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'Sicherheit am Berg' - Klettergärten
M2b Redaktion am 30.06.2004 - 17:40 Uhr
Alle, die endlich draußen klettern und erste Erfahrungen mit dem Element Fels machen möchten, sind in einem Klettergarten zunächst am besten aufgehoben. Bohrhaken für die Sicherung im Vorstieg und Umlenkketten, Bühler oder Bohrhaken mit Ringen für das Einhängen des Seils am oberen Ende einer Kletterroute sind hier meistens fest fixiert und zu Genüge vorhanden. Natürlich sollte immer ein Kletterpartner dabei sein, der den Vorstieg erledigen kann.
Möglichkeiten vor Ort
In Deutschland sind Klettergärten zumeist in alten Steinbrüchen angesiedelt. Es gibt aber auch 'Gärten', in denen ausgediente Türme und Gebäude darauf warten, beklettert zu werden oder eben solche direkt am Bergmassiv. In welcher Form auch immer, sind sie als ein gesamtes Übungsareal mit verschiedenen Sektoren anzusehen. Man kann dort sowohl an Felsklötzen bouldern, als auch zahlreiche Routen in der Vertikalen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Höhen klettern. Hier trifft man alle, vom Einsteiger bis zum fortgeschrittenen Kletterer, der seine Herausforderung in den extrem langen und schwierigen Routen sucht. Die Einstiege der Routen sind größtenteils gekennzeichnet und mit ihrem jeweiligen Schwierigkeitsgrad versehen. Für den Anfang sollte man sich jedoch nicht zu viel zumuten.
Grundlegende Sicherheitsregeln
Wen es also in einen Klettergarten zieht, der sollte zunächst auf jeden Fall die
'Zwölf Kletter-Gebote' des OeAV verinnerlicht haben. Um letztlich auch wirklich sicher klettern zu können, sollte man nicht nur die eigene Montur, sondern auch die des Partners unbedingt überprüfen: Geschlossene HMS-Karabiner - offene haben eine geringere Bruchkraft und können so bei Stürzen brechen - sowie geschlossene und zurückgeführte Schnallen am Gurt und die richtige Technik des Anseilknotens sind das A und O vor jeder Kletterei. Was das Sichern anbelangt ist leider auch immer wieder auf die grundlegende Regel hinzuweisen, dass das Bermsseil niemals losgelassen werden darf.
Sicherungs-Techniken
Die HMS-Sicherung ist die Allround-Sicherungsmethode beim Sportklettern. Sie ist einfach zu erlernen - durch eine spezielle Seilschlaufe - und günstig, da nur ein HMS-Karabiner benötigt wird. Wichtig ist dabei, dass beide Seilteile - also auch das Bremsseil - immer nach oben geführt werden.
Beim Sichern mit dem Abseilachter sollte nur ein fixierter Achter verwendet werden. Die Achtersicherung ist sowohl zum Sichern des Vorsteigers als auch zum Topropen geeignet. Vorsicht nur beim Entfernen des Achters: durch das Ablassen des Kletterpartners wird dieser nämlich extrem heiß. Da die Bremswirkung beim Sichern mit 'Achter' relativ niedrig ist, sollten nur erfahrene Kletterer mit dieser Methode sichern.
Das GriGri ist ein selbstbremsendes Sicherungsgerät. Im Falle eines Sturzes erfolgt die Blockierung automatisch durch einen drehbaren Klemmnocken, sodass der Sichernde nur das freie Seilende umfassen muss. Zum Sichern bewegen beide Hände das Seil gleichmäßig durch das Gerät und zum Ablassen wird die Blockierung durch das Aufklappen des Hebels aufgehoben. Das Ablassen mit GriGri bedarf etwas Übung.
Nötige Ausrüstung
Was die Ausrüstung angeht, gehören Kletterschuhe
(z.B. von Red Chili) und Sitzgurt, Karabiner und eine Chalkbag
(z.B. von Marmot) - genauso wie beim Klettern in der Halle - zur Grundausrüstung eines jeden Kletterers. In einen Klettergarten muss man des Weiteren auf jeden Fall ein Kletterseil von mindestens 60 Meter Länge und genügend Express-Schlingen für die Sicherung im Vorstieg mitbringen. Eigene Klemmkeile für Zwischensicherungen werden meistens nicht benötigt. Da es selbst im Klettergarten zu Steinschlag kommen kann, sollte der Kopf immer mit einem Helm geschützt sein. Für jede Kletterttour gilt dann die Regel, sein gesamtes Material vor dem Einsatz auf Verschleiß zu überprüfen.
