DAV Skitourencup 2008: Barbara Gruber kämpft sich zu DM-Titel im Vertical Race
M2b Redaktion am 10.03.2008 - 08:49 Uhr
"Wie weit ist es noch? Wie wie weit ist er hinter mir?" Als Andreas Strobel durch den etwa 500 Meter langen Tunnel sprintete, der durch die Karwendelspitze zum Ziel nahe der Bergstation der Gondelbahn führt, war das dritte Rennen des diesjährigen DAV Skitourencups trotz der bereits zurückgelegten 1300 Höhenmeter noch nicht entschieden. Beim Dammkarwurm 2008 sollten die Deutschen Meister im Aufstieg ermittelt werden - gefragt waren also Kondition,
Kraft und eine kluge Renneinteilung.
Strobel vor Steurer und Nägele
Im letzten Drittel der anspruchsvollen Strecke und in der Tragepassage vor dem Tunneleingang hatte sich Aufstiegsspezialist Strobel (Team Vaude) von seinen ärgsten Konkurrenten Toni Steurer (Sektion Oberstdorf) und Olivier Nägele (LIE) absetzen können und war so fokussiert zu seinem ersten Deutschen Meistertitel im Skibergsteigen gestrebt, dass er sich nicht einmal die Zeit für einen kurzen Blick zurück nehmen wollte. Und am Ende reichte es für den "Hobbyskibergsteiger", der sich nach seinem letzen Skitourenrennen in diesem Jahr nun wieder voll auf seine Erstsportart Mountainbike konzentrieren will.
Bei den Damen war Barbara Gruber (Bad Reichenhall) am Ende einmal mehr die strahlende Siegerin: die Almwirtin, die bei der WM im schweizerischen Portes-du-Soleil noch mit Platz 12 nicht ganz zufrieden sein konnte, distanzierte Steffi Koch (Teisendorf) und Judith Grassl (Berchtesgaden) deutlich und durfte sich nach ihrem Einzeltitel am Hochgrat auch über den Sieg im Vertical Race freuen.
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Gute Schneebedingungen am Dammkar
Vier Tage vor dem Rennen hatten sich die Organisatoren der DAV Sektion in Mittenwald über lang ersehnten Schneefall freuen dürfen. 30 Zentimeter des Winterniederschlags sorgten dafür, dass der Start direkt an der Talstation der zweithöchsten Gondelbahn Deutschlands, der Karwendelbahn, stattfinden konnte. Allerdings mussten die Starter ihre Ski zunächst auf den Rücken schnallen, denn um 9.30 Uhr am Samstagmorgen ging mit einem fliegenden Start für die etwa 70 Starter zunächst per pedes los. Nach dem Startschuss war der erste Sprint hinter dem Startauto angesagt, welches das Rennen anschließend durch eine Tempoverschärfung freigab. Nach wenigen hundert Metern hieß es für die Athleten, die Skier so schnell wie möglich unter die Füße zu bringen und sich in das Gelände zu begeben. Bei Nebel und einer Sichtweite von meist unter 50 Metern waren die Starter schon nach wenigen Sekunden aus dem Blickfeld verschwunden und man konnte nur vermuten, wer als Erstes oben ankommen würde.
Jugendliche erreichen als Erste den Gipfel
Gespannt erwarteten die wenigen Zuschauer am steilen Schlussanstieg vor dem Tunnel die Ankunft der ersten Starter. Zunächst kämpfte sich Seppi Rottmoser (Rosenheim) aus der dichten Nebelbank und durch den tiefen Schnee nach oben. Die Jugendlichen starteten zwar zeitgleich mit den Erwachsenen, durften sich aber mit dem Auto zu einem höher gelegenen Startpunkt chauffieren lassen. Und so war es die bei der WM mit Platz fünf im Vertical Race überzeugende Nachwuchshoffnung Rottmoser, der mit deutlichem Vorsprung vor Jonas Schlachter und Phillip Reiter, die um den Vizemeistertitel kämpften, den Sieg erringen konnte. Bei den weiblichen Jugendlichen war es wie so oft Barbara Abler - bei der WM noch von einer Skikante verletzt - die gegen Kathrin Hoff siegreich blieb.
Strobel bärenstark
Keuchend und trotz der niedrigen Temperaturen schweißgebadet traf kurz nach dem vierten Jugendlichen Anton Palzer auch das Spitzentrio bei der Tragepassage ein. Die größten Kraftreserven für die harten letzten 1000 Meter
hatte sich anscheinend Andreas Strobel aufbewahrt. "Ich bin taktisch gelaufen und wusste, dass die letzte Tragepassage und der Tunnel enorm hart sind", bestätigte der Lehrer und Vollblutsportler im anschließenden Siegerinterview. Für den Gesamtsieg reichte es allerdings nicht: Trotz Punktegleichheit hatte am Ende Toni Steurer die Nase vorn. Die Rechnung des DAV-Verantwortlichen Matthias Keller nach dem Punktesystem der Cup-Wertung, das sich bei Gleichstand an den Abständen zwischen den Kontrahenten orientiert, sah den Oberstdorfer eindeutig vorne. Dritter wurde in dieser Wertung Konrad Lex, der beim Dammkarwurm 2008 den sechsten Platz belegte.
Gruber vor Koch und Grassl
Bei den Damen war das Gesamtergebnis ähnlich knapp: auch hier entschied der am Ende deutliche Vorsprung von Dynafit-Athletin Barbara Gruber die Cup-Wertung, die die Reichenhallerin vor Steffi Koch und Judith Grassl für sich entschied. Fast ausschließlich strahlende Gesichter gab es bei der an das Rennende anschließenden Siegerehrung in der Bergstation. Judith Grassl verkündete zwar ihren Abschied vom internationalen Skitourensport nach dieser Saison, wird aber höchstwahrscheinlich beim DAV Skitourencup 2009 wieder mit dabei sein. Bestes Beispiel für großen Sport auch im fortgeschrittenen Sportleralter ist ihr Mann Franz, der im Dammkar hinter dem Österreicher Alexander Fasser Fünfter wurde und nach einer überragenden Saison und den DM-Titeln im Single und Team ungefährdet den Gesamtsieg bei den Senioren erlief.
Die Ergebnisse im Überblick Dammkarwurm 2008 Herren
1. Andreas Strobel 01:11:18
2. Toni Steurer 01:11:40
3. Olivier Nägele 01:11:48
4. Alexander Fasser 01:12:57
5. Franz Grassl 01:13:49