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Stefan Kogler (AUT)

Startsituation beim Champ or Cramp

ASTC 2007

Überschreitung des Dachsteingipfels

Alpine Abfahrt beim Dachstein Xtreme

Klettersteig

Interview mit Stefan Kogler (12/06), Skibergsteigen

M2b Redaktion am 07.12.2006 - 17:00 Uhr

Stefan Kogler ist im Bereich des Skibergsteigens schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr - 2006 etwa platzierte er sich bei der Mountain Attack auf dem vierten Endrang. Am bemerkenswertesten war allerdings wohl sein Sieg des Mountainbike-Marathons in Bad Goisern in diesem Sommer: Die von ihm gewonnene und auch längste Strecke der Trophy misst 200 Kilometer, hat unglaubliche 6.768 Höhenmeter und gilt daher als der härteste Mountainbike-Marathon Europas.

"Wenn schon die lange Distanz - dann Vollgas", ließ Stefan Kogler damals verlauten, und hat diese Aussage dann auch wahr werden lassen. Anna Spielbüchler vom ASTC hat ihn jetzt vor der kommenden Wintersaison getroffen und dazu befragt, ob er nun beim Skibergsteigen auch so erfolgreich durchstarten will.


ASTC: Speziell im Salzkammergut hast du durch deinen Sieg in der 200 Kilometer Distanz beim Mountainbike-Rennen aufhorchen lassen. Aber auch im Winter bei den Skibergsteiger-Wettkämpfen findet man dich immer wieder auf den vorderen Plätzen in den Ergebnislisten. Sind Mountainbike und Tourenski schon immer deine bevorzugten Sportgeräte gewesen, oder hast du dich früher auch in anderen Bereichen sportlich betätigt?

Stefan Kogler: Begonnen habe ich mit ganz anderen Sportarten. Im Alter von acht Jahren hat mich Fußball am meisten fasziniert, zehn Jahre lang hab ich hier aktiv trainiert und gespielt, bis ich dann darauf gekommen bin, dass einfach die körperlichen Voraussetzungen nicht passten. Auf Fußball folgte eine achtjährige Tenniskarriere.

Im Bereich Ausdauer habe ich aber schon immer ein bißchen den Ausgleich gesucht. Bei uns in St. Gilgen gibt es das markante Zwölferhorn, auf das ich auch damals schon gerne rauf bin. 1994 habe ich das erste Mal beim dort stattfindenden Mountainbike-Rennen mitgemacht. Ich war zwar voller Motivation, weil ich ja selber so oft auf meinen Hausberg gefahren war - doch innerlich dachte ich mir, dass dieses Rennen ein Klacks werden würde... Ist es aber nicht geworden - etliche Fahrer sind mir komplett auf und davon gefahren und in der Ergebnisliste bin ich nur ziemlich weit hinten erschienen...

Ab diesem Zeitpunkt kam dann ein großer Ehrgeiz auf: Ich habe mich von den Spielsportarten losgesagt, welche ohnehin nie so wirklich meins gewesen wären, und mich den Ausdauersportarten verschrieben. Ja, und das Zwölferhorn-Rennen habe ich bis jetzt bereits sechs Mal gewonnen, das Trainieren hat sich also ausgezahlt...

Neben dem Mountainbike verwende ich auch noch gerne das Rennrad - ja und im Winter, wie du schon erwähnt hast, bevorzuge ich das Skibergsteigen...


ASTC: Seit wann betreibst du diese zwei Sportarten, Mountainbike und Skibergsteigen, auf Wettkampf-Ebene?

Stefan Kogler: Beim Mountainbike fahren war, wie gesagt, das Zwölferhorn-Rennen 1994 der ausschlaggebende Punkt. 1995 fing ich dann mit meinem Informatik-Studium in Salzburg an, und hatte daneben doch relativ viel Zeit zum Trainieren - deshalb habe ich mir 2000 sogar eine Lizenz genommen, um diesen Sport wirklich halbprofimäßig auszuführen. Ab 2001 stieg ich dann aber in die harte Arbeitswelt ein und musste im sportlichen Bereich doch wieder etwas zurückstecken.

Den ersten Wettkampf im Skibergsteigen habe ich 1999 durchgeführt. Das war ein ganz lustiges Erlebnis, an das ich noch gerne zurückdenke. Ich nahm damals an der Mountain Attack teil und musste mich mit Simone Hornegger matchen. Wir waren ständig knapp beisammen, am Ende ist sie mir aber, soviel ich mich noch erinnern kann, doch davon gefahren.


ASTC: In der letzten Zeit hast du vor allem mit dem Sieg der langen Distanz des MTB-Marathons in Bad Goisern auf dich aufmerksam gemacht. Ein derartiger Erfolg kann aber nur auf konsequentem Training basieren. Du hast aber einen doch ziemlich zeitaufwendigen Beruf? Wie lassen sich diese beiden Bereiche - sprich Beruf und Training - miteinander verbinden?

