
Zwillingsseil

Cover Band I

Klemmkeile

Express-Schlinge

Abseilen

Karabiner

Christian Bindhammer

Sackstich

Friend

Einsetztechnik für Friend

Einsetztechnik für Friend
'Sicherheit am Berg' - Alpenrouten
M2b Redaktion am 14.07.2004 - 18:40 Uhr
Die Alpen bieten vielfache und fantastische Möglichkeiten zum Klettern. Wer sich in dieser beeindruckenden Kulisse in freier Natur dem Unternehmen stellen möchte, eine sogenannte Alpenroute zu bewältigen, sollte sich jedoch zunächst bewusst machen, welche grundlegenden Unterschiede zwischen Alpenrouten und denen im Klettergarten bestehen.
Über mehrere Seillängen am Fels
Bei einer Alpenroute ist man zunächst definitiv über mehrere Seillängen am Fels unterwegs. Die Routen reichen von Genussklettereien im unteren Schwierigkeitsgrad bis hin zu extremen Herausforderungen für bereits sehr erfahrene und fortgeschrittene Kletterer. Auf solche Begebenheiten kann man aber auch in einem Klettergarten treffen. Was also macht die Besonderheit einer Alpenroute aus?
Die Besonderheiten einer Alpenroute
Vier Punkte lassen sich hier hervorheben.
1. Die Absicherung: Da die Mehrseillängenrouten oft nicht gut abgesichert sind, muss man wesentlich mehr Sicherungsmaterial am Klettergurt mit sich führen.
2. Die Routen-/Wegfindung: Erscheint einem die Route von unten aus noch ganz klar, so kann man - sich einmal in einer über mehrere Hundert Meter in die Höhe reichende Wand befindend - leicht die Orientierung verlieren und unter Umständen einen falschen Weg einschlagen.
3. Der Rückweg: Dieser ist bei einer Alpenroute oft nicht über Abseilen möglich. Meistens muss man - einmal den Gipfelerfolg erlebt - normal absteigen. Bei einer Route von rund zehn Seillängen macht dies einen Abstieg von gut 300 bis 400 Metern aus, für den man mit Sportkletterschuhen nicht gut gewappnet ist. Deshalb sollte man für diese Fälle Bergschuhe im Rucksack mitnehmen oder den neuen
Kletterschuh 'Tornado' von Red Chili ausprobieren, der sich mit seiner gedämpften Sohle auch für Abstiege eignet.
4. Die Psyche: Bei solch einer langen Belastung spielt neben der guten Ausrüstung auch das Zusammenspiel von Körper und Geist eine ausschlaggebende Rolle. Dabei sind die psychischen Belastungen bedingt durch die extremen Höhen und die spärliche Absicherung auf keinen Fall zu unterschätzen!
Topos erleichtern das Planen
Wie bei jeder Tour, ist auch für das Klettern einer Alpenroute die Planung im Voraus ein absolutes Muss. Man sollte sich zunächst genauestens überlegen, welchen Kletterpartner man mitnimmt. Denn eine gut eingespielte Seilschaft ist am Fels immer schneller und sicherer unterwegs. Eine solche Route zu planen, wird durch Routenskizzen - sogenannte Topos - um ein Wesentliches erleichtert. Darin befinden sich genaue Angaben zu Einstieg, Verlauf, Länge, Schlüsselstellen, Schwierigkeitsgrad und Ausstieg der Route, sowie auch das benötigte Material und viele hilfreiche Informationen mehr. Das Topo sollte deshalb als ständiger Begleiter im Rucksack dabei sein.
Frühaufsteher sind gefragt
Ist die Route ausgesucht und die Wetterverhältnisse stimmen, kann es eigentlich losgehen mit der Kletterei. Alpenrouten sind jedoch nichts für Langschläfer: Mit dem Einstieg in die Route sollte man möglichst früh am Morgen starten. Nicht nur aufgrund der zeitlich langen Unternehmung, sondern vor allem auch, weil man so die Vorteile der ersten Seilschaft genießen kann. Dazu zählt vor allem, dass fallende Steine kaum ein Problem darstellen. Steinschlag wird nämlich zumeist von Vorauskletternden ausgelöst und als erste Seilschaft hat man niemanden über sich. Das schließt jedoch keinesfalls aus, dass jeder Kletterer seinen Kopf vor genau diesem Steinschlag mit einem Helm sichern sollte! Denn immerhin hat man als Sichernder seinen Kletterpartner über sich und Steinschlag gibt es im Gebirge generell auch so.
