Spezial "Richtig Nordic Walken": Verbände, ihre Philosophien, Ziele und Strukturen, Folge 3
M2b Redaktion am 13.08.2004 - 10:00 Uhr
Hallo, liebe Nordic Walking Interessierte. Der dritte Teil unseres Spezials rund um das Thema "Richtig Nordic Walken" beschäftigt sich mit den Verbänden und Vereinen des "neuen Sports". Dadurch, dass das Nordic Walking erst vor wenigen Jahren in Deutschland bekannt gemacht wurde, sieht man sich zur Zeit mehreren Verbänden gegenüber, die sich wohl erst im Laufe der nächsten Jahre zentralisieren werden.
Hier wollen wir die größten Verbände in Deutschland und in Österreich vorstellen und ihre Philosophien, Ziele und Strukturen präsentieren.
Wer macht was?
Im deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Verbände, die sich als führende Kraft im Nordic Walking bewehren wollen. Die folgenden möchten wir kurz vorstellen:
INWA - International Nordic Walking Association mit dem Mitglied GNFA - German Nordic Fitness Association
INFO - International Nordic Fitness Organisation
mit dem Mitglied DNV - Deutscher Nordic Walking Verband
VDNOWAS - Verband der Nordic-Walking-Schulen
NWCA - Nordic Walking Coach Association
DWI - Deutsches Walking Institut
ANWA - Austrian Nordic Walking Association e.V.
NWO - Nordic Walking Organisation (AUT)
DSV - Deutscher Skiverband
An der Aufzählung, die keineswegs als vollständig zu betrachten ist, sehen Sie schon, dass das Nordic Walking und der Walkingsport, was die Struktur der Verbände betrifft, noch in der Findungsphase sind.
Die INWA - International Nordic Walking Association
Die INWA ist nach eigenen Angaben die erste offizielle Association, die das Nordic Walking unterstützt hat. Sie wurde im Jahr 2000 in Finnland, dem Heimatland des Nordic Walkings, gegründet. Der internationale Verband setzt es sich zum Ziel, das "Nordic Walking und die Nordic Fitness Sportarten zu promoten und den Menschen eine Möglichkeit zu bieten, ihre Lebensqualität durch diese einfache, effiziente und sichere Form der physischen Aktivität zu verbessern".
Als übergeordnete Organisation mit ihren nationalen Verbänden legt die INWA hohen Wert auf Aus- und Weiterbildung ihrer "Instructors". Insgesamt kommt die Association auf 40 nationale "Master Trainer" und mehr als 15.000 Instructors und Ausbilder auf verschiedenen Ebenen, die durch die Strukturen der INWA in 18 Ländern ausgebildet wurden.
Der deutsche Vertreter der INWA ist die GNFA, German Nordic Fitness Association. Der Präsident ist der Sportmediziner Volker Alt.
Kontakt
German Nordic Fitness Association (GNFA)
Raiffeisenstrasse 7
92272 Freudenberg
Deutschland
fon: +49 (0) 9627 / 303
email:
Die INFO - International Nordic Fitness Association und der DNV - Deutscher Nordic Walking/Blading Verband
Die Gründung der International Nordic Fitness Association im Januar 2004 ging einher mit dem Austritt des DNV (Deutscher Nordic Walking Verband) aus der INWA. Die Gründungsmitglieder DNV, ÖNV (Österreichischer Nordic Fitness Verband e.V.), SNO (Swiss Nordic Fitness Organisation e.V.), ANI (Associazione Nordic Fitness Italiana) und USNA (United States Nordic Fitness Association) sehen sich nicht als einen Sportverband, sondern als "Interessensgemeinschaft zur Förderung gesundheitlicher Bewegungsformen mit Stöcken". Hierzu hat die INFO Mediziner, Ernährungswissenschaftler und -berater, Diplomsportlehrer, Krankengymnasten, Bewegungstherapeuten, Wissenschaftler und Publizisten in ihren Reihen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Nordic Fitness- Bewegungsarten einheitlich zu fördern und zu unterstützen.
Das Nordic Walking ist für diese Organisation keine Sportart, sondern ein Teil eines Bewegungskonzepts, das über 6.000 ausgebildete Basic Instructoren vermitteln sollen. Damit ist die INFO nach eigenen Angaben der weltweit größte Verband dieser Art.
