12. Filmfest in St. Anton: Premiere von "Träume sterben nie"
M2b Redaktion am 25.08.2006 - 16:00 Uhr
Der Film dokumentiert die Begehung der Kletterroute "Separate Reality" in Kalifornien, die der Tiroler Heinz Zak als zweiter Mensch überhaupt seilfrei durchstieg, und die Vorbereitung auf dieses Abenteuer. Die Route ist eine Risskletterei durch ein sechs Meter langes Dach, 200 Meter über dem Boden, und eine der berühmtesten Freikletterrouten der Welt. Der Film ist ein Versuch, einem Grenzgang und den mit diesen verbundenen Erfahrungen einen bildhaften Ausdruck zu geben. Er führt die Nähe von höchster Lebensintensität und Tod vor Augen, die bei solchen Abenteuern gegeben ist. Der Film ist darüber hinaus eine Allegorie über die Ausgesetztheit des Lebens, in dem jemand seinen Träumen nur dann folgen kann, wenn er mit seinen Ängsten und Zweifeln umzugehen weiß.
Rahmengeschichte und Hintergrund für den Film
Die Kletterroute "Separate Reality" im Yosemite Valley in Kalifornien zählt zu den bekanntesten Freikletterrouten der Welt. Es handelt sich um ein sechs Meter langes Felsdach, 200 Meter über dem Boden, durch das sich ein Riss zieht, so dass das Dach durchklettert werden kann. 1986 wurde dieses überaus ausgesetzte Kletterproblem, damals eines der weltweit schwierigsten überhaupt, vom deutschen Ausnahmekletterer Wolfgang Güllich seilfrei, also ohne Sicherung, geklettert. Der Tiroler Heinz Zak war als Fotograf dabei und seine Bilder davon gingen um die Welt.
Zak, der als Fotograf mit den besten Kletterern der Welt unterwegs war und deren Tun in großen Bildbänden festgehalten hat, war mit Güllich befreundet und hat seine Vorbereitung auf das Abenteuer, das mehr noch eine psychische als eine physische Herausforderung darstellt, begleitet. Seit damals war es für Zak ein Traum, der ihn nicht mehr losließ, diese außerordentliche Route selbst seilfrei zu klettern. Nach jahrelanger Vorbereitung war es im Mai 2005 so weit: als zweiter Mensch überhaupt durchstieg Heinz Zak "Separate Reality" free solo.
Der geplante Dokumentarfilm "Träume sterben nie" wird zum einen Heinz Zaks Vorbereitung auf die seilfreie Begehung von "Separate Reality" dokumentieren, und zum anderen ein filmischer Versuch sein, einem Grenzgang und der mit einem solchen verbundenen Erlebniswelt einen bildhaften Ausdruck zu geben. Wer die Route "Separate Reality" seilfrei klettert, muss an der Schlüsselstelle zwei Klemmstellen überwinden, in denen er sich niemals ganz sicher sein kann, ob die Hand klemmt oder herausrutscht. Er begibt sich also bewusst in äußerste Lebensgefahr. In der Realität geht das Durchklettern der Schlüsselstelle in verhältnismäßig kurzer Zeit vor sich. Der Bewegungsablauf dafür ist aber sehr komplex und muss physisch wie psychisch lange eingeübt werden, um überhaupt den Zustand von körperlicher und psychischer Sicherheit zu erreichen, um eine solche Sache bewältigen zu können.
Extrembergsteiger geraten bei ihrem Tun manchmal in sehr gefährliche Situationen. Etwas ganz anderes ist es, eine Route wie "Separate Reality" seilfrei zu durchklettern, weil von vorne herein klar ist, worauf man sich da einlässt. Es liegt auf der Hand, dass die Psyche rebelliert, wenn die Entscheidung getroffen wird, sich in eine so große Gefahr zu begeben. Durch eine lange Phase physischer und psychischer Vorbereitung kann aber ein Zustand erreicht werden, in dem der Akteur, wenn es darauf ankommt, ganz konzentriert und angstfrei agiert.
Als Auseinandersetzung mit einer Grenzsituation will sich der Film bildhaft mit einem wesentlichen Aspekt des Lebens auseinandersetzen. Furcht und Angst sind Wegbegleiter eines jeden Lebens und sehr entscheidend für ein Leben ist, wie man damit umzugehen weiß. Flucht ist ein natürliches und sinnvolles Reaktionsmuster, das aber für die Lebensbewältigung nicht ausreicht. Ein Mensch kann zwar versuchen, Situationen auszuweichen, die Angst auslösen, aber er kann nicht der Angst ausweichen, weil diese zentral zur menschlichen Existenz gehört. Dieser Umstand wird oft im Alltag verdrängt. Darum kann es sinnvoll sein, sich bewusst auf etwas Gefährliches einzulassen, weil dadurch eine Qualität der eigenen Persönlichkeit freigesetzt wird, die wertvoll ist und sonst verschlossen bleibt.
Das Sich-Einlassen auf die Ausgesetztheit, wie es beim Solo-Klettern gegeben ist, bringt eine Nähe von höchster Lebensintensität und Todesgefahr mit sich und diese ist auch immer Thema im Film. Im übertragenen Sinn ist dann Thema, dass einer, der sich auf die Ausgesetztheit seines Lebens einlassen und diese annehmen kann, auch seinen Träumen treu bleiben kann.
Die Handlung des Films
Es ist tiefer Winter. Der Extremkletterer Heinz Zak ist in seiner Garage, räumt diese aus und hängt ein Poster auf, das seinen Freund Wolfgang Güllich beim Klettern der Route "Separate Reality" zeigt. Unter dem Garagendach baut Heinz den Dachriss der Route mit zwei Holzbalken nach. Sein Nachbar Bernhard hilft ihm, ein Werkzeug herzustellen, mit dem der Dachriss in der Breite veränderbar wird. Auch die Schlüsselstelle am Ende des Daches wird nachgebaut und so entsteht eine genaue Nachbildung der wirklichen Route im fernen Kalifornien. Neben dem körperlichen Training, führt der Film die noch wichtigere geistige Vorbereitung auf das Abenteuer vor Augen und die dabei aufkommenden Zweifel und Ängste.
Schließlich geht die Reise nach Kalifornien, in das Yosemite Valley. Die Zweifel und Ängste verstärken sich. Es dauert lange, sich vor Ort mit der Route vertraut zu machen. Eines Tages ist es so weit: Heinz Zak klettert "Separate Reality" free solo und ist dabei in einem Zustand vollkommener Konzentration wie auch der Ruhe und Leichtigkeit des Geistes. Zitat Heinz Zak: "Die letztendliche Entscheidung, seilfrei durch die Route zu klettern, traf ich spontan. Mit dem Entschluss verlagerte sich mein Bewusstsein in eine andere Dimension, es trennte sich von Vergangenheit und Zukunft, ich war bereit, alles, was mich in dieser Welt hielt, hinter mir zu lassen. Ich saß da, jegliches Gefühl der Angst verschwand und machte einer tiefen, zeitlosen Ruhe Platz, die mit einer großen Freude einherging. Als ich zu mir kam, wusste ich, dass ich die Route jetzt klettern konnte."
Quelle
Text: Manfred Pascher nach einer Vorlage von Heinz Zak
Bilder: Angelika Zak
"Träume sterben nie" wird am Freitag, dem 01. September, um 20:00 Uhr auf dem Filmfest in St. Anton am Arlberg erstaufgeführt.
Weitere Infos
Alle Infos rund um das 12. Filmfest St. Anton erhalten Sie auf unserer Sonderseite, sowie auf der Internetseite www.filmfest-stanton.at.