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Andrea Henkel und Mario Felgenhauer im Interview (10/2004), Nordic Walking
M2b Redaktion am 12.10.2004 - 15:25 Uhr
Nach den alpinen Skiprofis Martina Ertl und Maria Riesch äußern sich in diesem Interview die Biathletin
Andrea Henkel und der "nordische" Fachjournalist
Mario Felgenhauer über das Nordic Walking.
Mountains2b: Als nordisch Aktive sind Sie bestimmt mit dem Nordic Walking vertraut, schließlich waren Langlaufsportler die Erfinder dieses Sommertrainings. Gehört Nordic Walking zu Ihrem Trainingsprogramm?
Andrea Henkel: Wir gehen tatsächlich auch das ein oder andere Mal mit Stöcken Laufen. Ich würde aber nicht sagen, dass wir Nordic Walking machen, eher springen wir die Berge hoch und nutzen dazu unterstützend den Sockeinsatz. Das nennen wir "Schrittsprünge". Daneben gibt es noch den "Skigang", bei dem wir weniger springen, sondern eher klassisch laufen - allerdings ohne Ski.
Mario Felgenhauer: Die von Andrea beschriebene, sportlichere Variante des Nordic Walking - Skigang und Schrittsprünge - gehören zum Trainingsprogramm jedes Langläufers oder Biathleten.
Mountains2b: Worin sehen Sie persönlich die Vorteile gegenüber dem normalen Walking oder dem konventionellen Jogging? Gibt es überhaupt welche?
Andrea Henkel: Ich finde, Nordic Walking für Freizeitsportler ist eine super Sache! Man kann sich viel länger bewegen, ohne zu sehr aus der Puste zu kommen. Man bewegt sich im Fettverbrennungsbereich und trainiert durch die Dauer sein Herz-Kreislaufsystem besser als beim Joggen. Außerdem kommt durch die Stöcke eine Ganzkörperbewegung zustande.
Mario Felgenhauer: Vorteile sind meines Erachtens vor allem das Ansprechen vieler Muskelgruppen, auch im Schulter- und Armbereich. Zudem schont Nordic Walking die Gelenke, da man Stöße mit den Stöcken abfängt.
Mountains2b: Aus trainingswissenschaftlicher Sicht betrachtet kann Nordic Walking auf jeden Fall nützlich sein. Wenn Sie damit arbeiten: Wie sehen Pensum, Intensität und Trainingsumfang aus?
Andrea Henkel: Wie schon gesagt, trainieren wir mit den Stöcken etwas anders, aber wir verfolgen in dem Moment auch ein anderes Ziel. Schnelligkeit und der kraftvolle Abdruck, den wir zum Skilaufen brauchen, wird trainiert...
Mario Felgenhauer: ... dabei können Skigangeinheiten bis zu drei Stunden dauern, Schrittsprünge werden in
Intervallen von bis zu eineinhalb Stunden absolviert.
Mountains2b: Gibt es auch Nachteile des Nordic Walking?
Andrea Henkel: Nein. Man kann nichts kaputtmachen, es ist einfach, jeder kann es tun und ich kann nur Gutes daran finden.
Mario Felgenhauer: Es gibt buchstäblich keine Nachteile.
Mountains2b: Findet Sie Nordic Walking auch privat interessant oder eher langweilig?
Andrea Henkel: Ich finde es gut und werde es nach meiner sportlichen Karriere sicherlich des Öfteren praktizieren. Es macht mehr Spaß, wenn man nicht alleine unterwegs ist, außerdem kann man sich in einer Gruppe besser zu etwas aufraffen.
Mario Felgenhauer: Nordic Walking ist als Ausgleichssportart hervorragend geeignet, um gemütliche Wanderungen zu unternehmen und die Natur zu genießen.
Mountains2b: Haben Sie einen Tipp für unsere Leser parat, die gerade mit dem Nordic Walking beginnen wollen und noch völlig unerfahren sind?
Andrea Henkel: Für Neueinsteiger gibt es inzwischen zahlreiche Kursangebote. Ich denke, es ist gut, sich in einem solchen Rahmen anzuhören, wie es gemacht wird und sich die Bewegungsabläufe richtig zeigen zu lassen. Wenn man im Winter oft auf Langlaufskiern unterwegs ist, kann man es automatsch - der Bewegungsablauf ist verinnerlicht.
Mario Felgenhauer: Auf die Armarbeit sollte besonderes Augenmerk gelegt werden. Viele Nordic Walker
vernachlässigen diese Bewegungen und schleifen die Stöcke nur mit.
Mountains2b: Ist das Schlaufensytem beim Nordic Walking ähnlich dem des Biathlon- oder Langlaufsports?
Andrea Henkel: Es ist wie im Langlauf. Im Biathlon müssen wir schnell aus den Stöcken kommen und genauso schnell auch wieder hinein; da macht sich ein einfaches Schlaufensystem besser. Zum Laufen ist das der Nordic Walking-Stöcke sicherlich besser geeignet.
Mario Felgenhauer: Das Schlaufensystem ist bei vielen Herstellern ähnlich oder sogar identisch mit dem von Langlaufstöcken.
Mountains2b: Wird man beim Nordic Walking koordinativ besonders gefordert?
Andrea Henkel: Man kann nicht viel falsch machen. Rechtes Bein, linker Arm und umgekehrt - und versuchen, die Stöcke gerade nach hinten zu bringen, indem man die Hände beim Stockeisatz nicht vor den Körper hält, sondern neben dem Körper gerade entlangführt.
Mario Felgenhauer: Und aufpassen, dass das Schlaufensystem passt und keine Druckstellen entstehen. Die richtige Stocklänge erfährt man durch Beratung oder Sie ergibt sich über den von Andrea beschriebenen Bewegungsablauf.
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