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Wegweiser

Von Goethe bis Graßler

am 15.08.2006 - 13:53 Uhr

Machen wir einen Sprung in der Geschichte zu Deutschlands wohl berühmtesten Dichter und Denker. "Von dem Berge zu den Hügeln / niederab das Tal entlang / da erklingt es wie von Flügeln / Da bewegt sich's wie Gesang" heißt es im Wanderlied von Goethe, der also auch ein Wander-Fan war.

Abstand vom Alltag
Bei seiner Italienreise wagte er es, 1786 die Alpen zu überqueren, was damals noch ein recht schwieriges Unterfangen war und seine Begeisterung für die Landschaft bekundet. Anders als heute, gab es schließlich keine befestigten Wege oder Hütten, in die man zur Nacht einkehren konnte, und Straßenräuber stellten eine Gefahr dar.
Goethes Motivation war, dass er aus dem Alltag ausbrechen wollte: Er plante die Reise im Geheimen und verschwand einfach in einer Nacht- und Nebelaktion ohne sich von Freunden oder der Familie zu verabschieden. In Rom fühlte er sich wohl, schenkte der Politik keine Beachtung, und fand allmählich Glück und Entspannung. Nachdem sein kreatives Schaffen unter der Arbeit als Minister in Weimar gelitten hatte, begann er in Italien wieder viel zu schreiben. Goethe war, wie man seinem Reisetagebuch entnehmen kann, tief bewegt von all den Eindrücken und hielt sie in zahlreichen Gedichten und literarischen Texten fest. Außerdem malte er unheimlich viel und brachte etwa tausend Aquarelle und Zeichnungen nach Weimar zurück. Goethes Reise zeigt also, dass mußevolles Reisen in der Natur wahre Wunder für Geist und Kreativität vollbringen kann.
Wer mag, kann heute auch auf Goethes Pfaden wandeln: Viele Veranstalter bieten literarische Themenwanderungen an, bei denen man die gleiche Route bestreitet wie einst der Dichterfürst, und vor Ort mit passenden Literatur-Schmankerln versorgt wird.

Ludwig Graßler: Zu Fuß über die Alpen
Auch in der heutigen Zeit gibt es Menschen, für die das Unterwegssein zu Fuß eine besondere Rolle in ihrem Leben spielt - und einer von ihnen ist Ludwig Graßler. Der begeisterte Wanderer hatte vor etwa dreißig Jahren den Traum, eine Route zu finden, die zu Fuß über die Alpen von München nach Venedig führte. Also marschierte er am Marienplatz in München los, und setzte seine Idee in die Tat um. Nach seiner Reise veröffentlichte er ein Buch mit einem der schönsten Fernwanderwege Europas, das Tausende von Nachfolgern dazu animierte, es Graßler gleichzutun und die Alpen zu Fuß zu überqueren.

Traumpfad von München nach Venedig
In 28 Tagesetappen führt die Strecke über 520 Kilometer vom Stadtzentrum Münchens entlang kleiner Pfade an Wiesen und Flüssen in eine ursprüngliche Alpenlandschaft mit grandiosen Ausblicken auf berühmte Gletscher und Felsmassive. Man durchquert dabei die Bayerischen Voralpen, das Karwendel, die Zillertaler Alpen, die imposanten Dolomiten und zuletzt die Ebene des Veneto. Dabei muss der Wanderer auf der mittelschweren Strecke insgesamt 20.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg überwinden, 33 Jöcher überqueren und sich über zahlreiche Scharten und Pässe trauen. Ein einmaliges Naturerlebnis und die zufriedene Müdigkeit nach jeder Etappe, die mit eigener Muskelkraft zurückgelegt wurde, entschädigen den Städter für die Anstrengungen der Tour.

Route hat Kultstatus
Seit 1987 trifft sich jedes Jahr am 8. August um acht Uhr morgens auf dem Münchner Marienplatz ein Gruppe von Wanderfreudigen, die gemeinsam den Weg nach Venedig schaffen wollen. Das Buch "Traumpfad München - Venedig" ist zum Klassiker geworden und ist über die Jahre in zahlreichen Auflagen erschienen. 2001 gründete Graßler, der übrigens gelernter Fachingenieur für Gartentechnik ist den "Freundeskreis für Alpenüberquerer". Das Beispiel Ludwig Graßler zeigt also, dass die Begeisterung fürs Trekking Menschen verbindet und dass eine schöne Route mit imposanter Natur über Jahre hinweg attraktiv bleibt.


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