von dem Abstecher begeistert und in großen Radien gleiten wir im Firn Richtung Wald in die schattigen Mulden oberhalb der Gazeiski-Seen, wo der letzter knietiefer Powder uns zur Ausgelassenheit treibt.

Im Hexenhäuschen - Demianica-Hütte
Ausgelassen sind wir auch dann noch, als bei der Abfahrt zur Demianica-Hütte aus dem lockeren weißen Traum im Hochwald knietiefer Sulz wird. Alle hängen mindestens einmal kopfüber in dem kleinen Bächlein mit dem kristallklaren Wasser, müssen aufpassen, dabei nicht von den Kollegen überfahren oder ertränkt zu werden. Die Dusche schon gespart, erreichen wir voller Übermut die urige Demianica Hütte. Das Hexenhäuschen mit Hänsel und Gretel könnte ein Grimmsches Märchen nicht besser erfinden als diese Hütte in den Bulgarischen Bergen am Ufer des Demyanishka Baches. Der Ofen pollert warm und Kerzenlicht bringt Romantik. Sogar
der Schlafraum mit den Stockbetten ist beheizt. Hüttenwirt Milosch zaubert für uns und die zwei Französischen Gäste ein Mehrgang-Menü und stellt einen fruchtigen Roten aus Melnik auf den Tisch.

Valyavishki Seen
Die Katze von Milosch schnurrt uns aufgeregt um die Füße, als wir noch im Schein der Stirnlampen den Bach überqueren. Von unzähligen kleinen Seen gespeist, plätschert im Sommer der kristallklare Bach über Felsbrocken nach Bansko.
Teilweise zugefroren liegen die Seen und das Flüsschen jetzt unter einer meterhohen Schneedecke. Als wir später an den Valyavishki Seen vorbei zum Kleinen Todorka (2712 m) aufsteigen, können wir die vielen Seelein hier oben nur
erahnen.

Kleiner Todorka und Ribno See
Kräftiger Südwestwind rüttelt an den Skiern, als wir die letzten Meter auf dem Grat zum Kleinen Todorka (2712 m) hinüber stapfen. Im Osten sehen wir die Felsen und
Rinnen der Strajite Gruppe (den Wächtern) vom Vortag. Traumhaft auch die Aussicht auf die einladenden Abfahrten der nächsten Skiziele – den Vihren (2914 m) und den
Kutelo (2908 m) die an den rassigen Gipfelflanken schon aus der Ferne zu erkennen sind und uns den Mund wässrig machen auf steiles Gleiten im Firn. Der Südwind hat wie fast überall diesen Februar in Europa den Pulver schön zu Windgangeln und Platterpulver gepresst. Im Föhnwind brettern wir schnell zum Ribno See (Fisch See) ins Banderitsatal hinaus. Wieder ein Szenenwechsel, wieder ein großartiges Tal mit noch unzähligen Tourenzielen für Winter und Sommer.

Traumberg Vihren im Föhnwind
Bei einer ausgiebigen Pause im Windschatten, sind die Sonnenstrahlen schon frühlingshaft warm auf der Haut – schließlich sind wir nicht weit von der Ägäis entfernt in Südosteuropa. Nach dem schweißtreibenden Aufstieg vorbei am Muratov (2669 m) und über den kleinen Hovinati Gipfel hinüber, lüftet einen der Föhn hier oben in der Vihren Scharte ziemlich aus. Kommt da etwa schlechtes Wetter?
Das ist uns im Moment noch egal, als wir Harscheisen bewehrt über die vielversprechende Flanke zum Gipfel des Vihren starten. Der Snowboarder auf Schneechuhen, den wir im sehr steilen Aufstieg von Bankso herauf beobachten, rutscht gleich wieder unfreiwillig auf seinen Textilien ins Tal, obwohl er die Abfahrt mit dem Board sicher vorgezogen hätte?

Firnabfahrten und Europacup
Auf den letzten Metern vor dem Ziel, zwingt uns abgeblasener Fels wieder zum Tragen der Skier - dann schweift der Blick endlich vom Gipfel des Vihren hinaus nach Norden zu den Rila Bergen und weit unten im grau-braunen Vorland sehen wir
Bansko. Der Todorka mit seinen unglaublichen Rinnen die durchgehend bis auf den Grund des Banderitsa Tales führen, steht uns genau gegenüber. Maya hätte morgen ja Zeit uns die besten Runs zu zeigen, aber das Wetter wird den Termin für die Linien die wir dort schon hineinträumen wohl verschieben? Das Gelände erlaubt zügiges Fahren in weiten Radien, der Schnee ist die ersten 800 Höhenmeter grandios. Erst im Couloir vor der Vihren Hütte hat der warme Föhnwind
den Firn schon wieder in Sulz verzaubert. Und es kommt allmählich Dramatik auf: Bedrohlich nah die Lawinen aus schwerem Schnee im Nachbarcouloir, Durst meldet sich nach dem langen Tag auf Kaltgetränke und die Talabfahrt ins Skigebiet von Bansko zieht sich. Ein FIS-Rennen, das morgen hier stattfindet, verhindert, dass wir auf den letzten Höhenmetern zur Skistation auf der Skipiste fahren dürfen – alles ist abgesperrt und schon bestens präpariert für den Abfahrtslauf der Herren um den Europa Cup. Das Feierabendbier trinken wir zwischen Skitouristen aus England und dem ganzen Balkan, verschieben die Talabfahrt nach Übermorgen und lassen uns von Vasko mit dem Bus gleich hier an der Talstation abholen.