Wetterfeste Bekleidung ist ein Muss
Was die Ausrüstung betrifft, ist es zunächst einmal wichtig, Funktionsbekleidung zu tragen. Auf jeden Fall sollte Regenbekleidung immer griffbereit im Rucksack - den am besten der Nachsteigende trägt - mitgeführt werden. Denn die Alpen sind für plötzlich auftretende Wetterumbrüche bekannt. Da kann selbst die Wettervorhersage nur eindruckgebend wirken. Mit wetterfester Kleidung ist der eigene Körper vor Wind oder gar auftretendem Regen an der freien Felswand im alpinen Gebirge geschützt. Anderenfalls führt ein Wetterumbruch schnell zur Unterkühlung, die fatale Folgen hätte und das Weiterklettern sogar unmöglich machen kann.
Gurte anlegen und anseilen
Es ist auf jeden Fall vorteilhaft zum Klettern einen Hüftgurt mit einem Brustgurt zu kombinieren. Leider ist es beim Sportklettern Mode geworden, lediglich einen Hüftgurt zur Sicherung zu tragen. Denn dabei kann der Oberkörper selbst bei kleinsten, unerwarteten Stürzen viel zu schnell nach hinten gerissen werden, was wiederum zu schweren Verletzungen im Lendenwirbelbereich führen kann. Sind beide Gurte angelegt gilt es sich mittels Achter- oder Bulinknoten durch die Sicherungsschlaufen oder einen Karabiner anzuseilen und mindestens zehn Zentimeter Seil aus dem Knoten herausstehen zu lassen. Bei Mehrseillängen-Routen wird für die Sicherungslegung und zum Abseilen in der Regel ein sogenanntes Zwillingsseil benutzt. Dieser doppelte Seilstrang besteht aus zwei verschiedenfarbenen Seilen, die mit sieben bis acht Millimeter Durchmesser etwas dünner sind, als Einfachseile, die beim Sportklettern zum Einsatz kommen.
Sicherungsmaterial für den Vorstieg
An dieser Stelle kommt der wohl größte Unterschied zwischen Klettergarten und Alpenroute zum Ausdruck. Für den Vorstieg bei einer Alpenroute gehört an die Materialschlaufen des Gurtes umfangreiches Sicherungsmaterial: Dazu zählen zunächst unbedingt ausreichend
Express-Schlingen (z.B. von Black Diamond), sowie Friends und Klemmkeile für Zwischensicherungen - falls nicht genügend Haken in der Route angebracht sind, einzelne Karabiner, ein Bandschlingen-Set zum Zwischensichern und zum Bau eines Standplatzes und eine gut gefüllte Chalkbag. Wer ganz auf 'Nummer sicher' gehen will, sichert am besten alle Haken in der Route durch Klemmkeile oder Friends zusätzlich ab. Denn mit jeder Eigensicherung hängt die 'Hoffnung' ein kleines Stück höher. Jedoch sollte man sich auch nicht unnötig mit Gewicht durch zu viel Sicherungsmaterial belasten. Was die Auswahl und den Umfang des benötigten Sicherungsmateriales angeht, bietet ein Topo hilfreiche Informationen.
Sicherungsmethoden
Im Gegensatz zum Sportklettern in der Halle wird beim Sichern in Alpenrouten nicht nur auf die Körpersicherung über einen HMS-Karabiner am Gurt oder ein GriGri zurückgegriffen. Denn bei dieser Sicherungsmethode ist der eigene Köper des Sichernden ein Teil der Sicherungskette. Vielmehr wird hierbei oft die Fixpunkt- oder Zentralpunktsicherung eingesetzt. Sie hat zum Vorteil, dass nur der sogenannte 'Stand' belastet wird, nicht aber der Körper des Sichernden, was diesem mehr Sicherheit gewährleistet. Welche der beiden Sicherungsmethoden zum Einsatz kommt, ist letztlich immer davon abhängig, wie gut der Standplatz ist.
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