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Interview mit Sebastian Hörl (08/2004), Nordic Walking

M2b Redaktion am 20.08.2004 - 08:38 Uhr

Dr. Sebastian Hörl ist promovierter Sportwissenschafter, Sportpädagoge und seit 2003 Nordic Walking-Mastertrainer der INWA/ANWA. Als einer von acht aktiven ANWA-Nordic Walking-Mastertrainern in Österreich ist Hörl für die
Aus- und Weiterbildung der ANWA-Guides, ANWA-NW-Basic Instructoren, ANWA-Instructoren beziehungsweise ANWA-Instructor-Professionals zuständig. Mit "Nordicsports" (www.nordicsports.at) betreut er unter der Leitung von Mag. Franz Ganser zudem das Referat "Ausbildung und Qualitätssicherung" der ANWA, das die Ausbildungsrichtlinien und das gesamte Ausbildungskonzept erarbeitet hat. Ziel der ANWA ist es, Ausbildungen auf einem hohen Qualitätsniveau zu halten und sie stetig weiterzuentwickeln. Dazu ist dieser Verband auch in die Konzeption der internationalen Ausbildungsrichtlinien der INWA führend eingebunden. Neben seiner Tätigkeit als ANWA-Nordic-Walking-Mastertrainer unterricht Sebastian Hörl "Bewegungserziehung und Sport" an einem Salzburger Gymnasium und er ist im Fachbereich "Bewegungs- und Sportwissenschaften" der Universität Salzburg als Lehrbeauftragter und
Projektmitarbeiter beschäftigt.

Mountains2b: Unser Spezial soll für Nordic Walking-Anfänger, aber auch für angehende "Instructoren" interessant sein. Erzählen Sie kurz, welche Kurse Ihr Verband anbietet und wo der Vorteil gegenüber anderen, auch rein kommerziellen Anbietern liegt?
Dr. Hörl: Der Vorteil einer Nordic Walking-Ausbildung bei der ANWA liegt ganz eindeutig in der Qualität. Die Nordic Walking-Mastertrainer der ANWA, die
ausschließlich für die ANWA-Ausbildungen zuständig sind, müssen ein Studium der Sportwissenschaften beziehungsweise der Leibeserziehung oder der Medizin abgeschlossen und sich im Bereich der Nordic Fitness-Bewegungsformen
spezialisiert haben. In anderen Verbänden haben die Ausbilder hingegen größtenteils keine hinreichenden Qualifikationen. So reicht dort beispielsweise die Ausbildung zum Sportartikelhändler, um als Mastertrainer anerkannt zu werden. Die ANWA bietet im Gegensatz dazu als
einzige Ausbildungsinstitution ein auf den neuesten
sportwissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebautes Ausbildungskonzept, das ausgehend von den Basisqualifikationen (ANWA NW Guide, ANWA NW Basic
Instructor) über spezielle Fortbildungsmodule zu unterschiedlichen Themen wie zum Beispiel Trainingssteuerung, Technik-Videoanalysen, Ernährung, Höhentraining, und anderes mehr eine weitere Spezialisierung in Richtung ANWA-Instructor oder auch ANWA-Instructor Professional ermöglicht. Für das
Erlernen der NW-Technik wird in den ANWA-Ausbildungen eine völlig neue Methodik des Bewegungslernens (Differentielles Lernen) vorgestellt, mit der es dem Nordic Walking-Anfänger gelingt, in kürzester Zeit seine individuelle Optimaltechnik zu finden. Das Beherrschen der richtigen Grundtechnik ist entscheidend, um die nachgewiesenen gesundheitlichen und trainingswissenschaftlichen Effekte erzielen zu können. Daher sollte man sich als Nordic Walking-Anfänger an eine von der ANWA ausgebildete Person wenden, wenn man die faszinierende sanfte Bewegungsform des Nordic Walking schnell und scheinbar spielerisch leicht erlernen möchte. In ganz Österreich stehen dazu schon 3000 ausgebildete ANWA-Guides beziehungsweise ANWA NW-Basic Instructoren zur Verfügung, die laufend Kurse anbieten (www.anwa.at).

Mountains2b: Was erwartet einen Nordic Walking-Anfänger, wenn er bei Ihnen einen Schnupperkurs oder Anfängerkurs bucht und vorher noch keine Erfahrung mit
dem Nordic Walken gesammelt hat?
Dr. Hörl: Einen Nordic Walking-Anfänger erwartet im Schnupperkurs ein abwechslungsreiches Programm, bei dem er durch vielseitige, spielerische Übungen Nordic Walking in seiner Grundform richtig erlernt.