Rhodopische Dörfer – in Kovachevitsa
Schon nach der Rückkehr vom Vihren nach Bansko hat es langsam angefangen – ein ungemütlich grauer Himmel aus dem es bis auf 1800 m hinauf regnet. Die Oberschenkel freuen sich auch auf einen Ruhetag, so fährt uns Vasko am
nächsten Morgen in die Rhodopen. Eine gute Fahrstunde südöstlich von Bansko in den westlichen Rhodopen, lieg das Dörfchen Kovachevitsa (1020 m), das eine nationale architektonische Legende ist. Der Stil der Gebäude hat nichts analoges in der Bulgarischen Architektur. Wir freuen uns beim Schlendern durch die Gässchen am milden mediterranen Klima und die Vorahnung auf den Frühling. Hier oben leben um die St. Nikola Kirche meist orthodoxe Christen, im nächsten Dorf etwas unterhalb dominieren die Muslime und ganz unten im Kaninafluss-Tal (Blutiger Fluss) spielen die Roma-Kinder auf der Straße Fussball. Eins wird uns klar: Bulgarien hat eine unheimlich lange Geschichte mit Kulturen, die kamen und gingen; die Bevölkerung ist
deshalb eine interessante Mischung aus vielen Ethnien und
Glaubensgemeinschaften. Und nicht zuletzt sind die Rhodopen laut den Griechischen Mythen die Heimat des legendären antiken Sängers Orpheus und seiner Frau Eurydice. Nach soviel Kultur tut Relaxen gut: Wir gönnen uns noch ein
warmes Bad in der alten Ostblock-Badetherme am Talschluss des Kanina Tales in Okhianitsa.

Frauenpower am Kutelo
Strahlend blauer Himmel und die kalte Nacht sorgen für perfekte Bedingungen für unsere letzte Tour auf den Kutelo (2908 m), der mit seiner Ostflanke eine letzte rassige Abfahrt verspricht. Von Bansko aus ist die Gipfelpyramide im strahlenden Weiss gut zu erkennen. Maya (die Freeride Lady von Bansko) packt an der Talstation ihren fetten, grünen "Bandit-Squad"-Ski aus um uns für die Tour zu begleiten. Bei soviel Frauenpower kann nichts mehr schiefgehen und wir verlassen die noch ruhige Talstation von Bansko voller Tatendrang. Schweißtreibend ist der steile, weglose
Aufstieg durch den Hochwald der Banderitsa Weiden, der zunehmend lichter wird, als wir die offenen Hänge und Rücken zum Kutelo hochspuren. Die Damen treiben zügig weiter Richtung Gipfel. Den stärksten Herrn der Gruppe plagen die Krämpfe im Oberschenkel, was die Damencrew wiederum zu einer Lynchaktion am geschundenen Körper des Athleten verführt, bis dieser wieder laufen mag.

Wilder Ritt nach Bansko
Wird es später heißen: "Gewalt von Frauen" oder waren die Damen des Teams einfach fitter? – das Schlussfoto unserer Kutelo Tour zieren nur die sportlichen Körper und charmanten Gesichter von Anita, Marina und Maya, während fast alle
männlichen Skifreunde in der Scharte vor dem Gipfel oder im Tal ausharren mussten. Beide Geschlechter wieder vereint, freuen wir uns auf gemeinsame 1300 Höhenmeter mit schnellen, langen Schwüngen im Firn und dem Finale in einem Couloir durch den Wald. Maya bietet uns Gästen höflichst den Vortritt, lässt erst gegen Ende des wilden Rittes Ihre Erfahrung im Freeride Geschäft zur Geltung kommen - mit ihren fetten "Squad"-Brettern souverän durch den immer weicher werdenden Schnee cruisend, springt Sie auch noch cool über kleinere Felsstufen im Couloir. Bei Frühlingstemperaturen auf der Sonnenterrasse der Talstation, stoßen wir mit Capuccino und Bier auf unsere letzte geniale Abfahrt an – und strahlen mit Ivo und Maya um die Wette.

Ende des Roadmovie – Sofia
Frühlingsanfang (Martenitsa) in Sofia und übermorgen ist Nationalfeiertag. Die Bulgaren wünschen sich mit den rot-weißen Glücksbändchen am Arm einen sonnigen, erfüllten Frühling. Vor dem kurzen Flug zurück nach München und Zürich ist noch viel Zeit für einen Bummel in der Hauptstadt. Die Alexander-Nevski-Kathedrale, die vielen frischen Früchte auf dem Samstagsmarkt und in den Straßencafés sitzen junge, weltoffene Bulgaren. Es tut sich was in diesem jungen, alten europäischen Land und ich freue mich schon auf das nächste Wiedersehen im Schnee mit unseren Freunden vom Balkan.

Hermann Berie


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