Der VDNOWAS - Verband der Nordic-Walking-Schulen
Der internationale Verband der Nordic-Walking-Schulen wurde von H. Fichter am 24. Juli 2002 nach Differenzen mit dem DNV gegründet. Als übergeordnetes Ziel bezeichnet der Verband die Förderung und Pflege des Nordic Walking Sports. Der VDNOWAS ist ein Dachverband von Nordic Walking Schulen und Lehrkräften, der nach den Maßgaben der ständig weiterentwickelten Prüfungsordnungen und Ausbildungsrichtlinien lehrt.
Die Weiterentwicklung will der Verband vor allem auf sportpädagogische und sportwissenschaftliche Grundlagen stützen und somit Unterrichtsinhalte und -methoden den wissenschaftlichen Kenntnissen anpassen.
Der VDNOWAS sieht sich als übergeordnete Instanz der ausbildenden Schulen in der Pflicht zur qualifizierten Ausbildung, Unfallverhütung und Verhütung von Gesundheitsschäden beizutragen und den Umweltschutzgedanken zu unterstützen.
Die Ausbildung der VDNOWAS gliedert sich in Grundseminar, C-Trainer und B-Trainer sowie weiteren Fortbildungen.
Die NWCA - Die Nordic Walking Coaching Association
Die NWCA, ein Berliner Verband, vertritt sehr ähnliche Ziele wie die VDNOWAS. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Verbreitung und Förderung des Nordic Walking Sports. In Kursen und Workshops lehren die Coaches korrekte Techniken und gesundheitsorientiertes Walken. Der Verband ist darauf bedacht, durch gezielte Ausbildung von Physiotherapeuten, Chiropraktikern, Orthopäden oder auch Fitnesstrainern, die gesundheitlichen Vorteile des Nordic Walkings bekannt zu machen und dieses in das Gesundsheitssystem zu integrieren.
Für nähere Informationen können Sie den Verband per E-Mail unter erreichen.
Das DWI - Deutsches Walking Institut
Das Deutsche Walking Institut hat seinen Sitz in Bad Dürrheim. Die Gründer des Vertreters der gesamten Walking-Bewegung (nicht nur Nordic Walking) sind das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe, die Gemeinde Bad Schönborn, die Rheuma-Liga Baden-Württemberg, die Seiter-Klinik Stuttgart, FormMed HealthCare und Ganzoni, ein weltweit tätiger -Kompressionsstrumpfhersteller.
Hauptverantwortlicher und "Walking Papst" ist Prof. Dr. Klaus Bös, der es sich mit den Partnern zum Ziel gemacht hat, das Walken zur Volksbewegung zu machen und damit in gesundheitlicher, aber auch wirtschaftlicher Hinsicht, neue Quellen zu erschließen. Das DWI hat nach der Entdeckung des wirksamen "Nordic Walking" auch dieses in sein Programm aufgenommen und bietet Vorträge, Ausbildungen und Kurse rund um Walking-Themen für interessierte Gruppen und Einzelne an.
Das DWI soll zur ersten Anlaufstelle für Fragen um ein ganzes Themenbündel werden, das mit Sport, Gesundheit, Wellness oder Tourismus nur unzureichend beschrieben ist. Auch für Sponsoren und die Wirtschaft will das Institut das Walken kommunizieren, um dem übergeordneten Ziel, Walking zu einer Volksbewegung zu machen, näher zu kommen. Zudem wirkt das Institut auf die Kommerzialisierung und Erschließung neuer Wirtschaftszweige hin, die das Walken eröffnet. Das DWI ist mit Experten gespickt, die mit wissentschaftlichen Mitteln zur qualitativ fundierten Imagebildung des DWI beitragen sollen.
ANWA - Austrian Nordic Walking Association e.V.
Die ANWA ist wie die GNFA Mitglied der International Nordic Walking Association. Der Verband bezweckt nach seinen Statuten als allgemeines Ziel die Förderung der Gesundheit, des Sportsgeistes und dadurch die Förderung des Allgemeinwohles der Bevölkerung, der spezielle Zweck der ANWA ist daher die Pflege und Verbreitung der Sportart Nordic Walking. Als Mittel dazu werden Förderung des Leistungs- und Breitensports, Schaffung und Unterhaltung von Einrichtungen zur Ausübung der Sportart, Aus- und Weiterbildung der Mitglieder, Lizenzvergaben und Organisation von Vorträgen und Versammlungen kommuniziert.
Neben Nordic Walking engagiert sich der Verband auch für die anderen nordischen Sportarten, wie zum Beispiel Nordic Blading und Nordic Fitness Skiing.
Weil Österreich ein Land ist, das vom Tourismus lebt, soll es auch das Ziel der ANWA sein, durch Schaffung von Nordic Fitness Parks - wie die bereits bestehenden in Geboltskirchen, Huben-Längfeld oder Mariapfarr - die Attraktivität der Tourismusregionen zu steigern und lizensierte Strecken für Nordic Walker anzubieten.