Mountains2b: Die Ausbildung zum "Basic Instructor" bei der ANWA hat sportwissenschaftliche Themen wie biologische Grundlagen des Bewegungstrainings, Methodik und Didaktik oder auch Grundzüge der Trainingslehre als Inhalt. Ist es denn auch für jemanden, der von diesen Dingen bisher wenig Ahnung hat, möglich, "Basic Instructor" zu werden? Oder empfiehlt es sich, Vorwissen mitzubringen?
Dr. Hörl: Die ANWA hat dazu klare Ausbildungsrichtlinien. Wie in der Frage bereits
angeführt, ist die Ausbildung zum ANWA NW-Basic Instructor aufgrund unseres Qualitätsanspruchs umfangreich aufgebaut. Die Dauer einer Ausbildung zum Basic Instructor ist aus diesem Grund bei der ANWA von den Vorkenntnissen der jeweiligen Person abhängig. Für eine Person ohne
Vorwissen ist eine Ausbildung mit 32 Unterrichtseinheiten zu absolvieren, die auf zweimal zwei Tage aufgeteilt ist. Zwischen den Ausbildungsblöcken müssen diverse Aufgabestellungen bearbeitet und vorbereitet werden. Bei nachweisbaren Vorkenntnissen (zum Beispiel Wellnesstrainer, Masseur, Physiotherapeut), die im Ausbildungskonzept
der ANWA genau aufgeführt sind, dauert die Ausbildung zum Basic Intructor zwei Tage (16 Unterrichtseinheiten). Ausschließlich für Sportmediziner und Sportwissenschafter ist die Basic Intructor-Ausbildung eintägig mit acht Unterrichtseinheiten.

Mountains2b: Können Sie ein kurzes Feedback über die Entwicklung des Kursangebotes geben? Haben sich die Inhalte in den letzten Jahren verändert? Wie hat sich die Nachfrage entwickelt? Man hört ja, dass das Nordic Walking die Trendsportart des Sommers sei...
Dr. Hörl: ... Nordic Walking ist die Sportart, die in den letzten zwei Jahren den größten Zuspruch und das größte Wachstum erzielt hat. In Österreich hat sich Nordic Walking in wenigen Jahren als eigenständige Bewegungsform
etablieren können. Das Kursangebot ist in Österreich schon sehr groß und ständig kommen neue NW-Kurse hinzu, wobei als Konsument unbedingt auf die Qualifiktion der NW-Trainer zu achten ist. Nach neuesten Untersuchungen wird Nordic Walking in Österreich bereits von knapp einer halben Million Sportbegeisterter regelmäßig ausgeübt. Aufgrund dieser Zahlen würde ich nicht mehr von einer Trendsportart sprechen. Nordic Walking ist mehr als ein Trend und wird als gesundheitsfördernde Bewegungsform langfristig seine Anhänger finden.

Mountains2b: Was ist Ihrer Meinung nach der Hauptgrund für die positive Entwicklung des Nordic Walking als Gesundheits- und Fitnesssport?
Dr. Hörl: Aus meiner Sicht sind mehrere Gründe dafür verantwortlich, dass Nordic Walking als Gesundheits- und Fitnesssport diese unglaubliche Entwicklung genommen hat. Bei Nordic Walking handelt es sich um ein effektives, jedoch gelenkschonendes Ganzkörpertraining, das leicht zu
erlernen und 365 Tage im Jahr zu betreiben ist. Da die körperliche Belastung über den Stockeinsatz und die individuelle Schrittlänge sehr gut variiert werden kann, eignet sich die neue Gesundheitsbewegung sowohl für Anfänger, als auch für Wiedereinsteiger, aktive Sportler und Leistungssportler. Zudem ist Nordic Walking auch in der Gruppe ideal umsetzbar.
In sportwissenschaftlichen und in medizinischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Kalorienverbrauch beim Nordic Walking um mehr als 20 Prozent höher liegen kann als beim Walking ohne Stöcke. Mit der richtigen Technik werden etwa 90 Prozent der Muskulatur beansprucht, wodurch sich der hohe Kalorienverbrauch erklärt. Beim Nordic Walking werden neben der Beinmuskulatur durch den Stockeinsatz vor allem auch die Schulter- und Armmuskulatur sowie die Bauch und Rückenmuskulatur gekräftigt. Im Gegensatz zu anderen Bewegungsformen findet diese Art des Ganzkörpertrainings jedoch belastungsreduziert statt. Die Gelenkbelastung ist beim Nordic Walking nach neuesten Studien bei gleichem Energiebedarf im Vergleich zum Walking um bis zu 20 Prozent reduziert, wodurch sich diese Sportart gerade auch für übergewichtige Personen sowie für Menschen mit Gelenk- und Rückenproblemen eignet. Entscheidend für die gesundheitsfördernde Wirkung von Nordic Walking ist jedoch das Erlernen der richtigen Grundtechnik.

Mountains2b: Zum Abschluss bitten wir Sie noch um Ihre Meinung zur weiteren Entwicklung dieser Sportart. Glauben Sie, dass sich das Nordic Walking langfristig als
Sport etablieren, oder ob es, wie viele andere Trendsportarten, nach wenigen Jahren wieder abebben wird?
Dr. Hörl: Wie schon angedeutet bin ich überzeugt, dass sich Nordic Walking als eigenständige Bewegungsform langfristig etablieren wird. Gerade im Therapie- und Rehabilitationsbereich stehen wir erst am Beginn dieser Entwicklung.

Mountains2b: Vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen und viel Spaß weiterhin bei der Ausbildung der Nordic Walking-Instruktoren und bei der Ausübung Ihres Sports!

Kontakt
Dr. Sebastian Hörl
Franz-Gruber-Straße 23/10
5020 Salzburg
fon: +43676-7225853
email:
web: www.nordicsports.at


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