Judith Grassl und Barbara Gruber bei der Siegerehrung des Teambewerbs
Jennerstier: Interview mit Judith Grassl
S. Winter (DAV) am 14.02.2006 - 16:30 Uhr
Am 18. Februar wird mit dem "Jennerstier" der zweite Bewerb des DAV Black Diamond Skitour Cup 2006 und die Deutsche Meisterschaft in der Heimat von Judith Grassl ausgetragen. Die Ramsauerin konnte den Meistertitel bereits im Jahr 2004 feiern. Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein, Teamchef der Deutschen Nationalmannschaft der Skibergsteiger, führte vor der Veranstaltung ein Interview mit Judith Grassl.
Winter: Hallo Judith, 2004 konntest du die Deutsche Meisterschaft im Skibergsteigen gewinnen. Wie schaut deine Form im Moment aus? Bist du gut gerüstet für eine Wiederholung?
Grassl: So langsam komme ich besser in Form, nachdem ich zu Beginn des Winters etwas Probleme hatte. Umso mehr freut mich natürlich mein Sieg beim Sellrain-Marathon in Praxmar am vergangenen Wochenende. Ein großes alpines Rennen liegt mir einfach sehr gut!
Winter: Mit dem Jennerstier findet zum ersten Mal ein Wettkampf des DAV Skitourencups direkt vor deiner Haustür statt. Hat da die Konkurrenz überhaupt eine Chance?
Grassl: Ich war den Winter dreimal am Jenner unterwegs, kenne also das Gelände und muss sagen, dass ich mir nicht allzu große Hoffnungen mache, da die ersten 600 Höhenmeter schon mal gleich auf der Piste stattfinden. Sicher kann ich meine Stärken im oberen alpinen Streckenabschnitt ausspielen, aber zum Beispiel auch Steffi Koch aus Anger ist alpin sehr stark. Ich zähle mich nicht als Topfavoritin, aber ein Stockerlplatz ist natürlich immer mein Ziel. Nachdem Barbara Gruber toll in Form ist und zum Beispiel bereits in Saalbach und am Hochgrat gewinnen konnte, ist sie für mich die Anwärterin Nummer eins am Jenner.
Winter: Nicht nur in Deutschland, sondern auch international konntest du dich letztes Jahr sehr steigern. Worauf führst du das zurück?
Grassl: Zum einen kommt mit dem Alter die Reife und ich habe weiß Gott viele Erfahrungen sammeln können. Zum anderen haben wir deutschen Athleten einfach auch viel dazu gelernt, was die Schweizer, Italiener und Franzosen in den großen Rennen so machen, und die sind nun mal schon lange das Maß aller Dinge. Allerdings haben die Deutschen ein super Potenzial und das haben wir mit der letzten Europameisterschaft auch bewiesen.
Außerdem versuche ich, nicht schon im Januar topfit zu sein, sondern erst im März. Da sind mit die schönsten Rennen und mir geht dann am Ende der Saison nicht die Puste aus.
Winter: Welches sind zunächst die Ziele für 2006 im internationalen Renngeschehen?
Grassl: Natürlich die Weltmeisterschaft in Cuneo. Wir sind fünf sehr starke Damen, mit großen Chancen auf Medaillen. Mich würde es freuen, wenn wir ein gutes Gesamtergebnis abliefern können.
Winter: Zum Abschluss die Frage: Was war dein schönstes Erlebnis in einem Skitourenwettkampf?
Grassl: Ganz klar der dritte Platz mit Barbara Gruber bei der EM in Andorra! Nach einem harten Rennen und viel Arbeit während des Wettkampfes wurden wir belohnt. Abgesehen davon starte ich überaus gerne im Dammkar und auf der Watzmanngams.
Winter: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg noch in der Saison!