Stefan Kogler: Meinen ersten Job bekam ich bei Sony, das war ein totaler Produktionsbetrieb, wo immer die Ist- und Soll-Stunden gezählt wurden. Darüber hinaus hatte ich auch noch einen ziemlich langen Anfahrtsweg zur Arbeitsstelle, da blieb natürlich dann insgesamt wenig Zeit für's Training übrig und ich musste sportlich gesehen doch ziemlich zurückstecken.

Seit März 2005 bin ich bei Red Bull tätig und weltweit für die Betreuung der Außenstellen im EDV-Bereich zuständig. Hier ist es der Fall, dass man kommen und gehen kann, wann man will, nur die Arbeit muss erledigt werden. Es wird sozusagen die Qualität und nicht die Quantität gemessen. Ich kann mir also meine Arbeits- und Trainingszeit selbst einteilen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass mein Arbeitsplatz bei Red Bull in Fuschl liegt, was nicht weit von St. Gilgen entfernt liegt. Das lange Pendeln fällt somit weg und auch diese Zeit kann zum Training genützt werden. 2006 war daher bis jetzt meine erfolgreichste Saison.

Trotzdem steht bei mir aber der Job an vorderer Stelle, denn dieser bringt das Geld zum täglichen Leben ein. Das Training läuft nebenbei und geschieht freiwillig. Meiner Meinung nach muss es immer Spaß machen und darf nie zum Zwang werden.


ASTC: Bei Red Bull hast du ein weltweites Betätigungsfeld und bist somit auch manchmal auf beruflichen Auslandsreisen. Wie handhabst du es hier mit dem Training?

Stefan Kogler: Während der Auslandsreisen bleibt von der Termineinteilung her wenig Zeit zum Trainieren. In den USA war ich vor kurzem für fünf Tage, da hab ich mich halt dann einmal aufs Laufband gestellt. Da muss ich aber ehrlich sagen, dass das lediglich für's Gewissen war und kaum fürs Training. Sonst dauern meine Auslandsaufenthalte generell nicht so lang, meist nur zwei bis drei Tage, da verkrafte ich es, wenn ich mal nicht trainieren kann.


ASTC: Fühlt sich durch den zeitaufwendigen Ausdauersport deine Verlobte Kristin manchmal ein wenig vernachlässigt von dir?

Stefan Kogler: Nein, da gab es noch nie Probleme. Ich bekomme von ihr völlige Freiheit zum Trainieren. Ab und zu machen wir auch gemeinsam etwas oder fahren oft mit Freunden weg, wo sich dann die Männer sportlich austoben können und die Frauen zusammen etwas unternehmen.


ASTC: Du wohnst in St. Gilgen, einem relativ idealen Gebiet zum MTB fahren und Skitourengehen, denn hier liegt ja das markante Zwölferhorn. Nachdem letzte Saison ein äußerst spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dir und Mandl Alfred stattgefunden hat, wird dieses Rennen im kommenden Jahr leider nicht mehr durchgeführt. Aus welchem Grund ist die Entscheidung so gefallen und wie denkst du darüber?

Stefan Kogler: Das Zwölferhorn-Rennen war natürlich für mich ein toller Bewerb, vor allem schon einmal deswegen, weil es mein Hausberg ist. Leider fehlte es immer an Startern, meist sind es nicht mehr als rund 30 Personen gewesen. Wenn man bedenkt, dass sich an schönen Wochenenden bis zu 300 Skitourengeher auf diesem Berg befinden, ist das doch eine relativ magere Anzahl. Zudem fehlt es jetzt an Organisatoren, daher wurde die Durchführung eingestellt. Vielleicht werde es ja ich einmal übernehmen, jetzt fehlt mir jedoch noch die Zeit dazu.


ASTC: Du bist ja auch als stellvertretender Schriftführer im neuen Verein ASKIMO tätig. Wie schätzt du die Chancen, dass sich durch die Gründung eines Österreich weit wirkenden Vereines die Situation des Skibergsteigens in Österreich verändern kann?

Stefan Kogler: Ja, hoffentlich besteht dadurch die Möglichkeit zur Veränderung der momentanen Situation! Es ist eine gut angelegte Plattform, wo aktiv über Probleme und Entwicklungen diskutiert wird. Nehmen wir nur zum Beispiel das Problem Skibergsteigen auf der Piste her, für welches Lösungsvorschläge diskutiert und geschaffen werden. Mit Karl Posch als Präsident hat sich hier auch eine äußerst engagierte Person gefunden, welche in diesem Bereich kräftig umrührt.


ASTC: Nun aber wieder zurück zur kommenden Saison: da wirst du ja nach deinem sensationellen Sieg des MTB-Marathons hoffentlich auch in der Sparte des Skibergsteigens ordentlich mitmischen! In welchem Team gehst du an den Start?

