
Damaris Knorr

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WM 2005

Damaris Knorr

Damaris Knorr
Kletter-WM 2005: Interview mit Damaris Knorr (06/2005)
M2b Redaktion am 28.06.2005 - 10:23 Uhr
Damaris Knorr, geboren am 05.Oktober 1971, trainiert beim DAV Ludwigsburg. 2003 holte sie den nationalen Meistertitel im Schwierigkeitsklettern. Der Deutsche Alpenverein bat Knorr um einige Antworten.
Alpenverein: Wann hast du mit dem Klettern angefangen und wie bist Du zu dieser Sportart gekommen?
Damaris Knorr: Ich habe 1993 mit dem Klettern angefangen. Mein damaliger Freund hatte mich zum Klettern mitgenommen und ich war total begeistert.
Alpenverein: Als Sportkletterer muss man bis in den kleinsten Muskel trainiert sein. Was tust Du, um fit zu bleiben?
Damaris Knorr: Zum einen natürlich die Muskeln ganz gezielt trainieren, zum anderen nach dem
Training oder an Ruhetagen gut dehnen und zwei- bis dreimal die Woche zur besseren Regeneration laufen.
Alpenverein: Bis zur Weltmeisterschaft sind es noch sieben Wochen. Wie bereitest Du Dich noch darauf vor?
Damaris Knorr: In der Wintersaison habe ich ein ganz gezieltes Maximalkraft- und Aufbautraining gemacht. Darauf folgten jetzt mehrere Einheiten im Ausdauerbereich. Leider bin ich zurzeit verletzt, kann nicht trainieren und auch nicht beim nächsten Welt-Cup starten, was wiederum meine Teilnahme an der Weltmeisterschaft noch in Frage stellt.
Alpenverein: Was waren für Dich Deine größten Erfolge beim Klettern?
Damaris Knorr: Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2003, mehrere vierte Plätze bei verschiedenen Welt-Cups und die mehrmalige Teilnahme am Rock Master in Arco.
Alpenverein: Welche Ziele hast Du beim Klettern? Was möchtest Du in Deinem Sport erreichen?
Damaris Knorr: Ich möchte meine physischen und psychischen Grenzen erfahren und sie möglichst weit nach oben verschieben. Ich möchte irgendwann zurückblicken und sagen können, dass ich meine Möglichkeiten voll ausgeschöpft habe und zufrieden damit bin.
Alpenverein: Was macht einen guten Kletterer aus?
Damaris Knorr: Bei einem guten Kletterer sollte in erster Linie das Kraftniveau stimmen. Doch Kraft allein macht noch lange keinen guten Kletterer aus. Für mich muss ein guter Kletterer im on-sight blitzschnell neue, ungewohnte und schwierige Situationen erkennen und das Potential haben, sich ebenso schnell darauf einzustellen. Er muss kreativ in der Lösungsfindung und in der Bewegungsausführung sein und nicht stur irgendwelchen Plänen nachklettern. Außerdem gehört zu einem guten Kletterer auch psychische Stärke, damit er dem Leistungsdruck standhalten kann.
Alpenverein: Welche Vorteile bringt Dir das Klettern im Alltag?
Damaris Knorr: Als erstes natürlich eine gute, durchtrainierte Figur und körperliche Fitness. Zum anderen habe ich beim Klettern gelernt, Stressfaktoren von außerhalb, die mich beeinflussen könnten, möglichst auszublenden und mich nur auf den Moment zu konzentrieren. Das hilft mir auch im Alltag, bei der Arbeit und bei schwierigen Aufgaben, meine Konzentration auf den Punkt zu bringen.
Alpenverein: Stell Dir vor, Du würdest nicht Klettern – welche Sportart wäre es dann für Dich geworden?
Damaris Knorr: Schwer zu sagen. Klettern ist für mich zu einem so wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden, dass ich es mir ohne gar nicht vorstellen kann. Aber da ich früher mal geturnt habe, würde ich jetzt wahrscheinlich immer noch turnen (in der „Altdamenriege“ halt). Ansonsten wäre es auf jeden Fall auch eine Outdoor-Sportart geworden. Vielleicht würde ich das Laufen zusammen mit meinem Bruder leistungsmäßig betreiben.
Alpenverein: Was machst Du, wenn Du nicht kletterst – hast Du noch andere Hobbies?
Damaris Knorr: Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich leider nicht beim Klettern, sondern bei der Arbeit, wobei das natürlich nicht als Hobby zu betrachten ist. Wenn also zwischen Arbeit,
Training und Haushalt noch freie Zeit übrig bleibt, verbringe ich diese am liebsten mit Lesen, Wandern, Joggen, Gärtnern und Faulenzen – mit wechselnden Favoriten.
Alpenverein: An was denkst Du, wenn Du in der Wand hängst?
Damaris Knorr: Ich versuche möglichst alles auszublenden und mich nur auf die Tour zu konzentrieren, auf die nächsten Zugfolgen und an nichts anderes zu denken. Manchmal gelingt dies allerdings nicht so gut: Die Gedanken schweifen ab, man sieht den letzten Haken ziemlich weit unter sich, man traut sich den nächsten Zug nicht zu... Leider lässt dann auch meistens der Abflug nicht mehr lange auf sich warten.
Alpenverein: Hast Du bestimmte Rituale bevor Du in die Wand steigst?
Damaris Knorr: Ich gehe die Tour noch mal im Geiste durch, versuche mir alles genau einzuprägen, dann atme ich ein paar Mal richtig tief durch und versuche, körperlich ein bisschen zu entspannen, um die Nervosität weg zu bekommen.
Alpenverein: Hast Du Dich beim Klettern schon Mal schwer verletzt? Ändert dieses Erlebnis Deine Einstellung zum Klettern?
Damaris Knorr: Schwer verletzt habe ich mich eigentlich noch nicht. Bis jetzt habe ich mir nur immer wieder verschiedene Überlastungsschäden zugezogen, die meistens auch sehr schmerzhaft und langwierig waren. Oft wären diese Verletzungen vermeidbar gewesen, weil sie entweder im schlecht aufgewärmten oder im müden Zustand entstanden sind. Nach solchen Erlebnissen versuche ich jetzt schon viel mehr auf meinen Körper zu hören.
Alpenverein: Was ist Dein "höchstes" Ziel?
Damaris Knorr: Rein sportlich gesehen, ohne Daten und Fakten zu nennen: mein Potential voll ausschöpfen, meine Grenzen voll ausloten und ein fairer Gegner sein.
Alpenverein: Wo macht ein Kletterer Urlaub?
Damaris Knorr: Da, wo es Felsen gibt, gute Routen, das Wetter gut ist und das Drumherum auch stimmt. Hieße in meinem Fall, auch die Ruhetage müssen möglichst abwechslungsreich und interessant zu gestalten sein.
Alpenverein: Klettern ist ein Sport für abenteuerhungrige Männer, die im Sonnenuntergang halbnackt an endlos hohen Felswänden hangeln. Was hältst Du von diesem Klischee?
Damaris Knorr: Prinzipiell habe ich gegen gut gebaute, halbnackte Männer eigentlich nichts einzuwenden... Das Klettern hat natürlich immer noch ein bisschen den Touch, eine sehr verwegene Sportart zu sein, die nur für ganz besondere Abenteurer vorbehalten ist. Eigentlich stört mich dieses Image nicht besonders, verleiht es uns Kletterern doch noch so ein bisschen das Gefühl von Exklusivität gegenüber anderen Trendsportarten.
Stand: 25.05.05
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