
Viertelfinalwand

Publikum

Die Routenbauer

Publikum

Kilian Fischhuber (AUT)

Timo Preußler

Kucsera und Knoche

Impression

Boulderwand

Impression

Angela Eiter (AUT)

Vidmar (SLO) und Puigblanque (ESP)

Wandbesichtigung

Tomás Mrazek (CZE)

Olha Shalagina (UKR)
Felix Austria: Kletter-WM 2005 in München
M2b Redaktion am 12.07.2005 - 14:27 Uhr
In erster Linie hat die Weltmeisterschaft in allen drei Disziplinen hervorragenden Klettersport geboten. Dabei waren die Leistungen der Ukrainerin Olha Shalagina und des Russen Salavat Rakhmetov herausragend: Die Titelträger im Bouldern lösten alle sechs Aufgaben im Finale auf Anhieb. Nicht minder überzeugend präsentierte sich Angela Eiter. Die Österreicherin setzte ihren seit Monaten anhaltenden Weltcuperfolgen die WM-Krone auf: wie würdig! Auch wenn einige deutsche Finalteilnahmen knapp scheiterten: Mit Lisa Knoche und Timo Preußler haben deutsche Wettkampfkletterer überzeugt und ganz vorne mitgemischt.
Begeisterndes Boulderfinale
Zum Abschluss der Bewerbe eröffneten die Damen das Boulderfinale und Olha Shalagina zog sich tatsächlich an allen sechs Problemen im ersten Versuch bis zum Top. Eine ganz starke Vorstellung, die von der Herrenkonkurrenz dramaturgisch aber noch getopt wurde: Kilian Fischhuber (AUT) nahm vier Boulder, nach ihm Nalle Hukkataival (FIN) gar fünf im ersten Anlauf. Nachdem der Österreicher für Problem fünf und sechs nur jeweils zwei Versuche gebraucht hatte und Hukkataival am sechsten Boulder gänzlich gescheitert war, durfte sich Fischhuber berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen. Schließlich mahnte aber der schon in der Qualifikation bärenstarke Salavat Rakhmetov als letzter Starter, auf ihn zu warten: Der Russe löste zum Abschluss und entscheidend auch den sehr schweren sechsten Boulder, der die meisten Kletterer hatte abblitzen lassen - Finale furioso, auch im Alter von 37 Jahren kann man Weltmeister werden!
Um ein Haar hätte Peter Würth seinen Teil zu einem spannenden Boulderfinale beigetragen, doch dem Kirchheimer fehlte am Ende ein Top für den Einzug in die entscheidende Runde. Als 20. des Halbfinals musste er sich vorzeitig verabschieden. In der Damenkonkurrenz war Nicola Haager (Bayreuth) auf Position 35 beste Deutsche.
Tragödie
So knapp der Finne Hukkataival im Bouldern an einer Sensation vorbei schrammte: Ungleich unerträglicher dürfte die Situation für Ramón Julián Puigblanque sein. Der Spanier hatte, aus welchen Gründen auch immer, den verschobenen Isolationsschluss für das Lead-Finale um zwei Stunden verpasst, er wurde daraufhin disqualifiziert; der Halbfinalbeste war jäh ausgeschieden bevor es überhaupt losging. Drei Herren hatten später das Top erreicht, die bessere Halbfinalplatzierung reichte dem überzeugenden Tomás Mrazek (CZE) zur Titelverteidigung vor Patxi Usobiaga (ESP) und Alexandre Chabot (FRA).
Disqualifiziert zu werden war sicher auch für die Chinesin Cuifang He bitter, die im kleinen Speedfinale um Bronze die Wand mit einem Fuß seitlich verlassen hatte. Noch schwerer zu ertragen ist es aber, aus formalen Gründen gar nicht erst antreten zu dürfen. Im Eifer des Gefechts aus der Wand zu drehen, das kann passieren. Puigblanque aber hat einen schweren Schlag erlitten. Allein: Zu ändern ist daran nichts, die Regeln sind bekannt. Er wird sich davon erholen. Wie aber konnte das passieren?
Schwierigkeitsklettern vor 5.000 Zuschauern