Die NWO - Nordic Walking Organisation (Austria)
Die Nordic Walking Organisation versteht sich als Interessensvertretung für Nordic Walking, Nordic Walking Trainer und Nordic Walking Instruktoren. Die NWO wurde im Juni 2003 gegründet und bietet für den Sport eine Plattform im Hinblick auf Weiterbildung und Forschung, mit der die Qualität langfristig gesichert werden soll.
Als industrieunabhängiger Verband konzentriert sich die NWO rein auf die Verbreitung der Sportart als gesundheitsförderndes Mittel, bietet auf der Homepage Trainingstipps und zeigt durch Veranstaltungen und Nordic Walking Kurse Präsenz in Österreich.
Kontakt und Infos:
Frau Silvia Marx
Joseph Haydn Platz 3,
7431 Bad Tatzmannsdorf.
fon: +43 3353 / 25468
fax: +43 3353 / 25468-42
email:
Der DSV - Deutscher Skiverband
Der Deutsche Skiverband hat seine wissenschaftlichen Erkenntnisse und sportlichen Erfahrungen in ein umfassendes Programm eingebunden und das "DSV nordic aktiv"-Konzept vorgelegt. "Die Inhalte der Ausbildung sind in einem Curriculum zusammengefasst und entsprechen den hohen Anforderungen gemäß der DSV-Standards inklusive der ständigen Qualitätssicherung", beschreibt Jürgen Wolf, Leiter der DSV-Trainerschule, das Modell. "Die Schwerpunkte liegen auf drei Basis-Techniken: Soft, Fitness und Sport. Damit decken wir den gesamten möglichen Bewegungsumfang beim Nordic Walking ab. Und der reicht vom Einsteiger bis zum Ausdauer-Profi, der eine Ausgleichssportart betreiben möchte." Der Vorzug der Nordischen Sportarten bestehe darüber hinaus darin, dass der sommerliche Bewegungsablauf seine beinahe zwangsläufige Fortsetzung im Schnee – dann allerdings auf Langlaufski oder Schneeschuhen – finde. Damit ist Nordic aktiv ein Schlüssel für den Ganzjahressport.
Der DSV bietet zahlreiche Ausbildungsangebote zum DSV Nordic Walking Trainer an. In fünf zentralen Ausbildungszentren werden die drei Techniken gelehrt und somit Trainer zu individuell einsetzbaren Nordic Walking Instructoren geschult.
Interview mit Dr. Volker Alt:
Zur Ergänzung der Vorstellung der verschiedenen Verbände haben wir Dr. Volker Alt, Präsident der vor kurzem gegründeten German Nordic Fitness Organisation GNFA (nationaler Verband der INWA), interviewt. Dr. Volker Alt ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Betriebs-, Umwelt- und Sportmedizin und besitzt eine Nordic Walking Mastertrainer Lizenz, die ihn zum Ausbilden von Nordic Walking Trainern ermächtigt. Als Fachmann baten wir ihn um eine kurze Stellungnahme zu den Themen rund um die Verbände im Nordic Walking.
2b-Sportredaktion: Herr Dr. Alt, bitte stellen Sie sich, Ihre Position und Ihre Tätigkeit kurz vor!
Dr. Volker Alt: Ich bin Präsident der am 9. Juni 2004 gegründeten German Nordic Fitness Association (GNFA), der damit nationaler Nordic Walking Verband der International Nordic Walking Association INWA ist. Weiterhin bin ich Mitglied im Education Committee der INWA und unter anderem Sportmediziner. Wer noch mehr erfahren möchte, kann sich auf meiner Website www.dr-alt.de näher informieren.
2b-Sportredaktion: Wie viele Mitglieder, Ausbilder und Instructors hat Ihre Organisation?
Dr. Volker Alt: Die INWA besteht aus zur Zeit 18 Mitgliedsländern mit 40 Mastertrainern und mehr als 15.000 Instructoren.
2b-Sportredaktion: Ihr Verband ist an einer Etablierung des Nordic Walking Sports über einen längeren Zeitraum, als es für Trendsportarten üblich ist, interessiert. Wie sieht das konkrete Handeln aus, betreiben Sie Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, organisieren Sie Events und bieten Sie Kurse an?
