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Almhütte

Ellmau am Fuße des Wilden Kaiser

Impressionen

Geschichte des Wanderns

am 16.08.2006 - 13:28 Uhr

Das Gehen ist die natürlichste und älteste Art der Fortbewegung, die der Mensch vor dem Sesshaft-Werden Jahrtausende lang praktizierte.

Vom Nomadentum bis zum Beginn der Landwirtschaft
Nomadenvölker zogen mit Tierherden von Ort zu Ort, und lebten im Einklang mit der Natur. Nur zur Strafe wurde jemand gezwungen, allein weiterzuziehen, denn die Gemeinschaft bot Schutz vor wilden Tieren und Gefahren im Gelände. Das Weiterziehen wurde zur Nahrungs- und Existenzgrundlage. Dies veränderte sich grundlegend, als die Menschen anfingen, Tiere und Pflanzen zu kultivieren und unabhängig von dem, was die Natur hergab, Nahrungsvorräte anlegten. Mit dem Beginn der Landwirtschaft, mussten sich Bauern um Hof und Tiere kümmern und wollten den eigenen Besitz nicht mehr verlassen. Längere Wege wurden hauptsächlich von Händlern und Schmugglern zurückgelegt - Fußreisen hatten also einen abenteuerlichen Charakter und wurden weithin als gefährlich betrachtet.

Jahrtausende altes Pilgern
Legitim war für den einfachen Bürger nur das religiös motivierte Pilgern. Bereits im Jahre 326 reiste Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin, nach Palästina und wurde zum Vorbild der entstehenden Pilgerbewegung. Pilger zu sein war damals kein Zuckerschlecken: Waffenlos und barfuß zogen die Gottsuchenden mit einem ausgehöhlten Kürbis als Wasserflasche von Ort zu Ort und sollten dabei weiche Betten und warme Bäder meiden. So lernten sie, weltlichen Dingen keinen Wert beizumessen und konnten sich ganz auf ihren Glauben konzentrieren. Alte oder Kranke hofften damit, kurz vor dem Tod ihre Schuld zu begleichen und der Hölle zu entrinnen. Das Pilgern wurde im wahrsten Sinne des Wortes zur Massenbewegung, beispielsweise zogen 1300, als der Papst das Heilige Jahr aussprach, 20.000 Menschen nach Rom.

Der Jakobsweg
Santiago de Compostela wurde als Zielort noch populärer und jedes Jahr zogen Hunderttausende aus ganz Europa dorthin. Es entstanden Jakobsbrüderschaften, die Pilger in vielerlei Hinsicht unterstützten, zum Beispiel durch kostenlose Verköstigung oder Ausbesserung der Straßen. Auch anderswo war man den Pilgern wohl gesonnen, und sie fanden leicht in Klöstern, Hospitalen und Herbergen Unterkunft für die Nacht. Ein Erkennungsmerkmal der Pilger war die Jakobsmuschel, die auch heute noch von Trekkern auf dem berühmten Jakobsweg um den Hals getragen wird.

Pilgern bei den Weltreligionen
Nicht nur im Christentum, auch bei den anderen großen Weltreligionen haben Pilgerreisen Tradition. Beispielsweise soll jeder gläubige Moslem mindestens ein Mal im Leben die Reise nach Mekka machen, und für Buddhisten ist der Berg des Shinto in Japan ein wichtiger Wallfahrtsort. Das meditative Gehen hat also offensichtlich eine spirituelle und heilsame Wirkung auf den Menschen und wurde deshalb von den Religionen aufgenommen. Egal aus welchen Gründen man pilgert, ist die Erfahrung für jeden in Grundzügen gleich: Durch die körperliche Anstrengung lernt man Demut und Respekt und kehrt schließlich als weiserer Mensch zurück nach Hause.


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