Material-Check
Wann man sich ein neues Seil zulegt, muss man im Endeffekt selbst abwägen, da es hier keine Faustregel gibt. Wer sein Seil jedoch ständig nutzt und bereits viele Stürze erlebt hat, sollte es baldmöglichst auswechseln. Reißen können Seile eigentlich nur, wenn sie über extrem scharfe Felskanten verlaufen. Das kommt bei Sportkletterrouten meistens nicht vor, da der Fels in der Regel so überhängend und grifflos ist, dass kaum scharfe Felskanten auftreten. Man sollte sich jedoch spätestens ein neues Seil zulegen, wenn der Seilmantel beschädigt ist oder man sogar den Seilkern sehen kann. Hier Klebeband zum Flicken zu benutzen, wäre fatal. Klettergurte können ohne Probleme fünf bis sechs Jahre eingesetzt werden, vorausgesetzt die Nähte und Schnallen sind intakt und weisen keinen Verschleiß auf.
Sicherheit im Vorstieg
Was den Vorstieg betrifft: Beim Anbringen der Express-Schlingen am Bohrhaken ist darauf zu achten, dass der Schnapper vom Fels wegzeigt, da er sonst durch das Anliegen am Fels aufgedrückt werden kann. Selbst wenn er sich dadurch nicht ausklingt, kann es dennoch leicht passieren, dass der Festigkeitsgrad des offenen Schnappers nicht ausreicht, um Stürze abzufangen. Die Schnapper der 'Expresse' variieren in ihrem Festigkeitsgrad. Je höher dieser ist, desto größer ist seine Bruchlast. Dabei sollte man auch auf die Bruchlast des Schnappers im offenen Zustand achten. Damit das Seil, das in den Schnapper der Expresse eingehängt wird, sich nicht von allein aushängen kann, muss man auf eine korrekte Seilführung im Schnapper oder Karabiner achten: das Seil muss von unten nach oben einlaufen. Ist es von oben nach unten eingehängt, kann es den Schnapper und die Schlinge drehen und somit das Selbstaushängen des Seiles auslösen.
Wartung der Routen
Die Halter der Klettergärten - das sind oft alpine Vereine - warten die Routen grundsätzlich in regelmäßigen Abständen. Doch obwohl Bohr- und Umlenkhaken zumeist auf ausreichenden Halt und Qualität geprüft werden, sollte man auch selbst ein Auge darauf haben. Verrostete oder lose Haken bieten keine ausreichende Sicherung. Deshalb beim Toprope-Klettern am besten immer die obersten zwei Expresse vor dem Umlenkhaken zur Absicherung eingeklickt lassen.
Haftung im Klettergarten
Für Klettergärten gilt in punkto Haftung zunächst einmal das Gleiche, wie in Sportkletterhallen: man klettert auf eigene Verantwortung. Der Kletterer kann also niemanden dafür verantwortlich machen, wenn er abrutscht, aus Unachtsamkeit stolpert oder in Folge von Übermüdung abstürzt. Der ehemalige Rechtsreferent des Österreichischen Alpenvereins, Dr. Andreas Ermacora, erklärte hierzu folgendes: Für einen mangelnden Zustand am Klettergarten (verrostete oder lose Bohrhaken etc.) ist immer der Halter verantwortlich - also derjenige, der die Kosten für die Errichtung oder Erhaltung des Klettergartens trägt und die Verfügungsmacht hat. Halter von Klettergärten sind oft alpine Vereine, während die Grundeigentümer meistens Agrargemeinschaften oder die Bundesforste sind.
Der Fels ruft
Wer die aufgeführten Sicherheits-Hinweise beachtet, die richtige Ausrüstung im Gepäck hat und vor allem sein eigenes Können nicht überschätzt, den sollte eigentlich nichts mehr vom sicheren Klettern im Klettergarten abhalten. Im nächsten Teil gibt es alles Wissenswerte über die Sicherheit beim Klettersteig-Gehen und die dafür nötige Spezial-Ausrüstung zu lesen. Bis dahin viel Spaß und Erfolg beim Klettern!
Quellen und Literatur
-Pit Schubert, 'Sicherheit und Risiko in Berg und Eis - Band I', 6. Auflage 2001, ISBN 3-7633-6016-6
- Pit Schubert, 'Sicherheit und Risiko in Berg und Eis - Band II', 1. Auflage 2002, ISBN 3-7633-6018-2
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