Halbfinale und Finale im Schwierigkeitsklettern lockten die meisten Zuschauer in die Halle. Am Vormittag beobachteten 1.500 Besucher die Vorschlussrunde, abends kamen 3.500 zur Entscheidung. Neben Flavio Crespi (ITA), Yuji Hirayama (JAP), Evgueni Ovtchinnikov (RUS), Antoney Sapei und Daniel Winkler (beide SUI) hatten im Halbfinale auch Bindhammers (Kempten) und Markus Hoppe (Dresden) die Segel streichen müssen - nur wer getopt hatte, war ins Finale eingezogen.
Das wurde dann von Timo Preußler eröffnet, der eine gute Leistung vorlegte und schließlich vier Athleten hinter sich lassen konnte. Preußler hat bei der WM das Maximum aus sich heraus geholt, er war "platt, mehr war nicht drin". Sein Ziel, am Ende der Weltcupsaison unter den besten Zehn zu rangieren, ist nicht vermessen.
Grund zur Freude
"Wer, wenn nicht wir?", antwortete der österreichische Trainer Reinhard Scherer auf die Frage, ob die Teamleitung denn mit den Ergebnissen der eigenen Aktiven zufrieden sei. Dem ist nicht hinzuzufügen: Gold für Eiter und die Plätze acht und elf durch Katharina Saurwein und Gerda Raffetseder im Lead-Bewerb, Silber für Fischhuber und Platz fünf von Anna Stöhr beim Bouldern. Mark Amann verlor im Speed-Achtelfinale gegen Maxim Stenkovoi (UKR), dem späteren Silbermedaillen-Gewinner, der auch für Gold gut gewesen wäre, im Finale aber von der Wand rutschte. Der Sieg im Speedfinale ging an den Russen Evgeny Vaitsekhovski, Bronze holte sein Landsmann Serguei Sinitsyne. Bei den Damen siegte Olena Ryepko (UKR) vor Valentina Yurina (RUS) und Edita Ropek (POL).
Vier Dutzend Länder waren in München vertreten. Österreich kann reichlich Spitzenplatzierungen aufweisen, zudem zwei Medaillen. Erfolgreichste Nation der WM 2005 war Russland vor der Ukraine und Österreich, neun Nationen holten bei sechs Entscheidungen Medaillen. Ohne Medaille blieb, trotz starker Leistungen, auch die Schweiz. Cédric Lachat schrammte als Vierter im Leadbewerb nur knapp am Edelmetall vorbei. Der Abstand zu den drei Erstplatzierten war allerdings deutlich.
Einzigartig: Bei allen Weltmeisterschaften dabei
Der Russe Evgueni Ovtchinnikov war in München der einzige Kletterer, der seit der WM-Premiere in Frankfurt 1991 bei allen Weltmeisterschaften am Start war. 2005 hat er den Einzug ins Schwierigkeitsfinale als Zwölfter knapp verpasst.
Blick zurück und nach vorne
Zu den Leistungen der Deutschen und zum Verlauf der Weltmeisterschaft, auch zu den mitunter enorm langen Wartezeiten in der Isolation, äußern sich Stefan Winter (DAV), Christoph Finkel (Bundestrainer) und Erwin Marz (Moderator) in Videointerviews, die unter dem Text verlinkt sind. Die WM-Sonderseite hat zudem Videos, Videoanalysen, Bildergalerien und Ergebnislisten zu bieten. Die WM-Sonderseite ist unter dem Text verlinkt.
Hundsgemeiner Niederschlag
Nicht ungehört bleiben darf die Stimme, die mahnt, dass die WM zwar im Rahmen der ispo stattfand, bei den Lebensmittelpreisen in Halle B6 - Messe hin, Messe her - sollten für mitunter aufgebackene und knüppelharte, in ihrer Größe absolut überschaubare Baguettes dennoch nicht vier Euro, oder für einen warmen "Kinderteller" gar neun von den neuen Dukaten abkassiert werden; was für eine Frechheit! Da ist man dann doch geneigt, gutes Benehmen über Bord zu werfen. In den ersten Tagen ist das Essen zum Abend hin zudem ausgegangen; Mensch: Bei solcher Knappheit hätte man die "Brotbriketts" noch gewinnbringender versteigern können.
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