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Günter Durner

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Interview mit Günter Durner (01/2004), Lawinenexperte

M2b Redaktion am 19.01.2004 - 16:50 Uhr

Günter Durner ist Betriebswirt, Organisationsprogrammierer, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Canyoning-Führer und Management-Trainer. Seit 1995 führt er die Firma "AM-Berg Alpines Managertraining", die Seminare für Führungskräfte veranstaltet. Als Bergführer war und ist er im gesamten Alpenraum unterwegs; er kann auf eine Reihe von Erstbegehungen bis zum neunten Schwierigkeitsgrad zurückblicken. Über den AM-Berg-Verlag publiziert Durner gemeinsam mit Alexander Römer und anderen Autoren Bücher zu alpinen Themen.

Mountains2b: Wie hat man sich vorzubereiten, wenn man alleine oder in einer Gruppe eine Tour auf schneebedeckten Hängen unternehmen möchte?
Günter Durner: Besonders wichtig ist eine gewissenhafte und umfangreiche Tourenplanung. Mit der richtigen Einschätzung der Lawinengefahr, der Geländebeschaffenheit und Leistungsfähigkeit der Gruppenmitglieder lassen sich genussreiche und sichere Touren umsetzen.
Wer alleine im winterlichen Hochgebirge unterwegs ist, muss sich darüber im Klaren sein, dass er bei einer Lawinenverschüttung nicht sofort gesucht werden kann. Das Risiko alleine zu gehen ist sicher größer.

Mountains2b: Was ist bei der Planung für Unternehmungen in den winterlichen Bergen zu bedenken, was zentral?
Günter Durner: Am besten man hält sich an die drei wichtigsten Faktoren im Hinblick auf eine eventuell bestehende Lawinengefahr: das sind Schnee- und Wetterverhältnisse, das Gelände und schließlich der Mensch selbst. Diese Faktoren werden dann unter den drei geografischen Filtern regionale, lokale und zonale Verhältnisse abgewägt; es handelt sich dabei um Werner Munters Ansatz, ein vorhandenes Risiko handhabbar zu machen, den letztlich alle relevanten Methoden zur Beurteilung einer Lawinengefahr übernommen haben. Für diesen Ansatz sind die Informationen des Lawinenlageberichts (LLB) zentral.
Bei der Planung ist zu beachten, dass eine zuverlässige Wetterprognose nicht mehr als drei Tage im voraus möglich ist, für das Zielgebiet einer Tour kann ich mich prinzipiell langfristiger entscheiden und diesbezüglich Kartenmaterial studieren.

Mountains2b: Welche Erkundigungsmöglichkeiten gibt es?
Günter Durner: Um eine Tour abseits gesicherter Pisten zu unternehmen, empfehle ich folgende Informationsquellen für die Planung von Zuhause aus: Internet, Videotext, Faxabruf des aktuellen Lawinenlageberichts, Wetterbericht.
Auf Tour können wichtige Informationen zusätzlich von lokalen Bergführerbüros und Hüttenwirten eingeholt werden. Allerdings sollte man nicht darauf verzichten, sich selbst ein Bild von den Verhältnissen vor Ort zu machen.
Insbesondere das Internet bietet mittlerweile auch zahlreiche visuelle Informationsquellen wie Webkameras in der Zielregion, die ein wichtiger Baustein einer vorbereitenden Planung sein können.

Mountains2b: Wie wäge ich eine Touren- und Routenwahl ab?
Günter Durner: Nach den Verhältnissen von Schnee und Wetter sowie nach dem Gelände und selbstverständlich spielt es auch eine große Rolle, mit wem ich eine Tour unternehme. Bei der Routenwahl versuche ich immer die "sicherste Route" beziehungsweise Spur anzulegen.
Gerade das Thema "Routenwahl" ist ein heikles: es existiert wenig Literatur darüber, wie eine Route im ungespurten Gelände prinzipiell zu setzen ist - zu oft marschieren Tourengeher "einfach" drauf los. Gefragt sind Überlegungen auch dahingehend, wie das vorgefundene Gelände optimal zu begehen ist, das heißt auch wenn Material und Technik mittlerweile zum Beispiel sehr steile Anstiege ermöglichen, ist der direkte Weg nicht immer der beste; Tourengeher sollten immer bereit sein, das eigene Gespür für die Natur zu schulen und darauf zu hören.
In unserm Buch "Lawinen know-how, Der Bergführer rät..." haben Alexander Römer und ich dem Thema "Taktik im Gelände" vier Seiten gewidmet - taktisch richtiges Verhalten trägt wesentlich zur Vermeidung von Lawinenunfällen bei.

Mountains2b: In welchem Verhältnis steht die vorausschauende Planung zu den konkreten Bedingungen, die man vor Ort im Gelände antrifft?
Günter Durner: Eine gute und gewissenhafte Tourenplanung dauert meist nicht länger als 20 Minuten. Im Verhältnis zur Tour, die je nach Ziel etwa sechs bis acht Stunden dauert, ist die Zeit, welche zur Tourenplanung aufgewendet wird, relativ gering - die Tourenplanung gehört dazu und macht ja auch Spaß. Der zeitliche Aufwand für eine ordentliche Planung dürfte niemanden, dem es ernsthaft um eine gute Tour geht, abschrecken.
Weiters ist es wichtig, sich - trotz Planung - eine gewisse Flexibilität und Bereitschaft zu erhalten, die im Vorfeld geplante Unternehmung vor Ort im Gelände unter Umständen doch abbrechen oder umgestalten zu müssen, weil es die vorgefundenen Bedingungen wider Erwarten verlangen.

Mountains2b: Welche Empfehlung sprechen Sie bezüglich der Tourenplanung aus?
Günter Durner: Wer sich nicht sicher ist und keine oder nur sehr wenig Erfahrung mit Touren abseits gesicherter Skipisten hat, sollte nur in Begleitung eines Bergführers unterwegs sein.

Mountains2b: Welche Fehler können während der Tour bzw. im Gelände passieren?
Günter Durner: Die Achtsamkeit ist beim Aufsteigen in der Regel größer und weicht zu häufig einer Achtlosigkeit bei der Abfahrt. Was fatale Folgen haben kann, denn die Belastungen für eine Schneedecke am Hang sind bei Abfahrten größer als bei Aufstiegen. Das Handeln frei nach dem Motto: "Die Verhältnisse sind zwar ungünstig, es wird aber schon gut gehen" führen allzu oft in große Gefahr und sogar ins Verderben.

Mountains2b: Danke für Ihre Teilnahme an diesem Interview.

Information und Kontakt:
AM-Berg, Alpines Managertraining
Burgfeldstr. 71
82467 Garmisch-Partenkirchen
fon: 08821/59393
fax: 08821/969109
mail:


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