Dr. Volker Alt: Die INWA war im Jahr 2000 mit ihrer Gründung der erste Verband, der sich für die Weiterverbreitung der nordischen Fitnesssportarten eingesetzt hat. Die kontinuierliche Erweiterung der Anzahl der Mitgliedsstaaten hat dafür gesorgt, dass die INWA der weltgrößte Verband geworden ist. Im Mai 2004 wurde das International Education Committee der INWA gegründet. Alle bisher bestehenden Ausbildungsrichtlinien der einzelnen Länder wurden zusammengefasst, überarbeitet und als Education Program der INWA verabschiedet. Die Kurse in den einzelnen Mitgliedsländern besitzen nun einen einheitlichen Maßstab und sind untereinander anerkannt.
2b-Sportredaktion: Die Verbandslandschaft und die Präsenz der verschiedenen Anbieter des Nordic Walking Sports wirkt von außen betrachtet noch nicht sehr ausgereift. Die Sportart ist ja noch sehr jung und es hat sich noch kein übergeordneter Verband wie in lang etablierten Sportarten herauskristallisiert. Sehen Sie einen Verband, der eine Stellung wie zum Beispiel der DSV, DTB oder DFB erreichen wird? Zur Zeit sind ja INFO, INWA, VDNOWAS, NWCA oder auch das DWI sowie weitere Strukturen präsent.
Dr. Volker Alt: Die gegenwärtig geschaffenen Strukturen (siehe oben) und das weltweite Auftreten der INWA als Verband der Nordischen Fitnesssportarten werden ein
Garant dafür sein, das beispielsweise das Nordic Walking keine Trendsportart bleiben wird, sondern einen festen Stellenwert in unserer Sportlandschaft erhält. Das haben unter anderem auch die Krankenkassen und die gesundheitspolitik so erkannt und deswegen wird Nordic Walking aus allen Bereichen heraus gefördert. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen sportwissenschaftlichen Instituten werden zukünftige Forschungsergebnisse diese Stellung untermauern. Durch die rein kommerzielle Ausrichtung von verschiedenen Verbänden in Deutschland wird es in naher Zukunft eher weniger Anbieter geben. Der Endverbraucher (Nordic Walker) wird sehr schnell erkennen, dass die Qualtität in der Ausbildung und die Qualitätssicherung in der Zukunft über die Existenz eines Verbandes entscheiden.
2b-Sportredaktion: Sie haben schon angedeutet, dass sich Ihr Verband, die GNFA beziehungsweise INWA, mit dem Ziel der Weiterentwicklung der Sportart beschäftigt und dazu einen wissentschaftlichen Beirat besitzt. In welche Richtung sollte Ihrer Meinung nach die Entwicklung des Sports gehen - mehr zum Massensport (Stichwort Kommerzialisierung), Gesundheitssport oder Fitnesssport? Was kommt der Philosphie Ihres Verbandes am nächsten?
Dr. Volker Alt: Der große Vorteil des Nordic Walking ist die Vielseitigkeit in der Ausübung. Jeder Nordic Walker kann selbst entscheiden, mit welcher körperlichen Belastung er den Sport ausübt. Ein Verband sollte jedes Interesse ansprechen. Somit treffen die Bezeichnungen Gesundheitssport und Fitnesssport zu.
2b-Sportredaktion: Nordic Walking erfährt in der letzten Zeit einen besonderen Boom. Erläutern Sie doch kurz unseren Lesern den Hauptgrund für die Attraktivität der Sportart!
Dr. Volker Alt: Wie bereits oben erwähnt ist die Vielseitigkeit das große Plus. Man kann Nordic Walking jeder Zeit und an fast jedem Ort mit geringem Aufwand an
Equipement durchführen.
2b-Sportredaktion: Herr Dr. Alt, zum Abschluss vielleicht noch eine persönliche Frage. Wie sind Sie dazu gekommen, sich für das Nordic Walking zu engagieren? Walken Sie selbst? Können Sie unseren Lesern vielleicht ein paar Tipps geben, wie man am besten in den Sport einsteigt?
Dr. Volker Alt: Ich selbst bin Nordic Walking Mastertrainer und führe auch Kurse in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen durch. Weiterhin bilde ich Trainer in
allen Stufen aus und arbeite ständig für die INWA an Konzepten für die Weiterentwicklung der Nordischen Fitnesssportarten.
Starten sollte man seine "Kariere" als Nordic Walker mit einem Grundkurs. Nähere Informationen erhält man sicherlich über die jeweils zuständige Krankenkasse beziehungsweise über die Verbände.
2b-Sportredaktion: Herr Dr. Alt, wir danken Ihnen für Ihre Zeit und wünschen Ihrem Verband und den Nordic Fitness Sportarten, dass weiterhin so viele Leute die Stöcke in die Hand nehmen und sich an dem Sport erfreuen.