Stefan Kogler: Mein Team wird das Hagan-Martini-Rennteam sein. Das ist für mich in dieser Form ohnehin das erste Mal, dass ich in ein richtiges Team eingegliedert bin, und ich freue mich eigentlich sehr darüber. Insgesamt sind wir zu fünft in diesem Team, mit mir wirken noch Wolfgang Klocker, Georg Simair, Hans Lainer und Hans Kogler mit.


ASTC: Was sind deine vorrangigen Ziele für die kommende Saison?

Stefan Kogler: Für die nächstes Zeit erst einmal ein schönes Weihnachtsfest und neues Jahr mit meiner Kristin. Aber du willst es ja wahrscheinlich eher sportlich wissen... da ist natürlich der Ehrgeiz schon nach wie vor da, ein großes Ziel ist zum Beispiel ein gutes Ergebnis bei der Mountain Attack in Saalbach.

Voriges Jahr ist mir da ein taktischer Fehler passiert, ich hab mir zuerst ein bisschen zu viel Zeit gelassen und abgewartet, und als ich dann am Ende angreifen wollte, war es irgendwie schon zu spät. Die Platzierung war zwar trotzdem nicht schlecht, eigentlich eh völlig unerwartet. Und wenn man etwas unerwartet erreicht, will man immer noch mehr, wahrscheinlich war ich dann deshalb mit dem Erreichten unzufrieden und hab die Schuld einer schlechten Taktik gegeben.

Ein weiteres Ziel ist natürlich auch der Dachstein Extreme. Der ist das letzte Mal ein bißchen in die Hose gegangen, weil ich als Flachländer so extreme Berge, wie sie hier zu finden sind, einfach nicht gewohnt bin zu besteigen. Ohne Scherz, ich hatte damals zum ersten Mal einen Sitzgurt an, welchen wir zum Sichern brauchten. Da kann man sich dann glaube ich vorstellen, wie ich mich gefühlt habe. Es war für mich aber auf jeden Fall ein großer persönlicher Erfolg, dass ich es geschafft habe. 2007 ist dieser Bewerb auf jeden Fall wieder eine große Herausforderung für mich, und vor allem bin ich auch besser darauf vorbereitet.

Dann werde ich sicher noch einige ASTC-Rennen absolvieren, ich freue mich zum Beispiel schon auf den Champ or Cramp am Goldegg in Spittal. Ein weiteres Renn-Highlight ist für mich noch der Ötzi Alpin Marathon in Südtirol, bei welchem ich gerne eine gute Platzierung erreichen will.

Internationale Rennen will ich keine bestreiten. Wer meine Heimat St. Gilgen kennt, weiß, dass es hier jede Menge Grashügel und einen See gibt, aber zu wenig hohe und steile Berge zum Skibergsteigen. Für internationale Rennen müsste ich mich vor allem im alpinen Bereich viel mehr vorbereiten, dafür reicht aber meine Zeit nicht aus. Unter der Woche möchte ich bei meiner Arbeit nicht zurückstecken, und am Wochenende habe ich auch zu wenig Biss dafür, dass ich es nur mit Trainieren verbringe. Ehrlich ausgedrückt: ich bleib lieber bei einer hobbymäßigen Ausübung meines Sportes.

Aber was ich mir vor allem auch noch wünsche ist, dass diese Saison nicht so durchwachsen von Krankheiten sein wird, wie es die letzte Winter- und auch Sommersaison war. Denn wenn man das alles zusammenzählt, habe ich für die nächsten Jahre schon genug durch gemacht. Zwei Wochen vor dem Ötzi Alpin Marathon hat man mir einen Zahn gerissen, im Sommer hab ich mir das Schlüsselbein gebrochen, und nach dem Mountainbike-Marathon in Bad Goisern sind Probleme in der Schulter aufgetreten. Bis jetzt sind die Ärzte noch nicht genau darauf gekommen, was es ist, wie es gekommen ist und was man dagegen machen kann.

Ich vermute, dass diese Art Schulterblattlähmung durch die zehnstündige Fehlbelastung beim Marathon aufgetreten ist, und hoffe jetzt einfach, dass sie wieder so schnell vergeht, wie sie gekommen ist. Beim Tourengehen und Radfahren behindert sie mich zum Glück nicht, nur Überkopfbewegungen sind nicht möglich. Aber ich bin da sehr guten Mutes, dass mein Engelsflügel - wie ich es nenne, weil das Schulterblatt derart raussteht, wenn ich die Muskulatur anspanne - nach der Weihnachtszeit wieder verschwindet...


ASTC: Ich bin mir sicher, dass wir im Laufe der Saison noch viel von dir hören werden, bedanke mich für das Gespräch und wünsche dir viel Erfolg bei den kommenden Rennen!


Quelle
Anna Spielbüchler
06. Dezember 2006
www.astc.at

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