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Andreas Bindhammer

Die Kletteranlage in Kempten

Klettercup in Kempten/Allgäu

Christian Bindhammer

Markus Hoppe

Herren Siegerehrung

Damen Siegerehrung

Deutscher Sportklettercup 2005 in Kempten: Vom Allerfeinsten

Walter Hölzler am 20.06.2005 - 00:35 Uhr

Die Veranstalter der DAV-Sektion Kempten wurden für ihre Mühe belohnt: Das Seniorenfinale des Deutschen Sportklettercups in Kempten fand unter blauem Himmel in einer herrlichen Umgebung und vor begeisterten Zuschauern statt. Ein ähnliches, wenn auch etwas größeres Kletterevent gibt es nur noch beim legendären Rockmaster in Arco, wenn sich jedes Jahr im September die besten Kletterer zum Wettkampf treffen.

Leistungen: überzeugend
Das deutsche Starterfeld im Finale der Herren kann sich sehen lassen: Vier dieser starken Athleten - Andreas Bindhammer, Christian Bindhammer, Timo Preußler und Markus Hoppe - gehören schon lange zur absoluten Weltspitze im Schwierigkeitsklettern. Jeder von ihnen kann mehrere Weltcupergebnisse unter den Besten 15., sogar bis hin zum Weltcupsieg, vorweisen. So stellte sich auch am Samstagabend im Kempten nur noch die Frage, wer im Finale denn wohl einen optimalen Lauf und das letzte Quäntchen Glück haben würde, um vor den anderen zu landen.

Hoppe: schön anzusehen
Den schönsten Kletterstil zeigte meiner Meinung nach, wie so oft, der Ästhet Markus Hoppe aus Dresden. Ok: vermutlich bin ich etwas befangen. Zwei Jahre lang war ich der Trainer von Markus und habe versucht, ihm den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg zu geben. Bis heute verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Seine Bescheidenheit und Fairness machen ihn zum Vorbild für viele junge Kletterer.

Preußler: wieder da
Die größte Show macht, wie immer, Timo Preußler. Sobald es die Route zulässt, nimmt er eine spektakuläre "Ruheposition" ein und flirtet mit den Mädels im Zuschauerfeld. Trotzdem weiß er immer, um was es geht und gibt, am liebsten bei großem Beifall, alles. Nach einer einjährigen Wettkampfpause präsentierte er sich unerwartet fit; schon im Frühjahr überzeugte er mit hervorragenden Ergebnissen.

Bindhammer versus Bindhammer
Christian Bindhammer, der jüngere der zwei Brüder, ist sehr ehrgeizig und besitzt genügend Wettkampferfahrung, um bei Ausdauerrouten auf den letzten Metern nochmals richtig Gas geben zu können. Am meisten ärgert es ihn, wenn sein Bruder vor ihm rangiert - doch das ist auch die größte Motivation der Beiden und ein Gradmesser im Training.

Mit Trainingsfleiß zum Sieg
Andreas Bindhammer ist ruhig und eher angenehm zurückhaltend, als dass er sich ins Rampenlicht stellen würde. Und er weiß selbst, dass sein Kletterstil die Zuschauer nicht unbedingt von den Rängen holt, zu statisch und kraftorientiert wirken seine Bewegungen. Doch die Leistung stimmt; mit einem Trainingsfleiß, den momentan wahrscheinlich kein anderer Kletterer auf der Welt aufbringt, kompensiert er viel: Griffe, die Andi nicht halten kann, gibt es wahrscheinlich nicht - weder an der Kunstwand noch am Fels! Nur wenn es dynamisch zugeht oder Längenzüge die Schwierigkeit ausmachen, stößt er an seine Grenzen. Am Samstag hieß es an der extrem langen und ebenso extrem steilen Wand: "nur nicht loslassen". Die Züge waren gleichmäßig schwer und nicht sehr kompliziert. Nach oben hin wurden die Griffe aber so klein, dass Andi Bindhammer, je höher er kam, umso stärker wurde und sich durch seine "Wahnsinnsfingerkraft" einen kleinen Längenvorsprung vor seinem Bruder Christian verschaffen konnte.
Timo rangierte schließlich knapp vor Markus, der, wie schon beim letzten Deutschlandcup in Karlsruhe, den undankbaren vierten Platz erreichte.

Immer wieder Uhden
Das Damenfinale habe ich leider nicht gesehen. Doch wie schon im letzten Jahr und im Jahr zuvor und ein Jahr davor usw. usw. gewann in ihrem souveränen und geschmeidigen Kletterstil Marietta Uhden. Viele Kletterinnen in Deutschland haben immer wieder versucht, ihre Ausnahmeposition an der Spitze anzugreifen. Ansätze gab es mehrere, doch dabei blieb es meist. Marietta ist mit Herz und Verstand Vollprofi und weiß, wie hart es ist, sich an der Spitze zu behaupten. Noch nie sah ich sie unvorbereitet oder untrainiert an einem Wettkampf teilnehmen. Ich zolle ihr größten Respekt, denn reich wird sie damit nicht. Es beweißt aber ihre Liebe zum Sport und ihren Willen, sich im Wettkampf messen zu wollen.

Vom Allerfeinsten
In wenigen Wochen beginnt in München die Kletterweltmeisterschaft. Selbst bin ich als Schiedsrichter eingesetzt und freue mich auf spannende Wettkämpfe. Dass von den deutschen Startern Finalteilnahmen zu erwarten sind, davon bin ich überzeugt. Die Leistung in Kempten war meiner Meinung nach Weltklasse!

Sonderseite zum DSC in Kempten
Mountains2b berichtet ab Dienstag, dem 21. Juni 2005, auf einer Sonderseite ausführlich über die Veranstaltung. Unter anderem werden Videos aller Finalversuche präsentiert. Zudem gibt es vergleichende Videoanalysen.


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