Aktuelles News

Bettina Schöpf trainiert

Bettina Schöpf

Besichtigung eines Boulders

Bettina Schöpf

Halbfinale in Serre Chevalier

Bettina Schöpf

Bettina Schöpf

Bettina Schöpf

Bettina Schöpf

Bettina Schöpf berichtet vom Kletter-Weltcup in Prag

Bettina Schöpf am 14.10.2003 - 11:44 Uhr

Nach den Weltcups in Imst (AUT), Ekaterinburg (RUS), Lecco (ITA), Aviles (ESP) und Aprica (ITA) wurde der sechste Weltcup dieser Saison am 11. und 12. Oktober, nach einer siebenjährigen Wettkampfpause in Prag (CZE) ausgetragen.

- Wie ich die Reise nach Prag und die Veranstaltung erlebt habe -

Die Fahrt nach Prag - erste Station an der Grenze:
Am Feitag machten wir - fünf Tiroler Mädels vom Austria Climbing Team (Bacher, Bacher, Knabl, Eiter, Schöpf) - uns gemeinsam mit dem Auto des Vaters zweier Klettermädels auf den Weg nach Prag. Die erste längere erzwungene Pause gab es an der tschechischen Grenze. Aussteigen hieß es: Anscheinend sahen wir ziemlich verdächtig aus, denn der Zwischenstop dauerte seine Zeit. Das ganze Auto und auch wir wurden von oben bis unten durchsucht. Sogar die Wurstsemmeln waren vor der Grenzwache nicht sicher.

Samstag, der erste Wettkampftag, beginnt mit Pech:
Die restliche Fahrt lief wie geschmiert und ohne längeres Suchen konnten wir direkt zum Hotel fahren. Beim Weltcup hatten wir aber nicht nur an der Grenze und in der Kletterwand zu kämpfen, sondern auch mit Dieben. Am nächsten Morgen war das Auto nicht mehr da. Gestohlen! Somit hatten die Bacher-Mädls schon am Samstag, dem ersten Wettkampftag, neben den Kletterrunden alle Hände voll zu tun.

Viertel-Finale am Sonntag Morgen:
Das Viertel-Finale der Damen startete am Sonntag um 8:00 Uhr. Wie bei jedem Weltcup konnten sich 26 Damen für das Halb-Finale qualifizieren, das um 19:00 Uhr ausgetragen werden sollte. Mit dabei die Favoritinnen Muriel Sarkany (BEL), Sandrine Levet (FRA) und Angela Eiter (AUT). Auch Damaris Knorr (GER) sowie Barbara Bacher, Gerda Raffetseder, Sabine Bacher, Sabine Knabl und ich (alle AUT) konnten sich für das Halb-Finale qualifizieren. Bereits im Viertel-Finale und im Halbfinale der Damen und der Herren war eine sehr gute Stimmung. Der Zuschauerraum war voll und die Zuschauer lebten den Wettbewebbewerb so richtig mit.

Niedrige Kletterwandhöhe erschwert die Arbeit für die Routensetzer:
Mit einer Kletterwand-Höhe von zwölf Metern zählt diese Wand, neben wenigen anderen, zu den niedrigsten Wänden, an denen ein Weltcup ausgetragen wird und ausgetragen werden kann. Laut Regeln muss die Kletterwand nämlich diese Mindesthöhe aufweisen. Je niedriger die Kletterwand, desto schwieriger wird auch die Arbeit für die Routensetzer. Das Ziel ist es, die Routen im richtigen Schwierigkeitsgrad zu bauen, sodass im Viertel-Finale ca. zehn das 'Top' (den letzten Griff-Einhängen der Expressschlinge) und im Halb-Finale ca. drei, aber maximal acht der Kletterinnen erreichen, da sich die besten Acht für das Finale qualifizieren.

- Wie ich den Kletterweltcup-Wettbewerb in Prag erlebte -

Zufriedenheit mit den Routensetzern:
Mit gemischten Erwartungen fuhren wir nach Prag, da fünf Tage vor dem Wettkampf noch nicht sicher war, ob und wer als Routensetzer vor Ort sein wird. Am Veranstaltungsort konnten wir uns dann von den optimal gebauten Routen überzeugen. Ein Lob an dieser Stelle an die Routensetzer der diesjährigen Bewerbe. Echt super-genial und bitte macht weiter so! Am Samstag Nachmittag stand das Viertel-Finale der Herren auf dem Programm. Auch dieses konnte nach Plan gestartet werden. Im Halb-Finale der Herren am Sonntag qualifizierten sich die besten Acht für das Finale.

Technische Probleme durch Stromausfall in der Halle:
Der Wettbewerb war sehr gut organisiert und die Zuschauer waren begeistert. Der Start des Finales war dann am Sonntag um 17:00 Uhr. Zuerst waren die Damen an der Reihe. Die Stimmung im Finale war gigantisch. Bereits bei der zweiten Dame - Damaris Knorr aus Deutschland gab es technische Probleme. Wegen der Überlastung der Stromleitungen erfolgte ein Stromausfall. Damaris Knorr stieg in die Wand ein. Und obwohl die Schiedsrichter die Kletterin stoppen wollten, konnte sie die Zurufe nicht wahrnehmen. Verständlich, wenn man sich in der Isolationszone auf die Route vorbereitet und voll motiviert und konzentriert nur nach oben möchte.

Damaris Knorr erhält eine zweite Chance:
Die Entscheidung des Jurypräsidenten lautete, dass die Kletterin eine zweite Chance bekommt, da durch den Lichtausfall eine Sicht-Beeinträchtigung gegeben war. Damaris Knorr kam in eine Zwischenisolation, und durfte sich dort auf den zweiten Versuch vorbereiten. Inzwischen ging eine weitere Athletin an den Start - Ciavaldini Caroline aus Frankreich. Als nächste Starterin war ich an der Reihe. Ich hatte mich super auf die Route vorbereitet und fühlte mich fit.

Erneuter Stromausfall - die Konzentration lässt nach:
Als ich bereits einige Klettermeter hinter mir hatte - das Publikum tobte - plötzlich erneuter Stromausfall. Kein Licht, die Musik verstummte, und das Publikum wurde kurz leise. Kein Problem für mich: Voll konzentriert auf die nächsten Kletterzüge, wollte ich weiterklettern. Das Publikum unterstützte mich auch wieder auf meinem Weg nach oben. Dann kamen mehrere Zurufe von unten. Zuerst nahm ich sie nicht war, denn für mich war klar, ich möchte weiterklettern. Der Stromausfall war insoweit kein Problem, als dass ich alles sehen konnte was ich sehen wollte, nämlich die nächsten Kletterzüge. Weitere Zurufe des Schiedsrichters. Er wollte mit mir sprechen, mich stoppen, ein zweites Mal starten lassen. Und er schaffte es dann auch, mich aus meiner Konzentration, aus meinem Kletterfluss zu reißen.

Das 'Aus' nach der Schiedsrichter-Unterbrechung:
Der Schiedsrichter unterhielt sich mit mir. Ich hängte an einer ziemlich unpasseneden, schwierigen Stelle in einem Wettkampf und musste mich umdrehen, um mit ihm sprechen. Ich wollte weiterklettern. Diese Situation war für mich ungefähr so, als ob ich aus dem Schlaf heraus gerissen werde. Ich kletterte noch einen Zug und dann kam das 'Aus'. Das bedeutete, dass für mich der Wettbewerb gelaufen war. Den technischen Zwischenfall konnte ich auch akzeptieren und laut Regeln ist das auch o.k. für mich. Aber wenn man durch den Stromausfall schon mit einer anderen Situation konfrontiert wird, dann ist es doch verständlich, dass man nicht auch noch zusätzlich unter dem Klettern mit jemandem sprechen und sich entscheiden kann, ob man weiterklettern möchte oder nicht.

Entscheidung zum Weiterklettern:
Entscheiden kann man sich schon, und ich entschied mich fürs Weiterklettern. Hätte ich nämlich einen zweiten Versuch gestartet, dann hätte ich noch einmal die ganze Route bis zu dieser Stelle klettern müssen. Und wer weiß, ob man das noch einmal schafft. Ich entschied mich für das 'Ja' zum Weiterklettern. Ich wollte nur, dass mich der Schiedsrichter in Ruhe lässt, da ich mein Ziel nach oben zu kommen vor Augen hatte. Die Entscheidung war zu rasch und sofort danach merkte ich, dass mich das Gerede - ich musste mich ja umdrehen und mit dem Schiedsrichter sprechen - und das lange Verweilen an der selben Stelle sehr mitgenommen hatten. Ich konnte nur noch zum Griff dazugreifen und dann kam das 'Aus'. Keine zweite Chance und insgesamt einfach unbefriedigend für mich.

Vom Pech verfolgt:
Ich wollte nach Prag kommen und meine Leistung an die Wand bringen und genau das ist es, was ich nicht konnte. Im Moment werde ich von solchen Zwischenfällen verfolgt. Wenn es einen Zwischenfall gibt, dann bin ich jedes Mal beteiligt. Es ist schade, wenn man nicht zeigen kann, was man drauf hat. Wenn ich beim Klettern eine Kletterstelle nicht abchecke, oder wenn ich nach einem guten Fight herausfalle, weil ich gepumpt bin, dann ist das o.k., aber so ist es echt unbefriedigend.


  Zurück
Weiterführende Informationen zum Thema:
Verwandte Artikel bei Mountains2b:
Verwandte Bildergalerien bei Mountains2b:
Verwandte Links (extern):
Social Bookmarking:
Linktipps: Google, Amazon, ebay
Anzeige
Anzeigen
Google Anzeigen